Vumina Nlandu Afrohaare und Familie: Diese Trierer Friseurin lebt ihren Traum
Trier · Als Friseurmeisterin, Fotomodell und alleinerziehende Mutter hat Vumina Nlandu in Trier ihre Nische gefunden – und der Erfolg gibt ihr recht.
20.07.2026
, 08:40 Uhr
Friseurmeisterin Vumina Nlandu in ihrem Salon in der Trierer Paulinstraße.
Foto: Andreas Sommer
Friseurmeisterin, Unternehmerin, Fotomodell und alleinerziehende Mutter. Für Vumina Nlandu scheint der Tag mehr als 24 Stunden zu haben. Seit fast drei Jahren führt die heute 32-Jährige ihren eigenen Friseursalon in der Trierer Paulinstraße. Dort hat sie sich auf Locken- und Afrohaar spezialisiert und damit eine Nische besetzt, die es in der Region lange kaum gab. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen, langer Arbeitstage und der Verantwortung für ihre Tochter bereut sie den Schritt in die Selbstständigkeit keine Sekunde. „Ich lebe gerade meinen Traum“, sagt sie.
Die Idee für den eigenen Salon entstand schon lange, bevor sie überhaupt Friseurin wurde. Immer wieder erlebte sie selbst, wie schwierig es war, einen Friseur zu finden, der sich mit Locken oder Afrohaar auskennt. „Schon damals habe ich gesagt: Wenn ich Friseurin werde, dann mache ich mich selbstständig, damit genau diese Menschengruppe einen Ansprechpartner hat“, erzählt Vumina Nlandu.
Mehr als ein Haarschnitt: Vumina Nlandus Mission in der Trierer Paulinstraße
Heute ist genau das ihre Stärke. Nach eigener Aussage ist sie die einzige dunkelhäutige Friseurmeisterin in Trier. Ihr Salon richtet sich allerdings nicht ausschließlich an Menschen mit Afrohaar. „Es geht nicht um die Hautfarbe. Es geht um Locken. Diese Haarstruktur wird in der Ausbildung bis heute kaum vermittelt“, sagt sie. Dabei sei das Thema keineswegs eine Randerscheinung. „Die Hälfte unserer Bevölkerung hat Locken. Trotzdem ist das immer noch eine Nische.“
Mit ihrem Angebot schließt sie eine Lücke. Viele Kundinnen und Kunden kommen mit schlechten Erfahrungen oder großer Unsicherheit in den Salon. „Es macht mir unglaublich viel Freude, Menschen glücklich zu machen. Viele kommen unzufrieden zu mir und gehen mit einem ganz anderen Gefühl wieder nach Hause“, sagt Friseurmeisterin Vumina Nlandu. Die Arbeit sei für sie Leidenschaft und Beruf zugleich. „Ich habe mein Hobby einfach zum Beruf gemacht“, sagt sie freudestrahlend.
Job als Friseurin: Wechsel zwischen Familie und Beruf
Der Weg in die Selbstständigkeit war dennoch nicht frei von Sorgen. „Die größte Herausforderung war die Existenzangst“, erinnert sie sich. Hinzu kamen Vorbehalte. „Hier im Salon in der Paulinstraße war vorher eine andere Friseurin. Akzeptiert zu werden, war anfangs nicht selbstverständlich“, sagt sie offen. Fachlich habe sie dagegen nie an sich gezweifelt.
Ihr Alltag beginnt früh. Bereits um 5.55 Uhr klingelt jeden Morgen der Wecker. Gemeinsam mit ihrer achtjährigen Tochter Luginia-Zion startet sie in den Tag, bevor sie ihr Kind zur Schule bringt. Anschließend nutzt Vumina Nlandu bewusst Zeit für sich selbst. „Ich gehe morgens ins Fitnessstudio, um mich auf den Arbeitstag vorzubereiten.“ Danach beginnt der Arbeitstag im Salon, häufig bis spät am Abend. Erst dann übernimmt sie wieder die Mutterrolle. „Ich habe gelernt, mir feste Zeiten einzurichten. Sonst würde ich nonstop arbeiten und nonstop Mama sein.“
Dass sie ihren Beruf liebt, bedeutet nicht, dass alles leicht ist. „Arbeit bleibt Arbeit“, sagt sie. Der körperliche Einsatz, die Verantwortung und die hohen Erwartungen der Kundschaft seien oft belastend. Besonders wichtig ist ihr dabei Ehrlichkeit. „Authentizität ist das Wichtigste. Wenn ich mich für meine Kunden verstellen würde, wäre ich am Ende des Tages frustriert.“ Sie wolle unabhängig vom Alter oder Hintergrund ihrer Kundschaft immer sie selbst bleiben.
Qualität statt Klicks: Warum die Trierer Friseurmeisterin Vumina Nlandu Social Media hinter sich lässt
Einen großen Anteil am Erfolg hatte zunächst auch die Präsenz in den sozialen Netzwerken. Inzwischen sieht sie das aber deutlich gelassener. „Ich dachte früher, Social Media wäre unglaublich wichtig. Heute weiß ich: Es ist auch Stress.“ Die Menschen kämen inzwischen wegen der Qualität ihrer Arbeit. „Wer zu uns kommen möchte, kommt mit oder ohne Social Media.“
Für die Zukunft verfolgt Vumina Nlandu keine ehrgeizigen Expansionspläne. Ihr wichtigstes Ziel klingt fast bescheiden: „Ich möchte einfach weitermachen können.“ Gleichzeitig möchte sie aber auch etwas verändern, das weit über ihren eigenen Salon hinausgeht. Sie bildet zwei Auszubildende aus und legt besonderen Wert darauf, dass sie den Umgang mit Locken professionell lernen. „Mein Ziel ist, dass dieses Thema irgendwann ganz selbstverständlich in der Friseurausbildung vermittelt wird.“ Erste Anfragen der Handwerkskammer für Schulungen habe es bereits gegeben. Sogar eine Tätigkeit als Lehrerin für angehende Friseurinnen und Friseure könne sie sich vorstellen.
Selbstständigkeit: Was Vumina Nlandu jungen Menschen rät
Neben ihrem Salon ist Vumina Nlandu auch als Fotomodell bekannt. Seit ihrem 14. Lebensjahr steht sie immer wieder vor der Kamera. Zuletzt war sie Teil einer Initiative für Vielfalt und Toleranz der Stadtwerke Trier, wo ihr Gesicht auf Bussen und Werbeflächen zu sehen war. Die Aufmerksamkeit genießt sie, aber im Mittelpunkt stehen soll für sie weiterhin ihre Arbeit als Friseurmeisterin.
Jungen Menschen, die von der Selbstständigkeit träumen, rät sie vor allem zu Mut, aber auch zu einer realistischen Vorbereitung. „Leidenschaft ist wichtig. Danach kommt die Realität“, sagt die 32-Jährige. Gerade die finanziellen Aspekte würden häufig unterschätzt. Deshalb sei es wichtig, sich früh beraten zu lassen.
Arbeiten in Luxemburg? Warum Vumina Nlandu in Trier bleibt
Eine Botschaft liegt ihr besonders am Herzen: Man müsse Trier nicht verlassen, um seine Träume zu verwirklichen. Viele hätten ihr geraten, nach Luxemburg oder in eine größere Stadt zu gehen. Für sie kam das nie infrage. „Ich liebe Trier. Ich bin hier geboren und aufgewachsen.“ Ihr Wunsch sei es gewesen, genau hier eine Lücke zu schließen und ein Stück Vielfalt sichtbar zu machen.
„Traut euch“, sagt sie deshalb allen, die noch zögern. „In der heutigen Zeit ist fast alles möglich. Man sollte versuchen, seinen Traum zu leben und sich selbst glücklich zu machen.“
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