Jamie erzählt, dass sie schon mit 14 Jahren an harte Drogen geraten sei. Seit einigen Jahren sei sie aber clean. "Ich schlafe im Hofgarten unter der Brücke", ergänzt sie. Gerade hat sie am Düsseldorfer Kommödchen von Streetworker Thomas Tackenberg ein Care-Paket in die Hand gedrückt bekommen, mit Snacks, Obst und Wasser.
Suchtkranke und Pfandsammler
Thomas Tackenberg vom Düsseldorfer Streetworking-Anbieter "aXept!" ist heute mit dem Lastenrad unterwegs, um die Snack-Tüten zu verteilen. Er sagt, dass er bei seinen morgendlichen Rundfahrten durch Düsseldorfs Partyviertel deutlich mehr Betroffene antrifft als noch vor einigen Jahren. Rund 30 seien es in der Regel, früher etwa die Hälfte.
Darunter seien junge Menschen mit Suchterkrankungen, aber auch immer mehr ältere Pfandsammler. Armut frisst sich laut Tackenberg einmal quer durch die Gesellschaft.
Viele Menschen kommen zur Düsseldorfer Armenküche
Das wird auch an der Armenküche in der Altstadt sichtbar. Kurz vor der Öffnung am Mittag gibt es eine lange Schlange vor dem Tor. Unter den Wartenden sehen einige krank aus, andere wirken aber auch gepflegt.
"Ich komme hier manchmal hin, wenn ich gerade nicht so viel Geld habe", erzählt zum Beispiel ein junger Mann namens Savan. Er lebe auf der Straße, kümmere sich aber gerade um eine Wohnung. Laut Armenküche steigt die Zahl derer, die sich hier ihr Mittagessen holen, Jahr für Jahr. 200 bis 250 seien es mittlerweile pro Tag.
Stadt Düsseldorf sucht mehr Räume für Ärmere
Keine Fußminute von der Armenküche entfernt liegt das Düsseldorfer Rathaus. Hier treffen wir Miriam Koch, die städtische Dezernentin unter anderem für Gesundheit. Die Stadtverwaltung habe das Problem auf dem Schirm, sagt sie.
"Wir würden auf jeden Fall Räume zur Verfügung stellen", erklärt Koch. Noch ist nichts spruchreif, aber man sehe, dass durch bauliche Maßnahmen Treffpunkte für Wohnungslose in der Altstadt weggefallen seien. Gesucht werden deshalb neue Räume für Betroffene, aber auch, um den Streetworkern mehr Platz zum Arbeiten zu geben.
Hoffnung für obdachlose Jamie
Und Jamie? Die Wohnungslose erzählt, dass sie im Moment große Hoffnungen hat. Denn sie wird bald wohl nicht mehr auf der Straße leben müssen. Sie steht nämlich kurz vor der Unterschrift eines Mietvertrages, und einen Job tritt sie auch bald an.
Ein Leben ist lang, und wer mal scheitert, der kann durchaus auch wieder aufstehen. So sieht es auch Streetworker Tackenberg. Er wünscht sich, dass die Gesellschaft mehr Verständnis für Menschen aufbringt , die gerade in Schwierigkeiten sind: "Wir brauchen ein Miteinander und kein Gegeneinander."