Gerald Schubert
Magyars Panne ist keine Katastrophe, aber ein Warnsignal
Die Benennung einer berühmten Kandidatin für das Amt des ungarischen Staatsoberhaupts wurde zum Flop. Künftig sollte mehr Kommunikation auf dem Programm stehen
Kommentar
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Gerald Schubert
Seit er im Mai Regierungschef wurde, schreitet Péter Magyar mit seinen Reformen schnell voran. Nun auch zu schnell.
Nüchtern betrachtet könnte man sagen: Viel ist nicht passiert. Ungarns neuer Regierungschef Péter Magyar hatte die Schach-Großmeisterin Judit Polgár öffentlich für das Amt der Staatspräsidentin vorgeschlagen, diese erteilte ihm tags darauf eine Absage – ein Rückschlag für Magyar, aber keiner, der sich nicht bewältigen ließe. Das Staatsoberhaupt wird in Ungarn vom Parlament gewählt, Magyars Partei Tisza wird mit ihrer Zweidrittelmehrheit bald jemand anderen an die Spitze hieven.
Doch nüchterne Betrachtungen sind bekanntlich nur ein Teil des großen Ganzen. Magyar, der in seinem zweijährigen Wahlkampf gegen den Rechtspopulisten Viktor Orbán keinen nennenswerten Fehler begangen hatte, trat nun für alle sichtbar in seinen ersten großen Fettnapf. Überstürztes Vorpreschen gepaart mit mangelnder Kommunikation gilt in der Politik nicht nur als strategisch unklug, sondern auch als Zeichen von Selbstüberschätzung – eine toxische Mischung.
Mehr Umsicht
Gerade weil der Umbau des geschundenen Staates eine Schweraufgabe ist, sollte Magyar mehr Umsicht walten lassen. Das ist keine Gleichsetzung mit seinem Vorgänger Orbán, der 16 Jahre lang in schamloser Selbstüberschätzung regiert und die Rechtsstaatlichkeit im Land untergraben hatte. Sehr nüchtern betrachtet könnte man sogar sagen: Wenn die Panne rund ums Präsidentenamt dazu beiträgt, dass Magyar künftig einen kühleren Kopf bewahrt, dann könnte sie ihn politisch sogar stärken. (Gerald Schubert, 21.7.2026)
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