Stand: 11.07.2026, 18:30 Uhr
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Frisches Gemüse bleibt im Moosacher Supermarkt oft liegen, weil die Kunden zu Fertigprodukten greifen. © Francesca Di MaggioIm Edeka an der Allacher Straße kaufen Kunden immer seltener frische Lebensmittel. Stattdessen greifen sie zu Fertiggerichten und Tiefkühlpizza – außer es läuft ein Angebot.
Moosach – Braune Flecken auf den Bananen, schrumpelige Paprika und gähnende Leere vor den Salatregalen – in vielen Supermärkten bietet sich immer öfter ein trauriges Bild. Frische Lebensmittel bleiben liegen. Während in den sozialen Medien gesunde Bowls, Smoothies und „Superfoods“ inszeniert werden, regieren im Alltag oft Zeitdruck und Bequemlichkeit. Essen soll hauptsächlich schnell und unkompliziert gehen – gerne aus der Tiefkühltruhe oder direkt aus der Verpackung.
Wie sich dieser Trend konkret auswirkt, lässt sich im Edeka an der Allacher Straße in Moosach beobachten. Nicht jedes Obst und Gemüse wirkt dort so frisch präsentiert, wie man es erwarten würde. Auf den ersten Blick könnte man meinen, hier werde unsauber disponiert oder zu wenig aussortiert. Doch ganz so einfach ist es nicht.
Supermarkt in München: Beliebt ist, was schnell fertig ist
„Viele Menschen kaufen heute einfach seltener frisch ein“, sagt Joana Machava, stellvertretende Marktleiterin. Sie steht vor der Auslage mit Tomaten, Gurken und Salatköpfen und blickt über die Regale. „Convenience-Produkte, also alles, was schnell geht oder schon fertig ist, werden immer beliebter.“ Das spürt das Team täglich. Fertiggerichte, Tiefkühlpizza oder Salate aus der Plastikschale ersetzen bei vielen den regelmäßigen Griff zu frischem Obst und Gemüse.
Besonders auffällig findet Joana Machava das Preisverhalten vieler Kundinnen und Kunden. „Die meisten greifen fast nur dann zu, wenn etwas im Angebot ist“, erzählt sie. „Steht ein Produkt nicht im Prospekt, bleibt es eher liegen, selbst wenn die Qualität hervorragend ist.“ Für die frische Ware bedeutet das: Sie dreht länger ihre Runden im Regal, verliert an Glanz und landet am Ende häufiger im Müll, als es nötig wäre.
Mikrowelle ist bequemer als frisch zu kochen
Dazu kommt bei vielen die fehlende Zeit. Nach langen Arbeitstagen, Pendelzeiten und Familienorganisation bleibt oft kaum Energie, abends noch frisch zu kochen. „Es ist einfach bequemer, den Mikrowellen-Knopf zu drücken oder etwas in den Ofen zu schieben“, sagt Machava. Zwischen Kinderabholen, Meetings und Terminen seien Convenience-Produkte für viele ein Rettungsanker, auch wenn sie mit dem eigenen Idealbild von gesunder Ernährung kollidieren.
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Der Widerspruch zeigt sich damit direkt in den Regalen. Auf der einen Seite der Wunsch nach Frische, bewusster Ernährung und „clean eating“. Auf der anderen Seite die Realität aus fertigen Pizzen, Pasta aus der Kühltheke und Snacks für unterwegs. Die Leidtragenden sind am Ende oft die Lebensmittel selbst: Sie liegen länger, sehen schneller unattraktiv aus und müssen abgeschrieben werden.
Junge Menschen legen wieder mehr Wert auf regionale Produkte
Ganz einseitig ist das Bild aber nicht. Joana Machava beobachtet parallel eine Entwicklung, die sie hoffnungsvoll stimmt. „Wir merken, dass viele junge Menschen wieder mehr Wert auf regionale und saisonale Produkte legen“, erzählt sie. Kundinnen und Kunden fragten nach Herkunft, Bio-Siegeln und kurzen Lieferwegen. Marktaktionen mit regionalem Spargel oder Erdbeeren laufen spürbar besser, wenn transparent ist, woher die Ware stammt – ein neues Bewusstsein für die Herkunft, den Wert und die Vergänglichkeit echter Lebensmittel.