Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz hat sich für das Staatsversagen bei der Flut entschuldigt. Friedrich Merz sprach von besserem Schutz vor Naturkatastrophen.
Quelle: DIE ZEIT,
AFP,
KNA,
dpa,
pip
- Juli 2026, 20:33 Uhr
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Bundeskanzler Friedrich Merz, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder, der Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, Pascal Rowald, und die stellvertretende Ministerpräsidentin Sabine Baetzing-Lichtenthaeler während der Schweigeminute für die Opfer der Ahr-Hochwasserkatastrophe
© Thilo Schmuelgen/Reuters
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) haben sich bei der Gedenkfeier in Bad Neuenahr-Ahrweiler anlässlich des fünften Jahrestages der
Hochwasserkatastrophe im Ahrtal an die Betroffenen gewandt. Schnieder bat bei der Veranstaltung als erster rheinland-pfälzischer Ministerpräsident um Entschuldigung
für das Versagen des
Staates.
Der seit diesem Mai amtierende CDU-Ministerpräsident
sagte, es sei das Versprechen des Staates, seine
Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Dieses Versprechen sei
bei der Katastrophe nicht eingehalten worden. Dafür
bitte er als Ministerpräsident um Entschuldigung. Es sei Fehlbarkeit gewesen, die dazu führte, dass das Ahrtal
nicht auf diese Flutkatastrophe vorbereitet war. Es sei auch Fehlbarkeit
gewesen, die zum Tod so vieler Menschen führte.
Die von vielen Betroffenen der Katastrophe
erhoffte Bitte um Entschuldigung
eines staatlichen Repräsentanten wurde von den Besuchern der
Gedenkveranstaltung mit viel Applaus bedacht.
Die zur Zeit der Katastrophe im Jahr 2021 amtierende Ministerpräsidentin
Malu Dreyer (SPD) von der SPD hatte bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Amt eine
von vielen Betroffenen erhoffte Entschuldigung
abgelehnt. Ihr Nachfolger Alexander Schweitzer
(SPD) gab zwar Fehler auch auf politischer Ebene zu, lehnte eine Bitte um Entschuldigung aber
ebenfalls ab.
Merz betont abgeleitete Schutzmaßnahmen
In seiner Rede bei der Gedenkfeier sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), die Katastrophe habe Einfluss auf zahlreiche
Maßnahmen und Gesetze genommen, um Deutschland besser auf Naturkatastrophen
vorzubereiten. Kein Mensch, keine Stadt, keine Region dürfte und solle in Deutschland
allein bleiben mit der Furcht vor Katastrophen und Naturgewalten und mit der
Furcht vor den Folgen des Klimawandels.
»Sie hier im Ahrtal
teilen miteinander Erfahrungen, die unvorstellbar sind für die meisten Menschen
in unserem Land und die auch für mich unvorstellbar sind«, sagte Merz.
Bundespräsident Steinmeier hatte zuvor bei der Eröffnung der Fotoausstellung We Ahr Strong. Fünf Jahre, ein neuer Blick! den Zusammenhalt der Menschen angesprochen. Ein solcher Jahrestag sei kein einfacher Tag. »Man möchte nach vorne
schauen, aber gleichzeitig spürt man den Schmerz noch«, sagte Steinmeier
vor Ort. Der Ort habe eine furchtbare Katastrophe erlebt, aber auch ein
beeindruckendes Maß an Solidarität.
Der Wiederaufbau ist noch nicht abgeschlossen
Bei der Flutkatastrophe an der Ahr kamen 135 Menschen ums
Leben, ein Mensch wird weiterhin vermisst. Das verheerende Hochwasser betraf
auch Nordrhein-Westfalen, wo 49 Menschen starben.
Der Wiederaufbau in den Hochwassergebieten ist bis heute nicht
abgeschlossen. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums wurden bisher gut ein Fünftel (6,2 Milliarden Euro) der bis zu 30 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Aufbauhilfe 2021
ausgezahlt. Von dem bisher ausgezahlten Geld gingen rund 5,2 Milliarden Euro an
die betroffenen Bundesländer und rund eine Milliarde Euro in den Wiederaufbau der
Bundesinfrastruktur.