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Dan Twardzik (Altglienicke) im Sommer-Interview (24 Min)
Fußball | Regionalliga
Stand: 17.07.2026 19:03 Uhr
Mit prominenten Neuzugängen hat die VSG Altglienicke bereits vor der Saison für Furore gesorgt. Der Trainer Dan Twardzik ist mit 35 Jahren dafür sehr jung. Im Interview spricht der Coach, Sohn des ehemaligen Sachsen-Leipzig- und Rot-Weiß-Erfurt-Torhüters Rene Twardzik, über Druck, Ambitionen, das Besondere an Altglienicke, seine Trainerphilosophie und seine Regionalliga-Favoriten.
- Frage: Unsere Interview-Reihe ist üblicherweise den Trainern der Regionalligisten aus dem MDR-Sendegebiet vorbehalten. Für Altglienicke machen wir diesmal eine Ausnahme. Haben Sie eine Idee, warum wir ausgerechnet mit Ihnen sprechen wollen?
Twardzik im Sommer 2026 mit dem Berliner Landespokal.
Dan Twarzik: "Ich denke mal, wir haben Aufsehen erregt durch unsere Transfers. Vielleicht spielt auch meine Vergangenheit in Mitteldeutschland eine Rolle."
- Wenn wir die bisherigen Regionalliga-Trainer zu ihren Favoriten für die Saison befragt haben, fiel immer der Name VSG Altglienicke. Das ist auch der Grund für die Interview-Anfrage. Wie gehen Sie als junger Trainer mit 35 Jahren mit so einer Favoritenrolle um?
Twarzik: "Es ist ein gewisser Druck. Aber es ist auch eine Vorfreude. Ich als Trainer, wir als Verein haben unsere Träume. Wir wollen früher oder später einen Aufstieg schaffen. Der Verein arbeitet sehr hart daran, dies möglich zu machen. Nach der Vorbereitung kann man noch nicht sagen, dass wir auf jeden Fall Topfavorit sind. Es gibt viele Mannschaften, die diese Rolle einnehmen können und sollten, vor allem gerade die großen Vereine aus dem Osten."
- Ihre Neuzugänge sind hochkarätig. Ein ehemaliger Bundesligaspieler mit Länderspielerfahrung, John Anthony Brooks. Spieler wie Ali-Erem Ersungur, der aus der 2. Liga kommt. Drittligaerfahren Spieler wie Sven Sonnenberg aus Saarbrücken oder Tolga Cigergi aus Cottbus. Wie bewerten Sie aktuell Ihren Kader?
Twardzik (li.) mit Top-Neuzugang Brooks (re.)
Twarzik: "Der Kader ist super zusammengestellt, mit einer sehr hohen Qualität. Man darf aber nicht vergessen, dass diese Namen und diese Einzelspieler nicht die komplette Saison gewinnen. Dafür braucht man die gesamte Mannschaft. Und die ist in einer sehr, sehr guten Verfassung. Auch was das Zusammenleben in der Kabine angeht, sind wir sehr homogen. Ich kann mir vorstellen, dass uns das dieses Jahr tragen wird."
- Freundschaftsspiele können ein Indikator für Zusammenhalt sein. Sie haben Zweitliga-Aufsteiger Energie Cottbus ein 1:1 abgerungen. Gegen den ambitionierten Oberligisten Krieschow gewannen Sie in dieser Woche 6:0. Wie bewerten Sie die Testspiele?
Twarzik: "Wenn man sich die reinen Ergebnisse anschaut, dann war das gar nicht verkehrt. Es geht aber um die Entwicklung der Mannschaft. Da sind wir auf einem guten Weg gewesen bislang."
- Am Samstag (18. Juli 2026) steht ein in Markranstädt ein Test gegen den Bundesligist RB Leipzig an. Wie gehen Sie das Spiel gegen den prominenten Gegner an?
Twarzik: "Ganz normal, wie jedes Testspiel ja auch. Wir wollen auf uns gucken. Wir wollen unsere Abläufe, unsere Identität bewahren und die dann auch auf dem Platz sehen und umsetzen."
- Und wie geht es Ihnen als Trainer, auf Martin Demichelis, einen ehemaligen Weltklasse-Innenverteidiger und jetzigen Trainer des Bundesligisten zu treffen?
Twarzik: "Es ist schön, gegen solche Spieler und solche Mannschaften antreten zu dürfen. Vielleicht habe ich auch die Möglichkeit, mit Herrn Demichelis ein paar Worte auszutauschen. Vielleicht kann er mir noch mal Tipps geben, wie man eine erfolgreiche Saison noch erfolgreicher gestaltet. (lacht). Aber ich kann mir natürlich vorstellen, dass er auch genug zu tun hat."
Twardzik im Dezember 2025, damals hospitierte er bei Hertha BSC.
- Lassen Sie uns noch mal auf Ihre Neuzugänge blicken. John Anthony Brooks sticht besonders heraus. Wir wissen, dass er Ihren Teammanager Mauricio Marin gut kennt. Trotzdem wird er sicher nicht für ein Butterbrot und einen Apfel zu Ihnen kommen. Wie kann sich ein Regionalligist zu einen ehemaligen Bundesliga-Spieler wie ihn holen?
Twarzik: "'Jay' hatte enge Verbindungen zu unserem Teammanager. Er verfolgt den Verein einfach schon lange, war auch öfter bei unseren Spielen dabei. Da sind Beziehungen entstanden. Wir waren nicht die Einzigen, die diese Spieler holen wollten und die Möglichkeiten dazu hatten. Ich glaube, das familiäre Umfeld, die enge Verdrahtung zwischen Mannschaft, Staff und Verantwortlichen zeigt, was man an diesem Verein haben kann."
- Seitdem Altglienicke 2017 aufgestiegen ist, hat sich der Verein zumeist im oberen Teil der Regionalliga einsortiert, ist 2020 und 2021 sogar Zweiter geworden. Mit welchem Spielstil wollen Sie die neue Saison angehen?
Twarzik: "Wir wollen offensiven Fußball spielen und dafür haben wir auch die Spieler dazu. Wir werden versuchen, den Gegner frühestmöglich zu stören. Aber dann auch zielstrebig zum Tor zu kommen. Wir wollen zu den besten Offensivteams gehören. Und man muss auch hinten sauber bleiben."
- Sie waren in Ihrer Zeit als Spieler Torhüter. Es ist nicht gerade gewöhnlich, dass ein Torhüter in eine Cheftrainerposition rückt. Wie ist der Weg bei Ihnen gewesen?
Twarzik: "In meiner Spielerkarriere habe ich mich eher als künftiger Torhütertrainer gesehen. In die Co-Trainerrolle wurde ich von Karsten Heine (Ex-Trainer Altglienicke, d.Red.) gebracht. Er ist für mich ein großer Mentor und Ansprechpartner. Ich habe für mich herausgefunden, dass mir dieses Trainer-Dasein, mit vielen Charakteren zusammenzuarbeiten, Taktiken auszuprobieren, deutlich mehr liegt als das reine Torwarttraining."
- Torhüter haben im Spiel eine sehr exponierte Position, ihnen wird eine gewisse Verrücktheit, Extravaganz nachgesagt. Was macht Ihre Persönlichkeit aus?
Twarzik: "So, wie ich als Spieler war, dass ich jedes Spiel in jeder einzelnen Aktion gewinnen wollte, das spiegelt sich auch als Trainer wider. Aber auch eine gewisse Ruhe, die ich auch als Torwart haben musste. Diese Verrücktheit, dass man auch mal drüber ist mit den Emotionen, das passiert sehr selten bei mir."
Twardzik als Torhüter.
- Als Spieler sind Sie viel rumgekommen, waren ein so genannter Wandervogel. Sie haben hier in Leipzig, bei Sachsen-Leipzig, Ihre Karriere begonnen. Sie waren in Erfurt, beim FC Bayern im Nachwuchs, in Italien, in Schottland, zuletzt in Tschechien. Was von diesen Stationen nehmen Sie in Ihren jetzigen Job mit?
Twarzik: "Man nimmt von überall etwas mit. In Italien wurde viel im technischen, taktischen Bereich gearbeitet. In Schottland waren es Körperlichkeit und Intensität. Das sind Dinge, die mich geprägt haben. Um auf den Wandervogel zu kommen, ich wollte einfach Fußball spielen. Ich wollte auf dem Platz stehen. Da habe ich dann die Möglichkeiten angenommen, die ich bekommen habe."
- VSG-Geschäftsstellenleiter Paul Manske sagte einmal in einem Interview, man gewinnt Heimspiele durch Heimpublikum. Sie spielen in Fürstenwalde, 50 Kilometer östlich von Berlin. Wie ist es da mit der Heimatmosphäre?
Twarzik: "Das ist immer ein leidiges Thema, dass man keine richtige Heimat hat. Wenn man in Brandenburg spielen muss als Berliner Verein, ist das eine Katastrophe. Aber wenn man sich die Zuschauerzahlen der letzten Saison im Vergleich zu den vorherigen anschaut, hatten wir deutlich mehr Zuschauer. Das ist positiv für uns."
- Paul Manske sagte auch, dass perspektivisch ein Drittligaaufstieg angepeilt werden sollte. Mit welchen Ambitionen gehen Sie in die Saison?
Twarzik: "Wenn man sich die Verpflichtungen anschaut, plus, was der Verein investiert, dann sind die Ambitionen sehr hoch. Wir haben zum Beispiel einen neuen Rasen bekommen im Stadion. Wir wollen uns nicht verstecken. Wir wollen auf Platz eins stehen. Das ist der große Traum. Und dafür muss man Tag für Tag hart arbeiten und Schritt für Schritt gehen."
- Erzgebirge Aue zum Saisonauftakt ist gleich ein richtiger Gradmesser. Wie blicken Sie auf das erste Spiel?
Twarzik: "Ich freue mich auf jeden Fall riesig auf dieses Spiel. Zum Auftakt einen Drittliga-Absteiger zu bekommen, ein super Stadion mit sehr vielen Zuschauern, da ist die Motivation extrem hoch. Aue wird mit Sicherheit mit anderen Vereinen auch einer der Favoriten sein für die Saison."
- Wer sind Ihre Aufstiegsfavoriten für die Saison?
Twarzik: "Meine drei Favoriten für die Saison werden Aue sein, der Chemnitzer FC, der sich gut verstärkt hat und hoffentlich auch wir."
- Vielen Dank für das Gespräch. Alles Gute für die Saison und viele Grüße in den Südosten Berlins.
Mit Dan Twardzik sprach Dirk Hofmeister.
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