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„Keine Freikarte, sich in der Sonne zu braten“: Was wirklich hinter dem Sonnencreme-Paradox steckt

Gefährliches Sonnencreme-Paradox: Warum Eincremen allein vor Hautkrebs nicht schützt

Stand: 13.07.2026, 14:24 Uhr

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Sonnencreme schützt vor UV-Strahlung, kann aber falsche Sicherheit vermitteln. Fachleute erklären, warum Eincremen allein nicht genügt.

Kassel – Menschen, die regelmäßig Sonnencreme verwenden, weisen in Beobachtungsstudien teilweise ein höheres Hautkrebsrisiko auf. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sonnenschutzmittel Krebs verursachen. Vielmehr könnten Menschen mit besonders sonnenempfindlicher Haut häufiger zu Sonnencreme greifen oder sich wegen des vermeintlichen Schutzes länger der UV-Strahlung aussetzen.

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Dieser Artikel von Vera Martinella entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.

Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom „Sonnencreme-Paradox“. Eine Auswertung von Daten der britischen UK Biobank zeigte zwar einen statistischen Zusammenhang zwischen häufigem Sonnenschutz und einem erhöhten Hautkrebsrisiko. Die Forschenden betonten jedoch selbst, dass dies unter anderem durch stärkere UV-Belastung, unzureichendes Nachcremen oder die Nutzung von Sonnenschutz nach einer bereits erfolgten Diagnose erklärt werden könnte. Ein ursächlicher Zusammenhang lässt sich daraus nicht ableiten.

Eine junge Frau trägt Sonnencreme auf.

Eine junge Frau trägt Sonnencreme auf. Fachleute warnen jedoch vor einem falschen Sicherheitsgefühl: Sonnenschutzmittel allein reichen nicht aus, wenn Menschen zu lange in der Sonne bleiben. © picture alliance/dpa/dpa-tmn | Christin Klose

Sonnencreme ist keine Freikarte für stundenlanges Sonnenbaden

„Kurz gesagt: Sonnenschutzmittel sind unverzichtbar, aber sie sind keine Freikarte, sich in der Sonne zu braten“, erklärt Paolo Ascierto, Direktor der Melanom-Onkologie am Istituto Tumori Pascale in Neapel und Präsident der Fondazione Melanoma. Viele Menschen würden zu wenig Sonnencreme auftragen oder stundenlang in der Sonne bleiben, ohne den Schutz zu erneuern.

Deshalb sei es wichtig, zusätzlich auf geeignete Kleidung zu achten, insbesondere bei Menschen mit einem erhöhten Sonnenbrandrisiko. Langärmelige Hemden aus Leinen oder leichtem Baumwollstoff und lange Hosen eignen sich für längere Aufenthalte im Freien. Dunkle und kräftige Farben wie Schwarz, Blau oder Rot schützen in der Regel besser vor UV-Strahlung als helle Stoffe.

Sonnenschutz umfasst Kleidung, Sonnenbrille und Schatten

Auch die Sonnenbrille sollte Gläser mit normgerechten UV-Filtern besitzen. Ein möglichst eng anliegendes Gestell kann zudem verhindern, dass seitlich Licht auf die Augen trifft. Ein breitkrempiger Hut schützt häufig vergessene Körperstellen wie Ohren, Kopfhaut und Nacken.

Sonnencreme bleibt dennoch ein wichtiger Bestandteil des Schutzes. Studien zeigen, dass korrekt angewendeter Sonnenschutz das Melanomrisiko senken kann. Entscheidend sind eine ausreichende Menge, regelmäßiges Nachcremen und die Kombination mit Schatten, Kleidung und einer begrenzten Aufenthaltsdauer in der Sonne.

Hauttyp und Medikamente beeinflussen das Sonnenbrandrisiko

Unter Fachleuten setzt sich zunehmend das Konzept der personalisierten Photoprotektion durch. Gemeint sind Schutzstrategien, die sich nach Alter, Hauttyp, individuellen Risiken und der persönlichen Sonnenempfindlichkeit richten. „Es gibt Menschen, die stärker von Sonnenbrand bedroht sind als andere“, erläutert Piergiorgio Malagoli, Leiter der Dermatologie am IRCCS Policlinico San Donato in Mailand.

Kinder sind dabei an erster Stelle zu nennen, aber auch Personen, die bestimmte fotosensibilisierende Medikamente einnehmen, an bestimmten Erkrankungen leiden – etwa Lupus, rheumatoider Arthritis oder Morbus Crohn – oder viele Stunden täglich aus beruflichen Gründen der Sonne ausgesetzt sind. Heute wissen wir, dass diese Gruppen bei der Sonnenexposition besonders aufmerksam sein müssen.“

Sonnenschutz für Kinder

Mutter hat Tochter auf dem Arm und cremt sie im Gesicht ein.

Im PDF finden Eltern viele praktische Tipps zum Sonnenschutz bei Kindern. © Dasha Petrenko/IMAGO

Dieser Ratgeber bietet einen Überblick über die Wahl der richtigen Sonnencreme sowie Tipps zu UV-Kleidung und Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Sonnenbrand.

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UV-Strahlung kann die Haut auch bei Wolken schädigen

Das Risiko beschränkt sich nicht auf heiße und wolkenlose Tage. UV-Strahlung kann die Haut auch bei bedecktem Himmel oder kühleren Temperaturen erreichen. Entscheidend ist nicht allein die gefühlte Wärme, sondern die Intensität der ultravioletten Strahlung.

In Italien kann diese beispielsweise von Mitte März bis Mitte Oktober stark genug sein, um Hautschäden zu verursachen. Aber auch in Deutschland kann der UV-Index bereits im Frühjahr hohe Werte erreichen. Wer sich länger im Freien aufhält, sollte deshalb die aktuelle UV-Belastung berücksichtigen und den Schutz nicht allein vom Wettergefühl abhängig machen.

Kurze, intensive Sonnenphasen bergen besondere Gefahren

„Fast alle unterschätzen zudem die Gefahren der ‚Mordi-e-Fuggi-Sonne‘, also jener intensiven, auf wenige Stunden konzentrierten Exposition an Wochenenden, oder der Urlaube außerhalb der Saison an exotischen Reisezielen, wenn die Haut noch nicht vorbereitet ist“, erklärt Malagoli.

Solche Situationen können zu einer plötzlichen und besonders hohen UV-Belastung führen. Die Haut hatte zuvor häufig kaum Gelegenheit, sich an stärkere Sonneneinstrahlung zu gewöhnen. Sonnenbrände und wiederholte intensive UV-Exposition erhöhen langfristig das Risiko für Hautschäden und Hautkrebs.

Das Sonnencreme-Paradox ist kein Argument gegen Sonnenschutz

Das sogenannte „Sonnencreme-Paradox“ beschreibt damit vor allem menschliches Verhalten. Wer sich eingecremt hat, fühlt sich möglicherweise sicherer, bleibt länger in der Sonne und unterschätzt die nachlassende Wirkung des Schutzes. Hinzu kommt, dass besonders gefährdete Menschen häufiger Sonnencreme verwenden und deshalb in Beobachtungsstudien überproportional vertreten sein können.

Aus den untersuchten Daten folgt daher nicht, dass Sonnencreme das Hautkrebsrisiko erhöht. Vielmehr zeigen sie, dass Creme allein nicht ausreicht. Der wirksamste Sonnenschutz besteht aus mehreren Bausteinen: direkte Mittagssonne meiden, Schatten aufsuchen, schützende Kleidung tragen, Sonnencreme ausreichend auftragen und sie regelmäßig erneuern.