Stand: 19.07.2026, 18:10 Uhr
Kommentare
Uns auf Google folgen
Obwohl der Ausgang der WM 2026 für den Turnierfavoriten Frankreich äußerst enttäuschend war, zählt Innenverteidiger Dayot Upamecano zu den Gewinnern.
München – Die Favoritenrolle für die mit dem Finale Spanien gegen Argentinien zu Ende gehende WM in den USA, Mexiko und Kanada verdankte Frankreich hauptsächlich seinen formidablen Offensivspielern Kylian Mbappe, Michael Olise, Ousmane Dembele, Desire Doue & Co.. Nach sechs meist äußerst souveränen Siegen schwächelten jedoch ausgerechnet die Hochgelobten im Halbfinale gegen Spanien auf bittere Weise (0:2).

Dayot Upamecano jubelt über Frankreichs 4:5 gegen England, für das er die Vorlage gegeben hat. © IMAGO/CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICHEiner der ganz wenigen Profis der Equipe Tricolore, der seine zuvor erstklassigen Leistungen gegen die Iberer bestätigen konnte, war der Abwehrchef des FC Bayern, Dayot Upamecano. Der bullige Innenverteidiger des deutschen Rekordmeisters konnte sein vorhandenes riesiges Potenzial auch in den vergangenen beiden Jahren unter Vincent Kompany bestätigen und stabilisieren. Zuvor hatte er seine klasse Leistungen häufiger durch gravierende Aussetzer, meist infolge von Konzentrationsmängeln, torpediert.
Upamecano bestätigt Vorschusslorbeeren eindrucksvoll
In Fußball-Deutschland, speziell bei den FCB-Anhängern, hängen ihm diese Lapsus immer noch nach. Anders ist dies in seinem Heimatland Frankreich, wo man seine Fähigkeiten spätestens seit der WM 2022 in Katar, bei welcher er zu den besten Innenverteidigern des Turniers zählte, absolut wertschätzt.
Auch der scheidende Nationaltrainer Didier Deschamps gehörte seit Jahren zu den größten Unterstützern des Bayern-Verteidigers und vertraute ihm stets bedingungslos. Zusammen mit William Saliba vom Champions-League-Finalisten FC Arsenal bildete Upamecano zuletzt das Stamm-Innenverteidiger-Duo bei der Equipe Tricolore.
Vor dem Turnier in Nordamerika hatte das französische Statistikportal Stats Foot die Leistungen des Nationalteams genauer analysiert und dabei eindrucksvoll nachgewiesen, wie enorm wichtig der 27-Jährige für die Stabilität der französischen Defensive ist: In den vergangenen 1050 Spielminuten, in welchen Upamecano auf dem Platz gestanden war, hatte Frankreich lediglich vier Gegentore kassiert. Dagegen hatte der zweimalige Weltmeister in den letzten 816 Minuten ohne den Bayern-Profi insgesamt 18 Gegentore hinnehmen müssen.
Diese Statistik wurde auch bei der WM 2026 bestätigt: Upamecano stand in den sechs Partien bis zum Semifinale fünfmal über die volle Spielzeit auf dem Platz, lediglich gegen Norwegen (4:1) wurde er bereits nach 76 Minuten ausgetauscht. Frankreich blieb dabei viermal ohne Gegentor und war nach Spanien, welches allerdings einen wesentlich defensiveren Spielansatz wählt, gemessen an den Gegentoren die zweitbeste Defensive. Wie schon erwähnt war der Münchner dann auch beim bitteren 0:2 gegen den Europameister einer der ganz wenigen Franzosen, der eine anspruchsvolle Leistung zeigte.
Im Spiel um den dritten Platz gegen England rotierte Deschamps kräftig und schonte Upamecano zu Beginn. Auch Saliba fehlte verletzt. Und das ging dann in der ersten Spielhälfte fürchterlich schief: Die neu formierte Innenverteidigung Ibrahima Konate / Maxence Lacroix war mitverantwortlich dafür, dass Frankreich mit 0:4 den höchsten Halbzeitrückstand seiner WM-Historie erlitt. Für den Real-Spieler Konate kam dann nach der Pause der Bayer in die Partie – und war entscheidend am Umschwung der Franzosen beteiligt.
Französische Defensive nur mit Upamecano souverän
Innerhalb von 20 Minuten verkürzten Les Bleus auf 3:4, Upamecano stabilisierte hinten und schaltete sich regelmäßig in die Offensive ein. Dem schnellen 1:4 ging sein robuster Ballgewinn und gelungener Pass auf Assistgeber Michael Olise voraus. Am Ende wurde die französische Aufholjagd nicht belohnt, obwohl Upamecano sogar noch eine Torvorlage beim 4:5 sammelte. Der Halbzeitvergleich lautete dennoch 0:4 ohne Upamecano zu 4:2 mit ihm.
Beim Nations-League-Final-4 2025 in München und Stuttgart hatte Frankreich beim 4:5 im Halbfinale gegen Spanien ein ähnliches defensives Debakel wie nun gegen England erlebt. Der Münchner fehlte damals verletzungsbedingt, nachdem er zuvor sein Nationalteam als letzter Schütze im Viertelfinal-Elfmeterschießen gegen Kroatien zur Endrunde brachte.
Der im Regelfall äußerst souveräne Abwehrverbund der Equipe Tricolore zeigt diese Stärke eigentlich nur dann, wenn Upamecano auf dem Platz steht. Dabei erschwert die grundsätzlich offensive Spielausrichtung die Aufgaben der Innenverteidiger erheblich. Upamecano kennt diese Aufgabenstellung vom anspruchsvollen FCB-Spielsystem unter Kompany.
Mit seiner robusten Zweikampfführung, Schnelligkeit, aber auch seinem ausgezeichneten Spielaufbau ist er bei der WM 2026 wohl der beste Innenverteidiger des Turniers. Die Endspielteilnehmer Aymeric Laporte, und Pau Cubarsi (beide Spanien) sowie Lisandro Martinez und Cristian Romero (beide Argentinien) können beim Gesamtpaket nicht konkurrieren.