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Jeden Donnerstag wird die Schule zu einer erfolgreichen Firma

Stand: 14.07.2026, 06:30 Uhr

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Schule am Habbrügger Weg, Ganderkesee, Schulfirma, IdeenExpo, Auszeichnung

Auf einem eigenen Stand auf dem Messegelände in Hannover stellten die Schüler aus Ganderkesee ihre Firma vor. Zusammen mit den Besuchern produzierten sie 800 Klemmbretter. © Schule

Die Schülerfirma der Ganderkeseer Förderschule ist von Kultusministerin Julia Willie Hamburg mit Gold ausgezeichnet worden. Auf der IdeenExpo in Hannover bauten die Jugendlichen mit Besuchern 800 Klemmbretter.

Ganderkesee – „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“ Diese Weisheit setzt die „Schule am Habbrügger Weg“ in Ganderkesee (Förderschwerpunkt Lernen und Emotionale und Soziale Entwicklung) an einem Tag in der Woche ganz besonders um. Denn dann wird die Bildungseinrichtung regelrecht zu einer Firma und die Jugendlichen der Jahrgänge sieben und acht zu Produktplanern, Marketingexperten, Technikern, Designern und Vertriebsmitarbeitern. Das klappt buchstäblich ganz ausgezeichnet: Die Schule ist für ihr langjähriges und umfassendes Konzept jetzt von der niedersächsischen Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) im Rahmen der Messe „IdeenExpo“ in Hannover ausgezeichnet worden.

Schule am Habbrügger Weg, Ganderkesee, Schulfirma, IdeenExpo, Auszeichnung

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (2.vl.) überreicht einer Delegation der „Schule am Habbrügger Weg“ aus Ganderkesee die Auszeichnug. © Schule

Die Firma ist alles andere als eine Eintagsfliege, berichtet Lehrer Lars Hübenthal im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung, denn sie ist bereits im Jahr 2000 gegründet worden. „Damit ist sie eine der ältesten Schülerfirmen in Niedersachsen.“ Seit damals sei es das Ziel, „die Schüler ins Handeln zu kriegen“ – und dabei stets einen Nachhaltigkeitsgedanken zu verfolgen. Letzteres zeigt sich denn auch im Namen des kleinen Unternehmens „Pupils GMBH“. Die Abkürzung steht allerdings nicht etwa für die rechtliche Gesellschaftsform der kleinen Firma, sondern für eines ihrer erklärten Ziele: „Ghana mit Bäumen helfen“. Der erwirtschaftete Gewinn komme dem Verein „Schulwälder für Westafrika“ aus Göttingen zugute, und damit insbesondere einer Partnerschule in dem afrikanischen Land, berichtet der Lehrer weiter.

Dafür wird die Schule für die rund 45 Jugendlichen von 14 bis 16 Jahren jeden Donnerstag von morgens bis mittags zu einer regelrechten Firma mit aktuell vier Abteilungen: „Holz/Metall“, „Kreativ“, „Caféteria“ sowie seit einem Jahr „Garten und Gestalten“. Dann entstehen etwa Nist- und Futterhilfen, saisonale Deko-Artikel oder Klemmbretter – unter anderem aus alten Hölzern und Restpappen. Mit einem Laser-Cutter können nach Kundenwunsch Stifte graviert werden. Wie es sich für einen wirtschaftenden Betrieb gehört, gibt es natürlich auch eine eigene Buchhaltung. Dabei übernehmen Schüler alle Bereiche der Abwicklung, erläutert Hübenthal: von der Annahme eines Auftrags über die eigentliche Produktion und den Businessplan bis zum Verkauf und dem Schreiben der Rechnung. Alle verstünden sich dabei als eine gemeinsame Firma, betont der Lehrer den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit der „Pupils GMBH“.

Jedem Schüler werde dadurch die Rolle eines Spezialisten zuteil, erläutert der Pädagoge: „Wir gucken, wo die Schüler reinpassen.“ Dort können sie sich dann aussuchen, was sie im Einzelnen machen wollen. Das Konzept kommt auch bei den jungen Mitarbeitern gut an: „Seit acht Jahren ist die Firma nicht ein einziges Mal ausgefallen“, freut sich Hübenthal.

Der pädagogische Fachbegriff für die Identifikation mit ihrer Firma lautet Selbstwirksamkeit. Für die Heranwachsenden bedeutet das: „Ich kann was. Ich habe was geschafft – mit meinen eigenen Händen“, bringt es der Lehrer auf den Punkt. Die beiden Jahre in ihrer Firma seien darüber hinaus auch der Start der Berufsorientierung für die Jugendlichen.

Dieses besondere Konzept der Ganderkeseer Förderschule hat einmal mehr das Land Niedersachsen überzeugt. Nachdem die Bildungseinrichtung bereits im vergangenen Jahr mit dem silbernen Preis als nachhaltige Schülerfirma ausgezeichnet worden ist, gab es nun die goldene Auszeichnung. Ein Selbstläufer oder eine Selbstverständlichkeit sei das allerdings nicht gewesen, so Hübenthal abschließend: Die Schüler hatten sich bewerben und eine deutliche inhaltliche Steigerung ihrer Bemühungen nachweisen müssen. Diese sei dann bei Besuchen von Vertretern des Landes in Ganderkesee genau überprüft worden.

Die Ehrung erfolgte im Rahmen der „IdeenExpo“ zunächst im kleinen Kreis. Später war dann die ganze Firma mehrere Tage mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten gewesen. Dabei wurden zusammen mit den Besuchern rund 800 Klemmbretter gebaut. Hübenthal lobt den Mut seiner Schützlinge: „Sie sind über sich hinausgewachsen!“ Wie es sich für die Vertreter eines Unternehmens gehört, hat jeder Mitarbeiter einen Ausstellerausweis bekommen und konnte auch hinter die Kulissen der Veranstaltung schauen. Die Schüler seien rundum begeistert gewesen. Denn die erneute Auszeichnung in einem so großen Rahmen sei etwas, auf das die Mitarbeiter stolz sein dürfen. Zu Recht: „Es ist ihre Leistung. Sie haben alles dafür getan“, unterstreicht der Lehrer.