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Autismus-Studie enthüllt: Warum manche Kinder im Gespräch scheitern

Autismus-Studie enthüllt: Warum manche Kinder trotz großem Wortschatz im Gespräch scheitern

Stand: 17.07.2026, 19:05 Uhr

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Manche autistische Kinder kennen viele Wörter und verlieren im Gespräch trotzdem den Anschluss – die Studie sieht eine mögliche Ursache in messbarem „Rauschen“ bei der Sprachverarbeitung im Gehirn. © IMAGO / Steffen Unger

Laut einer neuen Studie hängt Kommunikation bei Autismus mit messbarem „Rauschen“ im Gehirn zusammen – nicht nur mit Wortschatz.

Die Probleme in der Kommunikation bei Autismus lassen sich nicht immer an Wortschatz oder Grammatik ablesen. Manche Kinder kennen viele Wörter, bilden ganze Sätze und verlieren im Gespräch trotzdem den Anschluss. Sprache muss im Alltag schnell verarbeitet werden: mit Tonfall, Tempo, Hintergrundgeräuschen und sozialen Signalen. Für Familien, Schulen und Therapien ist dieser Unterschied mehr als eine Feinheit. Er entscheidet mit darüber, welche Unterstützung wirklich passt.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Wissensmagazin SMART UP NEWS

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Eine neue Studie im Fachjournal Scientific Reports gibt nun einen biologischen Hinweis auf diese Lücke. Forscher der University of Virginia und weiterer Einrichtungen analysierten die elektrische Gehirnaktivität von 306 Kindern und Jugendlichen zwischen 7 und 18 Jahren. 162 von ihnen hatten eine Autismus-Diagnose, 144 entwickelten sich typisch.

Während die Teilnehmer gesprochene Fantasiewörter hörten, trugen sie EEG-Hauben, die mit vielen kleinen Sensoren elektrische Aktivität an der Kopfoberfläche messen. Die Wörter hatten keine Bedeutung. So konnten die Experten prüfen, wie das Gehirn Sprachlaute verarbeitet, ohne dass bekannte Begriffe oder gelernte Inhalte das Ergebnis verzerren.

Autismus und Kommunikation hängen nicht nur an Wörtern, sondern am „Rauschen“

Die Auswertung ging über klassische Hirnwellen hinaus. Das Team betrachtete ein sogenanntes aperiodisches EEG-Signal. Dahinter steckt die elektrische Grundaktivität des Gehirns. Sie kann Hinweise darauf geben, wie stark Nervenzellen erregt sind und wie gut hemmende Prozesse die Aktivität ordnen. Beides braucht das Gehirn, um aus vielen Reizen relevante Informationen herauszufiltern.

Bei den autistischen Kindern und Jugendlichen fielen veränderte Muster auf. Die Wissenschaftler bringen sie mit mehr neuronaler Unruhe in der Hirnrinde in Verbindung. In der Studie ist von neuralem „Rauschen“ die Rede. Das bedeutet: Wenn die Grundaktivität im Gehirn unruhiger ist, könnte gesprochene Sprache weniger klar verarbeitet werden.

Der auffälligste Befund betrifft den Alltag: „Stärkeres neuronales ‚Rauschen‘ stand mit geringerer verbaler Kommunikation in Verbindung, nicht aber mit den Sprachfähigkeiten autistischer Jugendlicher“, schreiben die Experten.

Das Gehirn verarbeitet Sprache unterschiedlich

Damit trennt die Studie zwei Bereiche, die oft vermischt werden. Ein Kind kann Wörter kennen, Sätze bilden und Sprachregeln verstehen. Trotzdem kann ein Gespräch anstrengend bleiben, wenn das Gehirn gesprochene Sprache weniger effizient sortiert. Dann geht es nicht allein um „Kann das Kind sprechen?“, sondern auch um „Wie gut kommt Sprache im Gehirn an?“

Mit dieser Unterscheidung können typische Alltagssituationen besser eingeordnet werden. Ein autistisches Kind wirkt vielleicht sprachlich fit, reagiert aber verzögert, zieht sich in Gesprächen zurück oder verliert bei schnellem Sprechen den Anschluss. Das muss nicht bedeuten, dass es die Wörter nicht kennt. Die Verarbeitung kann bereits vorher ins Stocken geraten.

Hilfreich ist die Trennung vor allem bei der Einschätzung von Förderbedarf:

Die Forscher mahnen jedoch zur Vorsicht. Aus den Daten entsteht kein neuer Autismus-Test. Auch eine direkte Therapieempfehlung ergibt sich daraus nicht. Die Ergebnisse beschreiben Zusammenhänge, keine Ursache. Trotzdem liefern sie eine Spur zu der Frage, warum Kommunikationsfähigkeiten im Autismus-Spektrum so unterschiedlich ausfallen.

Autismus und Kommunikation könnten objektiver messbar werden

Kevin Pelphrey von der University of Virginia sieht in solchen Messwerten vor allem einen möglichen Baustein für die Forschung. „Wenn wir verlässliche biologische Marker identifizieren können, könnten sie Forschern eines Tages helfen, Interventionen objektiver zu bewerten und zu verstehen, warum Kommunikationsfähigkeiten im Autismus-Spektrum so stark variieren“, sagt er.

Das wäre für Studien zu Sprachförderung, Kommunikationstraining oder neuen Therapieansätzen wichtig. Bisher beruhen viele Einschätzungen auf Beobachtungen, Fragebögen und Verhaltenstests. Diese Verfahren bleiben wichtig, weil Kommunikation im Alltag stattfindet und nicht nur im Labor. Biologische Marker könnten sie aber ergänzen, wenn sie sich in weiteren Untersuchungen bestätigen.

Auch die moderne Datenanalyse spielt dabei eine große Rolle. EEG-Messungen erzeugen große Mengen an Signalen. Zwischen echter Information und Hintergrundaktivität zu unterscheiden, ist schwierig. „Das menschliche Gehirn erzeugt jede Sekunde eine unglaubliche Menge an Daten. Die Herausforderung liegt nicht mehr darin, sie zu sammeln, sondern darin, sie zu verstehen“, sagt Jack Van Horn von der School of Data Science der University of Virginia.

Die Ergebnisse gelten noch nicht für alle Betroffenen

Die Untersuchung gehört nach Angaben der Wissenschaftler zu den größeren EEG-Datensätzen dieser Art. Dennoch hat sie klare Grenzen. Viele Teilnehmer verfügten über durchschnittliche oder überdurchschnittliche verbale Fähigkeiten. Ob die Ergebnisse auch auf minimal verbal kommunizierende autistische Menschen zutreffen, müssen weitere Arbeiten prüfen.

Zudem misst EEG die Gehirnaktivität nur indirekt. Andere bildgebende Verfahren könnten das Bild ergänzen. Hinzu kommt: Die bereitgestellte Fassung des Manuskripts war noch unredigiert. Vor der endgültigen Publikation können Details angepasst werden.

Für die Forschung bleibt der Befund dennoch von großer Bedeutung. Autismus und Kommunikation lassen sich nicht allein über Grammatik, Wortschatz oder die Zahl gesprochener Wörter verstehen. Die Verarbeitung von Sprache im Gehirn könnte erklären, warum manche Kinder im Alltag mehr Unterstützung brauchen, obwohl sie in Sprachtests vergleichsweise stark wirken.

Kurz zusammengefasst: