Ferien-Lektüre Die besten Buchtipps für den Lese-Sommer
11.07.2026
· 21:37 Uhr
Was soll ich im Urlaub bloß lesen? Wir haben da ein paar Vorschläge.
Foto: Getty Images/iStockphoto/eternalcreative
Düssseldorf · 13 Romane für die kostbarste Zeit des Jahres: Wir empfehlen Geschichten, die den Sommer schöner machen. Egal, ob man ihn daheim verbringt oder in der Ferne.
Eigentlich ist das etwas Schönes: Im Sommerurlaub hat man endlich Zeit zum Lesen. Aber es ist auch schwierig, denn: Welche Bücher soll man bloß lesen? Manche grübeln so lange darüber, dass sie am Flughafenkiosk nehmen müssen, was da ist. Damit die Auswahl leichter wird, haben wir Romane vorsortiert, die sich als Ferienlektüre am Strand oder auf Balkonien eignen.
Könnte sein, dass einige bei der Lektüre dieses Romans zu Regisseuren werden: Man stellt sich die Handlung nämlich automatisch als Film vor. „Das Spiel“ ist eine Mischung aus „Hunger Games“ und „Love Island“: Zehn Männer und zehn Frauen werden in eine Wohnanlage in der Wüste geschickt. Es gibt Gruppenaufgaben zu erledigen und abends müssen sich Paare gefunden haben: Wer allein bleibt, ist raus. Die Außenwelt wirkt apokalyptisch, man erfährt nicht viel, und wenn, dann von Waldbränden und schlimmen Zuständen. All das beobachtet man durch die Augen der Teilnehmerin Lily. Aisling Rawle gelingt es, dass man ihren Debütroman nicht weglegen mag. Vielleicht auch, weil er nur am Anfang satirisch wirkt und zunehmend realistisch anmutet.
btb, 400 S., 24 Euro
George Sand: „Nanon“
Wiederentdeckung eines Pageturners aus dem Jahr 1872. Das Waisenmädchen Nanon wächst im Kloster auf und verliebt sich in einen jungen Marquis, der das Pech hat, der Zweitgeborene seiner Familie zu sein und deshalb als unwichtig gilt. Nanon tut zunächst als Bäuerin vor allem Tieren Gutes, schließlich auch Menschen, es geht idyllisch zu, und dann kommt die Revolution. Das Buch wandelt sich zum Abenteuerroman, Nanon wird eine wohlhabende Marquise. Elisabeth Edl, die bereits frische Neuübersetzungen von Flaubert und Stendhal geliefert hat, überträgt und kommentiert den Klassiker der unter männlichem Pseudonym schreibenden Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil so mitreißend und erhellend, dass es das reine Vergnügen ist. In der App ARD Sounds findet man übrigens das Hörbuch des Romans, gelesen von Maria Wördemann.
Hanser, 496 S., 38 Euro
Für einen Krimi ist es gut, wenn man die Tote ins Herz geschlossen hat. Man ist dann doppelt dringlich an der Überführung der Täter interessiert. In diesem Roman von Luca Ventura erwischt es Lina, die auf Capri nach der Essenz einer selten Orchideenart suchte. Sie war Parfumerin, aber nun liegt sie mit gebrochenem Genick da. Die Inselpolizisten Ricci und Cirillo haben es mit einem vertrackten Fall zu tun. Und je länger sie ermitteln, desto mehr genießt man, dass sie sich schwertun. Denn gemeinsam mit ihrem Publikum erkunden sie Capri. Man riecht die Insel, spürt die Sonne und genießt es sehr, dort zu sein. Auch das ist ein gutes Zeichen für einen Krimi.
Diogenes, 350 S, 18 Euro
Ehrlich: Wer dieses Buch im Urlaub liest, geht in den nächsten Laden und kauft Papier, Briefmarken und – ganz wichtig – einen Füller. Mit dem schreibt die 73 Jahre alte Sybil van Antwerp nämlich jeden Morgen Briefe. An wen? Freunde, Geschwister, an alle. Sie notiert, was sie bewegt. Und so ergeben die Briefe die Lebensgeschichte einer widersprüchlichen, aber unheimlich faszinierenden Frau. Man glaubt kaum, dass dieser im besten Sinn aufwühlende und anregende Roman ein Debüt ist. In den USA erreichte er die Spitze der Bestsellerliste.
Goldmann, 384 S., 14 Euro
Liz Moore: „Der andere Arthur“
Wer im vergangenen Jahr im „Gott des Waldes“ versunken ist, wird auch diesen im Original zwar früher erschienenen, aber erst jetzt übersetzten Roman von Liz Moore lieben – obwohl er ganz anders ist. Nicht spannend, sondern ruhig und still. Und wirkungsvoll, denn die Geschichte greift ans Herz. Man lernt zunächst Literaturprofessor Arthur Opp kennen, der sein Haus in Brooklyn seit Jahren nicht mehr verlassen hat und 250 Kilo wiegt. Der Grund für diese Einsamkeit ist eine verlorene Liebe: Charlene. Die hat einen Sohn, und diesen Kel trifft man ebenfalls. Die drei Personen werden nun durch einen Vorfall erneut und noch enger miteinander verbunden. Sorry, man darf nicht zu viel verraten. Es ist sehr aufwühlend. Und schön.
C. H. Beck, 377 S., 26 Euro
Wer die ersten Seiten gelesen hat, wird sich einen ruhigen Ort zum Weiterlesen suchen: Ich bin dann mal weg. Dieses epische Familienpanorama beginnt mit einem Kirschholzschrank, der vor mehr als 100 Jahren in Dresden geschreinert wurde. Er begleitet die Frauen in der Familie der Erzählerin durch vier Generationen. Die jüngste fächert deren Geschichte anhand ererbter Tage- und Notizbücher auf. Und sie erzählt gleichzeitig ein Jahrhundert deutscher Geschichte. Carbe verbindet autobiografisches Material mit Fiktion. Sie macht sichtbar, wie sich Muster in einer Familie wiederholen, und wie stark Verbindungen zwischen Menschen sein können, die sich nie begegnet sind.
Hanser, 576 S., 26 Euro
Dieses Buch hat mehr als 700 Seiten, und doch würde es sich als Lesezeichen für das Manuskript eignen, das ihm zugrunde liegt: Mehr als 7000 Seiten soll Kiran Desai in den 20 Jahren geschrieben haben, die sie an diesem Roman gearbeitet hat. Es geht um die beiden titelgebenden Kinder reicher indischer Familien. Sie werden nach Amerika geschickt, wo sie sich aus verschiedenen Gründen nicht wohlfühlen. Als ihre Eltern zwischen ihnen eine Ehe arrangieren wollen, finden die Erzählstränge zueinander. Man taucht ein in diese Geschichte, findet viel globalisierte Unbehaustheit, aber auch Liebe. Ein spannend zu lesendes Familien-Epos mit vielen Wendungen, Mikrogeschichten und tollen Nebenfiguren.
S. Fischer, 752 S., 28 Euro
Es gibt Figuren, denen möchte man zuflüstern: Lass es bleiben, mach es besser nicht! Maeve Cosgrove gehört dazu. Sie arbeitet in einer Bibliothek in Maine. Sie ist glücklich mit dem Job, und ihr Traum ist es, ihren Lieblingsautor Harrison Riddles zu einer Lesung in der Bücherei zu überreden. Nach verblüffenden und angeblich haltlosen Anschuldigungen wird Maeve entlassen. Kurz darauf avisiert der Schriftsteller tatsächlich sein Kommen. Und Maeve kann nicht akzeptieren, dass sie mit dem bewunderten Mann, der auf ihre Veranlassung hin auftreten wird, nichts zu tun haben darf. Sie ergreift die Initiative. Eigentlich steht man auf ihrer Seite, aber: Man weiß nicht, ob man ihr trauen kann. Ein Buch, das einem keine Ruhe lässt. Im besten Sinn.
btb, 432 S., 15 Euro
Douglas Stuart hat mit seinem Debütroman „Shuggie Brain“ den Booker-Preis gewonnen. Vor kurzem erschien das neue Buch „John of John“ auf Deutsch, und Junge: Der 50-Jährige kann erzählen! Cal hat vier Jahre in Edinburgh studiert, nun ist er pleite. Er zieht zurück zu seinem Vater auf eine entlegene Insel in den Hebriden, die Anreise dauert 20 Stunden. Die Beziehung ist konfliktreich – der Glaube des Vaters, die Frisur und die Homosexualität des Sohnes sind ständige Streitherde. Und dann ist da noch die Großmutter. Das ist ein tolles, von Zuneigung grundiertes Buch über die eigenartige Beziehung großer Kinder zum Elternhaus und das Erwachsenwerden. Egal, ob man es in Südspanien oder Marokko liest: Die Beschreibung der Feuchtigkeit und des schottischen Windes lässt einen frösteln. Eine dicke Empfehlung gilt auch der von Charly Hübner gelesenen Hörbuch-Fassung.
Hanser Berlin, 560 S., 26 Euro
Ein Restaurant als Schauplatz eines Romans: gute Idee! J. Ryan Stradal macht den Supper Club zum Knotenpunkt seines Generationenromans. Er erzählt von vier Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten ihren Lebensmittelpunkt an diesem Ort in Minnesota haben. Man merkt, dass der Autor einst selbst in solch einem Lokal gejobbt hat. Pfannkuchenduft steigt auf, und da ist dieser ständige Appetit auf Burger und Steak. Wer ihm widersteht, bekommt eine packende Familiengeschichte und eine Studie des amerikanischen Landlebens serviert.
Diogenes, 384 S., 25 Euro
Wer die dritte Staffel der tollen Hotel-Serie „The White Lotus“ gesehen hat, mag sich des Öfteren während der Lektüre dieses Romans der „Guardian“-Kolumnistin Rhiannon Lucy Cosslett daran erinnern. Sophie Evans reist 2019 auf eine griechische Insel, um mit ihren Freundinnen aus Uni-Zeiten die Hochzeit von Helena zu feiern. Ohne dass darüber gesprochen wird, ist Geld ein großes Thema, es trennt die Frauen, denn die einen haben es und die anderen nicht. Sophie ist Künstlerin, und unterbrochen wird die Erzählung dieses scheinbar sonnen- und coktailseligen Wochenendes von imaginären Gesprächen, die Sophie mit Künstlerinnen aus der Vergangenheit wie Paula Modersohn-Becker führt, während sie deren Werke betrachtet. Sie verhandelt darin ihre Gedanken zu Mutterschaft und Partnerschaft.
Rowohlt, 296 S., 24 Euro
Schon in der fünften Zeile dieses Buchs erfährt man über Bernhard, dass er gegen Gürtelrose und Pneumokokken geimpft ist. Warum? Weil es ansonsten nicht so viel über ihn zu sagen gibt. Bernhard ist ein bisschen langweilig: fast 70, seit ein paar Jahren pensioniert, von der Ehefrau verlassen und nun vor allem mit Lesen, Einkaufen, Schinkenbroten und Fernsehen beschäftigt. Aber das soll sich nun ändern. Bernhard reist nämlich nach Salerno, wo er nach dem Studium ein paar Monate gelebt hatte. In Salerno gab es das Strandbad, dort küsste er einst Arianne, und vielleicht ist sie ja noch da. Ein lakonisch erzählter Roman über Wiederbegegnungen und verpasste Chancen. Mit einem auf heitere Art melancholischen Helden, dem man das Allerbeste wünscht. Achtung, Spoiler: Arianne ist wirklich noch da.
Suhrkamp, 210 S., 25 Euro
Mehr als 1100 Seiten hat dieser Roman. 13 Jahre soll der bulgarische Schriftsteller daran gearbeitet haben. Er hatte das Ziel, ein Jahrhundert aufzufächern, und das Leitmotiv, das alles zusammenhält, ist die Donau. Die wunderbaren Menschen im Europa des 20. Jahrhunderts treten auf, man begegnet aber auch ihren Abgründen und Grausamkeiten. Man begleitet den Erzähler in Dörfer und Lager, in die Natur, Betten und Herzkammern. Im Zentrum stehen drei Familien, die das Fließen der Zeit und des Flusses ebenso erstaunt und überfordert wie dieser Roman viele seiner Leser. Man hadert, bewundert und taucht dennoch ein. Am Ende mündet alles in zwei Hoffnung machende Sätze: „Einen Freund kann man immer brauchen. Willst du mitmachen?“
Kein & Aber, 1152 S., 36 Euro
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