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„Ich konnte nicht mehr“: Johann Lafer bricht sein Schweigen – was der Starkoch über seinen Krebs-Kampf verrät

„Ich konnte nicht mehr“: Johann Lafer spricht über harten Kampf gegen den Krebs

Stand: 17.07.2026, 06:43 Uhr

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TV-Koch Johann Lafer log monatelang über seine Krebserkrankung – jetzt spricht er offen über Chemotherapie, Erschöpfung und wie er trotzdem weitermacht.

Graz – Bei einem Kochbattle kam er mit dem Moped angefahren, in Rockerjacke und Stirnband – und mit drei, vier Flaumhärchen auf dem Kopf sowie 25 Kilo weniger auf den Rippen. Bilder wie diese machten die Runde und sorgten für Spekulationen. Als Johann Lafer kurz darauf im ZDF-Fernsehgarten auftrat und eine Welle von Medienberichten und Spekulationen über seinen Gesundheitszustand losbrach, zog er die Reißleine: Der 68-jährige Starkoch machte seine Krebserkrankung öffentlich. Beim Rolling Pin Talks Podcast vom 9. Juli 2026 sprach er nun erstmals so offen wie nie zuvor darüber, was ihn wirklich antreibt.

Fernsehkoch Johann Lafer im Podcast „Rolling Pin Talks“ und im „ZDF-Fernsehgarten“.

Fernsehkoch Johann Lafer im Podcast „Rolling Pin Talks“ und im „ZDF-Fernsehgarten“. © Instagram/rollingpin.co/ZDF („ZDF-Fernsehgarten“)

Monatelang habe Lafer gelogen, Termine habe er mit fadenscheinigen Ausreden abgesagt. „Ich habe schon so oft abgesagt, immer wieder, und ich habe in letzter Zeit ganz viele auch sehr wirklich für mich personenbezogene Dinge absagen müssen, mit einer scheiß Ausrede... also wirklich!“, so der Koch. Doch nach dem Auftritt beim Fernsehgarten sei es gekippt. „Ich konnte nicht mehr.“

Star-Koch Johann Lafer log wegen seiner Krebserkrankung – dann war er „befreit“

Danach habe eine „Invasion“ von Zeitungsberichten und Spekulationen eingesetzt – über eine neue Freundin, über Abnehmkuren, eine Midlifecrisis und über seinen Gesundheitszustand. Auch bei seinen Kochauftritten in Hallen sei es aufgefallen: Er trug plötzlich eine Mütze. Man habe sich gefragt: „Warum hat der eine Mütze, der nie eine Mütze hatte? Sein Markenzeichen war der Schnauzbart.“ Nach Rücksprache mit seiner Frau Silvia habe er sich dann für ein Interview und einen persönlichen Post entschieden, um seine Krebserkrankung öffentlich zu machen. „Es hat mich dann befreit, weil ich jetzt einfach dazu stehe und nicht immer verstecken spielen muss. Es ist nicht der richtige Weg.“

Lafer bekam Krebsdiagnose schon vor einiger Zeit: „Sterben ist für mich keine Option“

Die Diagnose habe Lafer bereits vor rund zweieinhalb Jahren bei einer Routineuntersuchung bekommen. Den Moment beschreibt Lafer im Podcast. Drei Professoren hätten ihm gegenübergesessen. „Das ist wie wenn im Kino der Vorhang zugeht. Das, was hinter dem Vorhang ist, das hast du nicht mehr bewusst wahrgenommen.“

Zunächst habe er es mit Alternativmedizin versucht – ohne Erfolg. Im Januar 2026 habe sich sein Zustand dramatisch verschlechtert. „Plötzlich war alles geschwollen. Nachts die Schweißausbrüche. Schlafen ging kaum noch. Da habe ich gemerkt: Jetzt läuft etwas komplett in die falsche Richtung“, sagte er der Bild-Zeitung. Seitdem kämpfe er mit Chemotherapie gegen das Non-Hodgkin-Lymphom – jede Behandlung dauere fast 24 Stunden. Heilbar sei die Erkrankung nicht, aber eindämmbar. Er sei auf einem guten Weg der Genesung, erklärte er auf Instagram. Allerdings fühlte er sich zuletzt auch „ein wenig angezählt“, gab er zu. Doch gegenüber der Bild machte er auch klar: „Sterben ist für mich keine Option.“

Seit Lafer seine Diagnose kenne, habe sich sein Blick auf das Leben grundlegend verändert, wie er im Podcast erklärt. Er versuche, jeden Tag bewusster wahrzunehmen – Menschen, Begegnungen, Momente. „Ich versuche, jeden Tag Dinge wahrzunehmen, bewusst zu erleben. Alles, was ich sehe.“ Und er mutmaßt: „Vielleicht ist das heute die Zusammenfassung vieler Dinge, die ich in meinem Leben nicht richtig verarbeitet habe“, sagt er.

Johann Lafer gibt Einblick in seine Krebserkrankung: „Es sind Phasen, bessere und schlechtere“

Im Podcast beschreibt Lafer, wie er mittlerweile gelernt hat, mit den Zyklen umzugehen. Er wisse inzwischen ungefähr, wann die schlechten Tage kämen – und plane entsprechend. „Es sind Phasen, bessere und schlechtere. Aber ich versuche trotzdem, eine gewisse Grundpräsenz für mich in Anspruch zu nehmen, weil ich mich ansonsten zu sehr in mein Schneckenhaus verkriechen und zu viel darüber nachdenken würde.“

Was ihn körperlich am meisten treffe, sei nicht die Erschöpfung: „Das Schlimmste für mich ist nicht die körperliche Konstitution, sondern ich habe keinen Geschmack und kann nichts essen und habe offene Finger. Das wünsche ich niemand, egal ob er kocht oder nicht.“

Was ist ein indolentes Non-Hodgkin-Lymphom?

Ein indolentes Non-Hodgkin-Lymphom ist eine Form von Lymphdrüsenkrebs, die meist nur langsam wächst. Sie entsteht im lymphatischen System, also in einem wichtigen Teil der körpereigenen Abwehr, zu dem zum Beispiel Lymphknoten, Milz und Knochenmark gehören.

„Indolent“ bedeutet, dass die Krankheit oft über Jahre hinweg fortschreitet und anfangs nur wenige oder gar keine Beschwerden verursacht. Viele dieser Lymphome lassen sich gut behandeln und oft lange unter Kontrolle halten, auch wenn sie häufig nicht vollständig heilbar sind. Insgesamt erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 18.000 bis 20.000 Menschen neu an einem Non-Hodgkin-Lymphom.

Quellen: Deutsche Krebshilfe, Krebsinformationsdienst, Zentrum für Krebsregisterdaten

Lafer will anderen Menschen Mut machen

Lafer betone, dass er kein Mitleid wolle. Er wolle ganz normal unter Menschen sein, wahrgenommen werden wie jeder andere. „Ich habe niemals den Wunsch geäußert, Mitleid zu bekommen. Wenn man mich so nimmt, wie ich bin, dann bin ich sehr glücklich.“ Gleichzeitig trage ihn der Gedanke, dass sein offener Umgang mit der Krankheit anderen helfen könne. „Vielleicht macht das auch Menschen Mut – Millionenfach haben Leute Krebs. Und deswegen ist es vielleicht ein gutes Zeichen, dass man damit nicht immer nur im Kämmerlein mit sich und seinem Schicksal hadern muss, sondern auch die Öffentlichkeit mit einbezieht.“

Was ihn am meisten überrasche, sei die Anteilnahme völlig Fremder. „Wenn eine fremde Person, mit der man nie etwas zu tun hatte, sagt: Johann, du schaffst das – das ist für mich dermaßen motivierend zu kämpfen.“ Er akzeptiere, dass andere damit anders umgingen. Aber er selbst wolle sich nicht verstecken. „Leben geht vorwärts.“ (Quellen: Podcast „Rolling Pin“, Bild, Deutsche Krebshilfe, Krebsinformationsdienst, Zentrum für Krebsregisterdaten) (jh)