Klub-Boss verrät Bedingungen für Müller-Einstieg bei portugiesischem Erstligisten
Stand: 27.07.2026, 13:06 Uhr
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Thomas Müller und Mats Hummels stehen kurz vor dem Einstieg bei Estrela Amadora. Sintrense-Clubboss Felix Krüger erklärt im Exklusiv-Interview, worauf es in Portugal ankommt.
Amadora – Johannes Mösmang, früher Integrationsbeauftragter beim FC Bayern, steht vor dem Einstieg als Club-Boss bei Portugals Erstligist Estrela Amadora. Seine früheren Münchner Kollegen Thomas Müller (Vancouver Whitecaps), Mats Hummels (Karriereende) und Yann Sommer (Club Brügge) sollen dabei strategisch agieren, den finanziellen Hauptanteil andere Investoren stemmen. Macht das Sinn? Absolut Bayern fragte bei Felix Krüger, einst rechte Hand von FCB-Sportvorstand Max Eberl bei RB Leipzig und inzwischen selbst Vereinsboss des portugiesischen Viertligisten Sintrense, nach.

Absolut Bayern – absolut hautnah! Unsere Reporter sind für euch hinter den Kulissen des Rekordmeisters unterwegs. Videos, Analysen, Interviews und viele weitere exklusive Inhalte bekommt ihr im Web, in der App und auf Social Media. © Absolut BayernHerr Krüger, was halten Sie vom Einstieg von Müller & Co. bei Estrela Amadora? Ein cleverer Schritt oder großes Risiko?
Ich finde das erst einmal eine gute Nachricht, und zwar für den portugiesischen Fußball insgesamt. Dass Menschen mit echter Fußballbiografie hier unternehmerisch aktiv werden, spricht für den Markt. Portugal ist unterschätzt, und je mehr ernsthafte Leute das erkennen, desto besser wird das gesamte Umfeld.
Die Rede ist von mehr als 20 Millionen Euro Invest bei Amadora.
Zu den Zahlen eines Deals, den ich nicht kenne, sage ich nichts, das steht mir auch nicht zu. Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann: Der Unterschied liegt selten im Einstieg. Er liegt in dem, was danach kommt. Ein Club ist ein Tagesgeschäft. Er lebt von Entscheidungen über Trainingsplätze, Verträge, Verletzungen, Sponsoren und Fahrtwege, an sechs Tagen die Woche. Für mich war deshalb früh klar, dass ich das nur machen will, wenn ich selbst vor Ort bin und wenn die Struktur von den Mitgliedern, dem Präsidenten, den Fans und der Stadt mitgetragen wird. Das ist mein Weg, kein Urteil über andere. Ich wünsche den Kollegen ausdrücklich viel Erfolg.
Portugal-Experte spricht exklusiv über Investoreneinstieg von Müller und Hummels
Sie haben Anfang 2026 den Viertligisten SU Sintrense übernommen. Wie läuft es?
Besser, als die Tabelle auf den ersten Blick vermuten lässt. Man muss die Ausgangslage kennen: Als wir übernommen haben, stand der Club nach 14 Spielen auf Platz 12 von 14 mit 14 Punkten. Das war Abstiegskampf, nicht Aufstiegsrennen. In den folgenden 12 Spielen haben wir 26 Punkte geholt und wären in dieser Teiltabelle Zweiter unserer Gruppe gewesen. Über die gesamte Saison gerechnet sind wir Sechster geworden, und diesen Zusatz nenne ich immer mit, weil beides zur Wahrheit gehört. Die Punkteausbeute pro Spiel hat sich mehr als verdoppelt, bei unverändertem Budget und mitten in der Saison.
Neben dem Platz ist in zwölf Monaten noch mehr passiert.
Wir haben einen Hauptsponsor gewonnen, ein eigenes Gym gebaut, ein neues Trikot entworfen und ein komplettes Brand Book aufgesetzt. Wir übertragen unsere Spiele professionell auf YouTube, was in dieser Liga niemand macht und was für unsere Spieler den Unterschied zwischen Anonymität und Sichtbarkeit bedeutet. Und, das ist mir persönlich das Wichtigste: Die Menschen kommen wieder ins Stadion. Die Stadt nimmt den Club wieder ernst.
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Sie sprechen von operativer Arbeit. Wer macht die eigentlich bei Sintrense?
Ein Team, und darauf bin ich ziemlich stolz. Dionny Macedo führt als Director of Football Operations den Klub im Tagesgeschäft, er kommt von der UEFA und aus der PSG-Akademie. Tom Worville verantwortet den Datenbereich, er hat im Red-Bull-Netzwerk, für Premier-League-Clubs und für „The Athletic“ gearbeitet. Luís Ferreira ist als Technischer Direktor selbst ehemaliger Profi und scoutet weiterhin aktiv. Carlos Pinto ist unser Cheftrainer, und Carlos Bernardo leitet den Leistungsbereich auf einem Niveau, das man in dieser Liga sonst nirgends findet.
Was macht Portugal für Investoren so spannend?
Portugal ist einer der stärksten Ausbildungs- und Exportmärkte der Welt. Die zehn erfolgreichsten Clubs außerhalb von Benfica, Porto und Sporting haben in zehn Jahren zusammen über 700 Millionen Euro positive Transferbilanz erwirtschaftet. Das ist kein Geheimtipp, das ist das Geschäftsmodell des Landes. Dazu kommt eine Kostenbasis deutlich unter Mittel- und Westeuropa, eine außergewöhnlich gute Trainerausbildung und ein natürlicher Zugang nach Brasilien und Afrika über Sprache und Kultur.
Was hat Sie persönlich vom Einstieg überzeugt?
Es gibt hier sehr viele Clubs mit echter Substanz, eigener Historie, eigenem Stadion und tiefer Verankerung in ihrer Stadt, denen schlicht nie jemand professionelle Strukturen gegeben hat. Das ist eine seltene Kombination. Substanz ist vorhanden, Struktur fehlt. Genau dort entsteht Wert.
Wie verdient ein Viertligist überhaupt Geld?
Über drei Wege, und keiner davon heißt Aufstieg. Erstens Spielerhandel. Verträge sind bei uns von der Unterschrift an so gebaut, dass eine spätere Weiterentwicklung möglich ist. Deshalb übertragen wir auch jedes Spiel professionell und pflegen die Datenbanken: Ein Spieler, den niemand sieht, kann sich nicht empfehlen. Wir stellen unsere Leute bewusst ins Schaufenster, und das ist im Interesse der Spieler genauso wie im Interesse des Clubs. Zweitens Kommerzialisierung. In einem Jahr haben wir Hauptsponsor, Ausrüster, Broadcast und Matchday neu aufgesetzt und ein Gym gebaut. 2027 kommt ein Business-Club-Format am Stadion dazu. Drittens Standort und Infrastruktur. Sintra hat 380.000 Einwohner, liegt im Großraum Lissabon und empfängt rund sechs Millionen Besucher im Jahr, UNESCO-Welterbe. Dazu kommt ein eigenes Stadion auf sehr hohem Niveau, und das ist in dieser Liga die absolute Ausnahme. Die meisten Clubs auf diesem Level müssten bei einem Aufstieg erst einmal bauen oder umziehen. Wir nicht. Diese Kombination hat kein anderer Club um uns herum. Der Aufstieg beschleunigt alles. Aber das Modell funktioniert auch ohne ihn, und genau das war die Bedingung, unter der ich eingestiegen bin.
Und wenn das nicht funktioniert?
Dann verliere ich Geld. Das ist die ehrliche Antwort. Ich habe den Club nicht mit fremdem Kapital gekauft, um dann aus der Ferne zuzuschauen. Ich lebe hier, ich arbeite im Club, ich hafte persönlich, und meine Reputation in dieser Branche hängt daran, wie diese Geschichte in fünf Jahren aussieht. Fußball hat eine hohe Zufallskomponente. Wir können die Wahrscheinlichkeit verbessern, durch Struktur, Daten und Disziplin, aber wir können sie nicht auf hundert Prozent bringen. Deshalb bauen wir bewusst Werte auf, die nicht nur an der Tabelle hängen: Infrastruktur, Marke, kommerzielle Verträge, Spielerwerte. Wenn der sportliche Weg länger dauert, wird das Ergebnis schlechter. Es wird nicht null. Was wir sicher nicht tun werden, ist den Club für unsere Ungeduld bezahlen zu lassen. Sintrense war 115 Jahre vor uns da und wird nach uns weiterexistieren. Diese Reihenfolge muss man verstanden haben.
Reicht es Estrela Amadora, wenn Müller & Co. nur Geldgeber sind?
Eine Einschränkung gehört dazu, sonst wäre es unehrlich. Der Markt ist offen für Kapital, aber er belohnt kein passives Geld. Es gibt genug Beispiele von Clubs, in die investiert wurde und die heute schlechter dastehen als vorher. Wer bereit ist zu arbeiten, findet einen der besten Märkte Europas. Wer nur überweisen will, wird enttäuscht.

Sintrense-Boss Felix Krüger war früher bei RB Leipzig. © PrivatWelche Learnings konnten Sie aus Ihrer Leipzig-Zeit zu Sintrense mitnehmen?
Die Leipziger Jahre waren die beste Ausbildung, die ich mir hätte wünschen können. An die Denkweise nehme ich jeden Tag mit. Drei Dinge vor allem. Erstens Rollenklarheit: Wer entscheidet was, und wer steht dafür gerade, wenn es schiefgeht. Clubs scheitern häufiger an unklaren Zuständigkeiten als an schlechten Spielern. Zweitens Kaderarchitektur: Alter, Vertragslaufzeit und Entwicklungsperspektive gehören in die Überlegung, bevor unterschrieben wird, nicht zwei Jahre später. Drittens der Umgang mit Daten. Wir nutzen sie, um unsere eigenen Annahmen infrage zu stellen, nicht um sie zu bestätigen. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.
Wird Sintrense ein portugisiesches Konstrukt a la Red Bull?
Das Kapital, das Netzwerk und die Skalierung von Leipzig haben wir nicht. Wer glaubt, er könne dieses Modell in der vierten portugiesischen Liga nachbauen, hat es nicht verstanden. Übertragbar ist die Disziplin, nicht die Ressource.
Deutschland verschließt sich noch vor externen Investoren. Können Sie das nachvollziehen?
Absolut, und ich sage das ohne jede Ironie. Die deutsche Fankultur ist etwas, um das uns die ganze Welt beneidet, und die Skepsis hat gute historische Gründe. Es gibt international genug Beispiele, die den Fans recht geben. Ein Club gehört zuerst seiner Stadt und den Menschen, die ihn tragen. Wer das nicht verinnerlicht hat, sollte keinen Verein übernehmen. Ich habe in Sintra sehr schnell gemerkt, wie wenig einem als Eigentümer eigentlich gehört und wie viel man sich verdienen muss. Ich glaube nur, dass die Debatte an einer etwas verschobenen Stelle geführt wird. Sie läuft als Frage nach Investor ja oder nein. Die eigentliche Frage ist Governance: Haftet jemand? Arbeitet er? Ist er in fünf Jahren noch da, wenn es schwierig wird? Ein passiver Anteilseigner ohne Verantwortung ist ein Risiko, egal ob er 49 oder 75 Prozent hält. Umgekehrt kann ein Eigentümer, der operativ arbeitet und persönlich haftet, einen Klub stabiler machen als jede Beteiligungsgrenze. Das sage ich völlig ohne Eigeninteresse. Wir investieren nicht in Deutschland.
Mit Red&Gold kooperiert der FC Bayern weltweit mit Vereinen. Können Sie sich eine Zusammenarbeit zwischen Sintrense und den Münchnern künftig vorstellen?
Red&Gold finde ich als Modell klug gedacht, gerade weil es auf Wissenstransfer setzt und nicht auf Kontrolle. Und ganz generell: Wir sind offen für Partnerschaften in den Bereichen Ausbildung, Spielerentwicklung und Methodik. Davon profitieren beide Seiten, wenn es richtig gemacht wird. Über konkrete Clubs spreche ich aber nicht, solange es nichts zu besprechen gibt. Ich halte nichts davon, öffentlich Interesse anzumelden, das wäre unseriös gegenüber allen Beteiligten. Und ich sage offen, wie wir denken. Wir bauen Sintrense nicht als Satellit. Modelle, in denen ein kleiner Klub zum verlängerten Arm eines großen wird, sehen kurzfristig attraktiv aus und kosten langfristig Identität und Wert. Unser Anspruch ist, in einigen Jahren ein Club zu sein, mit dem man zusammenarbeiten will, weil er etwas kann. An diesem Punkt arbeiten wir gerade. Dann führen wir das Gespräch gerne, mit München und mit anderen.