Stand: 11.07.2026, 14:16 Uhr
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Es war schon alles vorbereitet: Zwar kam der Fahrer des Škoda gerade noch rechtzeitig, um das Abschleppen seines Wagens auf dem Unteren Seeweg in Starnberg zu verhindern. Zur Kasse wird er trotzdem gebeten. © ZV KD OberlandIn Starnberg ist am vergangenen Wochenende zum ersten Mal das vereinfachte Abschleppverfahren angewendet worden. Das berichteten die Verkehrsüberwacher am Donnerstag. Erwischt hat es einen Falschparker am Unteren Seeweg.
Starnberg – Die Verkehrsüberwacher des Zweckverbands Kommunale Dienste Oberland aus Bad Tölz haben am vergangenen Wochenende in Starnberg zum ersten Mal das vereinfachte Abschleppverfahren angewendet. Dabei können sie unter bestimmten Voraussetzungen Falschparker selbstständig abschleppen lassen, ohne darauf warten zu müssen, dass eine Polizeistreife an Ort und Stelle die Lage beurteilt. Allerdings muss die Polizei weiterhin eingebunden und informiert werden.
Alle Beteiligten verfolgen dasselbe Ziel: mehr Sicherheit für Bürgerinnen und Bürger und bestmögliche Bedingungen für Einsatzkräfte.
„Dadurch werden Entscheidungswege verkürzt und Gefahrenstellen deutlich schneller beseitigt“, teilte der Zweckverband am Donnerstag mit. Das herkömmliche Verfahren sei oft zeitaufwendig und stoße dann an Grenzen, wenn Polizeikräfte zeitgleich bei Verkehrsunfällen oder anderen dringenden Einsätzen weiter benötigt werden. „Die gefährliche Situation vor Ort bestand währenddessen häufig weiter.“ Nun könnten Rettungswege und andere sicherheitsrelevante Bereiche wesentlich schneller wieder freigegeben werden.
Falschparker blockiert Rettungsweg
Konkrekt ging es um einen Autofahrer, der seinen Škoda am Unteren Seeweg geparkt hatte. „Das Fahrzeug war so abgestellt, dass der Rettungsweg blockiert wurde“, erklärte Simone Bräu vom Zweckverband auf Anfrage des Starnberger Merkur. Die Verkehrsüberwacher stellten den Verstoß am vergangenen Samstag gegen 14.45 Uhr fest und verständigten ein Abschleppunternehmen.
Zwar erschien der Fahrzeughalter gerade noch rechtzeitig, bevor sein Auto auf den Lkw gehievt und abtransportiert wurde, dennoch dürfte die Aktion für ihn teuer werden. Simone Bräu: „Auf den Fahrzeughalter kommt ein Verwarngeld in Höhe von 55 Euro zu. Hinzu kommen Abschleppkosten in Höhe von circa 400 Euro.“ Gleiches dürfte für einen weiteren Fall gelten, der sich am Samstag ereignet hat. Auch dabei habe es sich um „einen schwerwiegenden Parkverstoß“ gehandelt. Und auch in diesem Fall sei der Halter noch erschienen, bevor der Wagen abgeschleppt wurde, berichtete die Sprecherin.
Die Stadt Starnberg hatte bereits im August vergangenen Jahres mit dem Zweckverband und dem Polizeipräsidium Oberbayern Nord eine Vereinbarung zur Einführung des vereinfachten Abschleppverfahrens getroffen und dabei auch örtliche Gefahrenpunkte und Sicherheitskorridore identifiziert. In Starnberg sind dies der Untere Seeweg im Bereich der Fahrradstraße und des Steininger Grundstücks sowie der Buzentaurweg in Percha mit der Zufahrt zum Parkplatz und zur Wasserwachtstation.
Allerdings kam das Verfahren im vergangenen Jahr nicht mehr zur Anwendung. An einem geplanten Aktionstag am 16. August war das Wetter so schlecht, dass kaum Verkehr an den neuralgischen Punkten am See unterwegs war. In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses des Stadtrats in diesem Mai wies die Stadtverwaltung aber mit Nachdruck darauf hin, mithilfe des Verfahrens „die Freihaltung von Rettungswegen in der Praxis konsequenter durchsetzen“ zu wollen. Die Verkehrsüberwacher dürften die Regelung „jederzeit“ umsetzen, hatte Starnbergs Geschäftsleiter Ludwig Beck in der Sitzung gesagt.
Verstärkte Kontrollen vom 24. bis 26. Juli
„Die Vereinbarung zeigt, wie gut die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden, den zuständigen Polizeiinspektionen sowie dem Zweckverband funktioniert“, betonte Maximilian Brummer, Leiter Ruhender Verkehr beim Zweckverband. „Alle Beteiligten verfolgen dasselbe Ziel: mehr Sicherheit für Bürgerinnen und Bürger und bestmögliche Bedingungen für Einsatzkräfte.“ Es gehe nicht darum, möglichst viele Fahrzeuge abzuschleppen, betonte Brummer. Der aktuelle Fall mache deutlich, dass Abschleppmaßnahmen nicht nur auf dem Papier existierten.
Für das Wochenende vom 24. bis 26. Juli kündigte der Zweckverband bereits eine Aktion mit verstärkten Kontrollen rund um den Starnberger See an. Vereinbarungen zum vereinbarten Abschleppen existieren auch in den Gemeinden Berg, Münsing und Tutzing.
Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl steht voll hinter dem Konzept. „Es geht darum, dass Einsatzfahrzeuge schnell und sicher durchkommen“, sagt sie gegenüber dem Merkur. Leider würden Verkehrsteilnehmer aber immer wieder die entsprechenden Beschilderungen missachten. „Wir kommen nicht drumrum, das den ganzen Sommer über durchzuziehen.“