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Bischof mit dabei: Neue Pläne für Himmerod: Was bringt ein Genossenschaftsanteil wirklich?

Bischof mit dabei Neue Pläne für Himmerod: Was bringt ein Genossenschaftsanteil wirklich?

Großlittgen · Wohnraum statt Leerstand: Eine neue Genossenschaft will das teils leer stehende Kloster Himmerod in der Eifel retten. Aber ist das Projekt finanzierbar oder scheitert es wieder an Geldnot?

21.07.2026 , 06:24 Uhr

Das Konventgebäude auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Himmerod.

Foto: TV/Christian Moeris

Ende Juni wurde in Himmerod erneut ein Licht der Hoffnung entzündet: Es gibt neue Pläne, mit denen die ehemalige Zisterzienser-Abtei gerettet werden soll. Aber können die auch funktionieren? Kritiker stellen bereits Fragen zur Finanzierbarkeit.

Rendite, Gegenwert, Wohnrecht? Worum geht es beim Genossenschaftsmodell in Himmerod?

Seit dem Auszug der Zisterzienser steht das große Konventgebäude, in dem sich ehemals der Großteil des Klosteralltags abspielte, leer. Verschiedene Versuche zur Rettung des 2017 verlassenen Klosters scheiterten. Nun soll eine Genossenschaft große Teile des Areals übernehmen, verschiedene Wohnformen im ehemaligen Konvent etablieren – und Himmerod gleichzeitig als „geistlichen Kraftort" erhalten.

Ende Juni wurde dazu die Genossenschaft Abtei Himmerod gegründet. Das Modell setzt nicht auf Großinvestoren, sondern will die Finanzierung im Rahmen der Genossenschaft auf viele Schultern verteilen. Projektentwickler und Himmerod-Freund Josef Hennebrüder (I.D.G. Genossenschaft, Düsseldorf) treibt das Vorhaben voran.

Mit einer Gesamtinvestition von über 30 Millionen Euro soll in Himmerod Wohnraum geschaffen werden. Doch angesichts einer solch schwindelerregend hohen Zahl fragen sich manche Kenner und Freunde Himmerods, wie allein mit genossenschaftlichem Engagement eine solch hohe Summe zusammenkommen soll. Und gibt es einen konkreten Gegenwert, den man für die Zeichnung von Genossenschaftsanteilen erhält?

Aus diesem Grund hat unsere Redaktion das Bistum Trier, das über den Trägerverein der ehemaligen Abtei de facto maßgeblicher Eigentümer ist, mit den Zweifeln am Genossenschaftsmodell konfrontiert. Das Bistum erklärt: „Die Mitglieder der Genossenschaft schließen sich zu einer Gemeinschaft zusammen mit dem Ziel, den Erhalt der Abtei Himmerod nach den Satzungszielen zu ermöglichen, gemäß der Idee ‚Was einer allein nicht schafft, schaffen viele.'"

Die Genossenschaft verfolgt also keinen rein wirtschaftlichen, sondern sozialen Ansatz. „Die Mitglieder schließen sich zum Erhalt des Kulturgutes Abtei Himmerod zusammen – das ist der Anspruch; die Gegenleistung ist, Mitglied der Gemeinschaft zu sein, die diese Leistung erbracht hat." Wer Genossenschaftsanteile zeichnet, hat also keinen konkreten Gegenwert und auch „keine versprochene Rendite" zu erwarten. Er tut schlicht ein gutes Werk. Das Startkapital soll durch möglichst viele Mitglieder aufgebracht werden: Jedes neue Mitglied zahlt einmalig 2.000 Euro Eintritt sowie einen Monatsbeitrag von 20 Euro.

Wohnen in der ehemaligen Abtei Himmerod: Nutzungsrechte für Wohnungen in Himmerod

Doch zusätzlich sollen auch Nutzungsrechte für Wohnungen erworben werden können – je nach Größe und Lage zwischen 30.000 und 120.000 Euro. Von einem Mitglied erworbene Nutzungsrechte sollen gemäß Satzung unumkehrbar dem Mitglied zugeordnet sein, erklärt das Bistum. „Er kann sie selbst nutzen oder vermieten oder auch die mit dem Recht verbundenen Anteile zu selbst festzulegenden Konditionen verkaufen." Soweit es möglich sei, bilde die Genossenschaft Wohnungseigentum. Dort erworbene Nutzungsrechte sollen grundbuchlich gesichert werden.

„Zum Erwerb der Nutzungsrechte können Mitglieder, die selbst in Himmerod wohnen werden, Mittel aus dem KfW-Programm zum Erwerb von Genossenschaftsanteilen mit Zinsen unter einem Prozent bei 15 Prozent Tilgungszuschuss in Anspruch nehmen." Es stellt sich aber noch eine Frage: Wie viele Mitglieder können überhaupt Nutzungsrechte erhalten? Der Wohnraum, der im Konventgebäude geschaffen werden soll, wird ja schließlich begrenzt sein.

„Auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse gehen wir von möglichen Nutzungsrechten in circa 137 Einheiten aus. Mitglieder erhalten in der Reihenfolge ihres Beitritts die Möglichkeit, ein Nutzungsrecht zu erwerben." Nach aktuellem Stand und den aktuell bekannten Flächen sollen Nutzungsrechte für circa 6.000 Quadratmeter Fläche erworben werden können. „Angezielt ist ein Zeitraum von fünf Jahren, in dem möglichst insgesamt 1.000 Mitglieder eingeworben werden, die zusammen die Genossenschaft wirtschaftlich tragen.“ Es gebe jedoch keinen absoluten Zeitrahmen.

Durch die Vergabe von – durch die Satzung abgesicherten – vererbbaren, persönlichen Nutzungsrechten an Wohnungen oder Räumen, die so weit möglich grundbuchlich für Mitglieder gesichert würden, sei final ein Eigenkapital der Genossenschaft in Höhe von circa 16 Millionen Euro geplant. Weitere vorgesehene oder mögliche Mittel seien beispielsweise zinsverbilligte Landesdarlehen zur Schaffung von Wohnraum in der Genossenschaft oder auch langfristige Mitgliederdarlehen, die günstiger sein sollen als Kredite von der Bank.

Doch Auskunft zu weiteren Details, so das Bistum, könne man erst nach Abschluss von Phase I des Projektes geben. Für diese erste Projektphase sei zunächst ein Budget von rund 600.000 Euro vorgesehen. Dieses Kapital sei notwendig für die Gründungskosten der Genossenschaft inklusive Prüfverband, Notar und Gerichtskosten, Übernahme der Liegenschaft, Grunderwerbsteuer und vieler weiterer Dinge.

Das Bistum Trier glaubt an die Genossenschaft „Zukunft Himerod“

Aber was sagt das Bistum Kritikern des Projektes, die fürchten, durch die Zeichnung von Genossenschaftsanteilen würde möglicherweise gar nicht genügend Geld zusammenkommen, um das Projekt „Zukunft Himmerod" zu realisieren? „Die Befürchtungen der Kritiker unterstellen, dass es im Umfeld von Himmerod nicht genügend Menschen gibt, die bereit sind, die Abtei mit eigenen Mitteln zu unterstützen", so das Bistum. Doch die Umfrageergebnisse und das Interesse an und im Nachgang zur Infoveranstaltung würden derzeit „erfreulicherweise auf eine gegenteilige Bewegung hindeuten".

Der Ideengeber Josef Hennebrüder und das Bistum Trier sehen aktuell keinen Grund, am Erfolg eines genossenschaftlichen Systems zu zweifeln. Und wie das Bistum auf Anfrage unserer Zeitung erklärt, wolle auch Bischof Stephan Ackermann Genossenschaftsanteile zeichnen – allerdings nicht über den Bischöflichen Stuhl, sondern privat.