Stand: 21.07.2026, 06:29 Uhr
Kommentare
Uns auf Google folgen

Die Realschule Poing hat kein Geld mehr für Kopierpapier. © Johannes DziemballaWegen der von Landrat Robert Niedergesäß verhängten Haushaltssperre fehlt an der Realschule Poing seit über einer Woche das Kopierpapier. Doch das scheint erst der Anfang: Schwimmunterricht, Weihnachtskonzerte, Tablets und sogar Chemieexperimente könnten als Nächstes wegfallen.
Landkreis/Poing – Keine Arbeitshefte, keine Vokabelübersichten, keine Merkblätter, kein Papier: Seit über einer Woche müssen Lehrer und Schüler an der Realschule Poing ohne genanntes Unterrichtsmaterial auskommen – oder es selbst ausdrucken. Denn wegen der von Landrat Robert Niedergesäß (CSU) verhängten Haushaltssperre (wir berichteten) kann sich die Schule kein Kopierpapier mehr leisten – zum Nachteil von knapp 800 Schulkindern. Schülermutter Lisi Burghart aus Pliening, deren Tochter die 9. Klasse besucht, ärgert sich: „Schüler haben doch ein Recht auf ihre Unterlagen“, sagt sie zur Redaktion. „Wir haben ja für das Papier bezahlt.“
Haushaltssperre schlägt nicht nur bei Druckerpapier nieder
Poings Schulleiterin Claudia Althammer äußert sich auf EZ-Anfrage nicht zu den Auswirkungen der Haushaltssperre an ihrer Schule, dafür aber das Landratsamt. Das Kopiergeld in Höhe von 8500 Euro sei längst ausgegeben, so eine Sprecherin. Man rechne an der Realschule Poing sogar mit gut 20 000 Euro an Papierkosten für das laufende Schuljahr. Diese sei „an keiner Schule auch nur annähernd“ durch Elternbeiträge – in Poing zwölf Euro pro Nase – gedeckt. „Der Fehlbetrag belastet sehr wohl den Landkreishaushalt“, argumentiert das Landratsamt.
Die Haushaltssperre schlägt nicht nur bei Druckerpapier für Arbeits- und Merkblätter, Schulaufgaben und Tests zu. Auch vom Kreis bezuschusster Schwimmunterricht, Abschlussfeiern und Weihnachtskonzerte stehen auf der Prüfliste. Gestrichen werden könnte laut Landratsamt auch an der digitalen Ausstattung, etwa Tablets, auch diese seien eine freiwillige Leistung des Kostenträgers. Für Schulen bedeutet das: Nur noch in „begründeten, unabweisbaren Einzelfällen“, etwa „zur Abwendung von Gefahr im Vollzug für den Dienstbetrieb“ oder „unaufschiebbaren Maßnahmen zur Schadensbeseitigung“, könne ein schriftlicher „Sonderfreigabeantrag“ beim zuständigen Finanzmanagement eingereicht werden.
„Wäre eine Luxusinvestition“: Schulleiter kritisiert Neubaupläne
Richtig durchschlagen werde die Haushaltssperre wohl erst im nächsten Schuljahr, prognostiziert Peter Popp, Schulleiter am Gymnasium Markt Schwaben. Mit dem vorhandenen Vorrat an Kopierpapier könne man die Jahreszeugnisse drucken und die Blauen Briefe an die Durchfaller verschicken: „So viel Porto haben wir noch.“ Die 30 Jahre alte Tradition des Lebkuchen-Begrüßungsherzes für die neuen Fünftklässler werde im September dem Rotstift zum Opfer fallen.
Popp warnt vor gesperrten Klassenzimmern und Sportgeräten, wenn Reparaturen an Turnringen, digitalen Tafeln oder Physik-Gerätschaften nicht mehr bezahlt werden könnten. Vor Lücken in der bislang gut angenommenen Schulbücherei, vor Chemieversuchen, die an fehlenden Chemikalien scheitern könnten. „Man kann das Geld nur einmal ausgeben“, seufzt der Schwabener Schulleiter. Wenngleich ihn die abrupte Verhängung der Haushaltssperre wundere, habe er doch Verständnis, dass gespart werden müsse. Allerdings sieht er kritisch, dass der Landrat und seine Fraktion in der Finanzmisere die geplanten Schulneubauten in Grafing-Bahnhof (Berufsschule) und Poing (Gymnasium) verteidigen. Gerade über das Gymnasium sagt Popp angesichts rückläufiger Neueinschreibungen: „Es ist zahlenmäßig absolut nicht notwendig – schön, wenn’s da ist, aber es wäre eine Luxusinvestition.“