Sieben Nächte in Folge bombardieren die USA den Iran. Teheran schlägt gegen US-Verbündete am Golf zurück. Brücken, Stromnetze, Entsalzungsanlagen – die Ziele werden ziviler, die Spirale der Gewalt dreht sich schneller. US-Präsident Donald Trump verspricht einen baldigen Sieg. Doch die Fakten lassen ein anderes Bild erkennen: Der Handlungsspielraum der US-Regierung wird enger, die Folgen werden für die Menschen in den USA spürbarer – von den Bürgern im Iran ganz zu schweigen.
Was als Operation zur Sicherung der Straße von Hormus begann, hat sich innerhalb einer Woche zu einem regionalen Infrastrukturkrieg ausgeweitet. Wie US-Medien übereinstimmend berichten, greifen die USA inzwischen Brücken, Eisenbahnknotenpunkte, Energieanlagen und Flughäfen im Iran an.
Teheran antwortet mit Raketenangriffen auf Kuwait, Bahrain, Katar, Jordanien und Oman – und übernimmt die Verantwortung für Angriffe auf US-Stellungen in Syrien. Die Waffenstillstandsvereinbarung ist gescheitert. Diplomatie findet praktisch nicht mehr statt.
Militärische Eskalation: Vom Seeweg zum Flächenkrieg
Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran begann am 28. Februar 2026. Seitdem hat der Iran die Straße von Hormus faktisch geschlossen – eine maritime Handelsroute, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels lief.
Eine im Juni unterzeichnete Übereinkunft sollte die Straße offenhalten und Raum für Verhandlungen schaffen. Doch wie der britische Guardian berichtet, interpretierten beide Seiten das Abkommen unterschiedlich: Washington und Teheran entwickelten konkurrierende Transitrouten. Der Iran griff Schiffe an, die die US-Route nutzten. Nun ist der Waffenstillstand endgültig Geschichte.
Was folgte, ist eine klassische Eskalationsspirale: Die USA verhängten erneut eine Seeblockade gegen iranische Häfen, enterten Handelsschiffe und feuerten auf einen Öltanker, der die Blockade durchbrechen wollte. US-Präsident Trump kündigte an, Brücken und Kraftwerke im Iran anzugreifen – und setzte diese Drohung in der siebten Nacht in Folge um.
Energiekriege
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Nach Angaben von US Central Command (Centcom) zielten die Angriffe auf „Küstenüberwachung, Luftabwehr, militärische Logistikinfrastruktur und maritime Fähigkeiten“. Doch die Ziele gingen deutlich darüber hinaus: Laut iranischen Staatsmedien und AP wurden fünf Brücken rund um die Hafenstadt Bandar Abbas zerstört, ein Eisenbahnknotenpunkt getroffen, ein Überwachungsturm im Hafen von Tschahbahar zum Einsturz gebracht sowie Strominfrastruktur und der Flughafen Iranschahr angegriffen.
Die Zahl der Opfer steigt: Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums wurden mindestens 38 Menschen getötet und über 400 verletzt. Auf US-Seite stieg die Zahl der verwundeten Soldaten laut Pentagon-Datenbank auf 427, 14 US-Soldaten sind seit Kriegsbeginn gefallen.
Trumps verengte Optionen: Warum der Rückzug schwieriger wird
Donald Trump behauptet öffentlich, der Krieg laufe gut. „Auch im Iran erzielen wir große Erfolge, und Sie werden schon sehr, sehr bald die Früchte dieser Arbeit sehen“, sagte er in einer Fernsehansprache. Doch mehrere Faktoren deuten darauf hin, dass sich sein Handlungsspielraum verengt.
Erstens: Die Zerstörung ziviler Infrastruktur – Brücken, Stromnetze, Verkehrswege – schafft Fakten, die sich nicht einfach rückgängig machen lassen. Menschenrechtsexperten weisen darauf hin, dass Angriffe auf zivile Infrastruktur, die nicht militärisch genutzt wird, als Kriegsverbrechen geahndet werden könnten. Trump selbst bezeichnete die Angriffe als militärisch notwendig, um Teheran an den Verhandlungstisch zu zwingen – eine Logik, die weitere Eskalation voraussetzt, wenn der Iran nicht nachgibt.
Zweitens: Der Iran eskaliert seinerseits. Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) drohten mit „verheerenden Kosten“ für Länder, die US-Basen beherbergen. Mohsen Rezai, Berater des Obersten Führers des Irans, warnte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters: Sollten die US-Angriffe noch einige Tage andauern, werde der Iran in eine „Phase umfassender Offensivoperationen“ übergehen.
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Drittens: Der politische Druck auf Trump wächst. Die Ölpreise steigen und setzen den Präsidenten vor den Kongresswahlen im November unter Druck. Ian Lesser vom Think-Tank GMF warnte laut CNBC vor dem Risiko eines „endlosen Krieges“ und sprach von einer strategischen Fehleinschätzung der Regierung in Washington.
Syrien und Bahrain: Der Krieg überschreitet neue Grenzen
Besonders alarmierend ist die geografische Ausweitung des Konflikts. Laut CNBC und Guardian beanspruchte der Iran, ein US-Kommandozentrum in der syrischen Region al-Tanf angegriffen zu haben. Das Centcom dementierte, dass dabei US-Soldaten getötet oder gefangen genommen worden seien. Die syrische Regierung bestritt den Angriff gegenüber AFP. Syriens Präsident Ahmed al-Scharaa hatte noch im März erklärt, sein Land werde sich aus dem Konflikt heraushalten, solange es nicht direkt angegriffen werde. Diese angebliche Neutralität gerät nun unter Druck.
In Bahrain lösten die Behörden nach Angaben von CNBC und AP zweimal Luftalarm aus. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten laut Reuters, sie hätten ein US-Drohnendepot in Bahrain angegriffen und das wichtigste KI-Zentrum des Landes mit ballistischen Raketen und Drohnen zerstört. Diese Angriffe auf einen engen US-Verbündeten, der die Fünfte Flotte der US-Marine beherbergt, markieren eine qualitative Eskalationsstufe.
Die Huthi als strategischer Multiplikator
Die Rolle der jemenitischen Huthi-Miliz verleiht dem Konflikt eine zusätzliche Dimension. Der Iran hat seine Verbündeten im Jemen gebeten, sich darauf vorzubereiten, die maritime Ölroute durch das Rote Meer zu schließen, falls die USA iranische Energieinfrastruktur angreifen. Da genau dies inzwischen geschieht, gewinnt diese Drohung an Brisanz.
Huthi-Anführer Abdulmalik al-Houthi drohte zudem, saudische Ölanlagen und andere kritische Einrichtungen anzugreifen, sollte Riad im Jemen intervenieren. Auslöser war ein saudischer Angriff auf den Flughafen von Sanaa, auf den die Huthi mit Raketenangriffen auf Saudi-Arabien antworteten.
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Bewaffnete Männer kaperten nach Angaben von Reuters zudem ein Schiff vor der Küste Jemens – ein Vorfall, der die Sicherheitsbedenken an der Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer verschärft.
Sollten die Huthi ihre Drohung wahrmachen und sowohl das Rote Meer als auch die Straße von Hormus faktisch blockiert werden, wäre das nach Einschätzung von Analysten, die der US-Sender CNBC zitiert, eine weltwirtschaftliche „Katastrophe“.
Ölpreise, Schifffahrt und gefährdete Lieferketten
Die ökonomischen Auswirkungen des Konflikts sind bereits erheblich und drohen sich weiter zu verschärfen.
Energiemärkte: Der Preis für Rohöl der Standardmarke Brent kletterte am Freitag auf über 85 US-Dollar pro Barrel, ein Anstieg von mehr als elf Prozent innerhalb einer Woche – die stärkste Teuerung binnen einer Woche seit Ende April.
Schifffahrt: Die wöchentlichen Frachttransporte durch die Straße von Hormus sind laut dem Schifffahrtsdatenunternehmen Lloyd's List Intelligence bereits zu Monatsbeginn um fast ein Viertel eingebrochen – noch vor der jüngsten Eskalation. Nach Angaben von MarineTraffic.com sank die Zahl der Durchfahrten am Donnerstag auf nur noch acht Schiffe, ein Drei-Wochen-Tief. Viele Tanker schalten laut Lloyd's ihre Ortungsgeräte ab; andere bleiben gleich in den Häfen. Zwar wird zunehmend Energie über Pipelines transportiert, doch reicht dies bei Weitem nicht aus, um den Rückgang des Seehandels auszugleichen.
Regionale Infrastruktur: Der iranische Angriff auf eine kuwaitische Strom- und Entsalzungsanlage trifft das Land an einer existenziellen Stelle: Rund 90 Prozent des Trinkwassers stammen aus Meerwasserentsalzung. Die Revolutionsgarden erklärten laut iranischem Staatsfernsehen, bis zum Ende der US-„Aggression“ werde kein „einziger Tropfen Öl und Gas“ aus der Region exportiert werden können.
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Strategische Neuausrichtung: Bezeichnend für die langfristigen wirtschaftlichen Verwerfungen ist ein US-irakischer Wirtschaftsgipfel, bei dem westliche Energiekonzerne Abkommen im Wert von über 60 Milliarden US-Dollar unterzeichneten. Ein Chevron-Manager kündigte Investitionen in eine Pipeline an, die irakisches Öl unter Umgehung der Straße von Hormus an die syrische Mittelmeerküste transportieren soll – ein Zeichen dafür, dass die Industrie sich auf eine dauerhafte Unterbrechung der bisherigen Handelsrouten einstellt.
Was gesichert ist – und was offenbleibt
Gesichert ist: Der Waffenstillstand ist gescheitert. Beide Seiten greifen systematisch Infrastruktur an. Die Gewalt hat sich auf mindestens sechs Länder der Region ausgeweitet. Die Schifffahrt durch die Straße von Hormus ist massiv eingeschränkt. Die Ölpreise steigen deutlich.
Abzeichnen lässt sich: Der Konflikt bewegt sich in Richtung eines umfassenden regionalen Krieges. Die Einbeziehung Syriens, Bahrains und der Huthi deutet auf eine Ausweitung hin, die schwer einzudämmen sein wird. Pakistans Außenministerium räumte laut Guardian ein, dass Vermittlungsbemühungen „zunehmend schwieriger“ werden.
Offen bleibt, ob der Iran seine Drohung einer „umfassenden Offensivphase“ wahrmacht. Ob die Huthi tatsächlich das Rote Meer blockieren. Ob Trump bereit ist, den Konflikt weiter zu eskalieren – bis hin zu der von Reuters berichteten Option eines Bodenangriffs auf iranische Küsten oder Inseln. Und ob es einen diplomatischen Kanal gibt, der die Spirale noch stoppen kann, bevor sie außer Kontrolle gerät.
Die Logik der bisherigen Eskalation spricht dagegen. Jeder Angriff auf Infrastruktur erzwingt eine Reaktion, jede Reaktion eine Gegenreaktion. Donald Trump hat sich mit seinen öffentlichen Siegesversprechen in eine Position manövriert, aus der ein Rückzug ohne Gesichtsverlust kaum mehr möglich erscheint.
Gleichzeitig zeigt der Iran, dass er trotz massiver US-Luftangriffe in der Lage ist, Schaden zuzufügen – an US-Verbündeten, an der globalen Energieversorgung und an der politischen Glaubwürdigkeit der US-Führung.
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