Stand: 21.07.2026, 06:26 Uhr
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Neu-Isenburgs Frauenbeauftragte Anna Held (rechts) und Vaiana Dyballa arbeiten im Frauen- und Gleichstellungsbüro, das gemeinsam mit dem Stadtteilzentrum West und dem Stadtarchiv die Veranstaltung im November vorbereitet. Unser Bild zeigt beide in der Seminar- und Gedenkstätte Bertha Pappenheim. © Leo F. PostlDas Stadtarchiv sucht Zeitzeuginnen und Unterlagen zum 50. Jubiläum des Frauenzentrums. Die Einrichtung veranstaltete 1977 eine bundesweite Konferenz zum feministischen Alltag.
Neu-Isenburg – Vor 50 Jahren haben Frauen in Neu-Isenburg einen Ort geschaffen, der mehr als nur ein Treffpunkt ist. Das Frauenzentrum wurde zum Rückgrat einer Bewegung, deren Wirken aus Neu-Isenburg sogar in die ganze Republik ausstrahlte. Ein halbes Jahrhundert später soll der Pionierinnen gedacht werden, die nicht auf großen Bühnen, sondern mitten in der Stadtgesellschaft gewirkt haben.

Bertha Pappenheim im Reitkostüm. Die Neu-Isenburger Frauenrechtlerin lebte von 1859 bis 1936 und war weit über die Stadtgrenzen bekannt. © scannerSchon vor Gründung des Zentrums im Jahr 1976 gab es Frauen, die sich für die Rechte ihrer Geschlechtsgenossinnen einsetzten. Einige von ihnen sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, wie Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim, die von 1859 bis 1936 lebte.
Ein Erinnerungsgespräch mit Frauen
ist anlässlich des Jubiläumsjahrs im November geplant, die sich aktiv am Frauenzentrum Neu-Isenburg beteiligt haben. Die Kooperation zwischen Stadtteilzentrum West, Frauen- und Gleichstellungsbüro und Stadtarchiv der Stadt Neu-Isenburg ist in der Vorbereitung auf den Abend auf der Suche nach weiteren Informationen und Personen. Unterlagen oder Zeitungsartikel, die zu der Aufarbeitung dieser Stadtgeschichte beitragen können, werden gerne vom Stadtarchiv entgegengenommen. Das Stadtarchiv bittet jedoch vorab um eine telefonische Kontaktaufnahme unter der Rufnummer 06102/241456 (montags) sowie 06102/249911 (dienstags und freitags).
In den 1970er Jahren entstanden aus der Neuen Frauenbewegung heraus im gesamten Bundesgebiet Zentren, die Frauen eigenständige, von Parteien und Staat unabhängige Räume für Austausch, Beratung und politische Organisierung boten. Die Zentren knüpften häufig an Gruppen wie Weiberräte und autonome Frauengruppen an, die sich aus der 68er-Bewegung herausgebildet hatten. Zentral war der Protest gegen den Paragrafen 218, also gegen das strenge Abtreibungsverbot, aus dessen Kampagnen unmittelbar die Idee stadtteilnaher Frauenzentren hervorging.
Ein wichtiges Motiv der Frauenzentren war der Wunsch nach Selbstverwaltung: Frauen wollten sich selbst organisieren, basisdemokratisch entscheiden und nicht länger nur Appelle an Parlamente oder Parteien richten. Die Zentren wurden überwiegend ohne staatliche Förderung aufgebaut, um inhaltlich unabhängig zu bleiben und feministische Lebensentwürfe praktisch erproben zu können.
Beratung und Schutz
Die Einrichtungen sollten helfen, die gesellschaftliche Isolation von Frauen zu durchbrechen, und als Treff-, Informations- und Diskussionsorte dienen, oft bewusst wohnortnah im jeweiligen Stadtteil. Sie boten Raum für Arbeits- und Selbsterfahrungsgruppen und sprachen auch tabuisierte Themen wie Sexualität, Schwangerschaft und Geburt, Gewalt in der Familie und „Lohn für Hausarbeit“ an. Ab Mitte der 1970er Jahre rückten sexuelle und häusliche Gewalt sowie Kritik an der männlich dominierten Medizin stärker in den Fokus, woraus unter anderem Frauenhäuser und Frauengesundheitszentren hervorgingen. Frauenzentren fungierten dabei als organisatorische Basis, um Notrufangebote, Schutzräume und alternative Beratungsstrukturen für Frauen und Mädchen aufzubauen.
Frankfurt entwickelte sich neben Berlin zu einem der wichtigsten Knotenpunkte der westdeutschen Frauenbewegung. Dort entstand 1973 eines der ersten Frauenzentren der Bundesrepublik, dem drei Jahre später das Frauenzentrum Neu-Isenburg folgte. Beide Zentren arbeiteten zeitweise eng zusammen. Das Frauenzentrum Neu-Isenburg erregte unter anderem bundesweit Aufsehen, als es im Oktober 1977 eine Konferenz zum Thema „feministischer Alltag“ veranstaltete, zu der etwa 250 Frauen aus dem gesamten Bundesgebiet anreisten.
Das Zentrum war auch publizistisch aktiv, unter anderem zum Thema häusliche Gewalt. 1982 löste es sich schließlich auf.