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Eppertshausen bekommt neue Apotheke: „Vital“ eröffnet am 1. September

Stand: 25.07.2026, 06:20 Uhr

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Apotheke in Eppertshausen

Es gibt bald wieder eine Apotheke in Eppertshausen: Der neue Betreiber heißt Mustafa Hamwi (links), und er führt die ehemalige Valentin-Apotheke unter neuem Namen fort. Bürgermeister Stephan Brockmann (Mitte) und Erster Beigeordneter Mike Pritsch gratulierten ihm. © Michael Just

Seit Ende Januar hat Eppertshausen keine Apotheke mehr. Mustafa Hamwi übernimmt nun die Räume der ehemaligen Valentin-Apotheke in der Friedhofstraße.

Eppertshausen – Seit Ende Januar gibt es in Eppertshausen keine Apotheke mehr: Wegen Insolvenz hatte vor einem halben Jahr die Valentin-Apotheke geschlossen, was im Ort für Unmut und Unzufriedenheit gesorgt hatte. Nun gibt es eine frohe Kunde: Ab 1. September wird die pharmazeutische Versorgung durch Mustafa Hamwi in der Friedhofstraße wieder aufgenommen. Die ehemalige Valentin-Apotheke heißt dann Vital-Apotheke.

Derzeit wird die Fassade des Gebäudes saniert. Damit ist Glanz für die Wiedereröffnung garantiert.

Derzeit wird die Fassade des Gebäudes saniert. Damit ist Glanz für die Wiedereröffnung garantiert. © Michael Just

„Der Mietvertrag ist frisch unterschrieben, es steht nur noch die Betriebserlaubnis durch das Regierungspräsidium aus”, vermeldet Bürgermeister Stephan Brockmann (CDU). Laut seinen Worten gab es mehrere Interessenten. Der gebürtige Syrer mit deutscher Staatsbürgerschaft habe von allen zweifelsfrei den besten Eindruck gemacht. Hamwi, 43 Jahre alt, studierte an der Uni in Aleppo und erwarb dort 2005 das Staatsexamen in Pharmazie, später kam noch die syrische Approbation für Apotheker hinzu. Mit einem Studentenvisum führte der Weg 2007 nach Deutschland, weil hier bereits mehrere Verwandte leben. Damit kam er vor der großen Flüchtlingswelle 2015 ins Land. In Deutschland lernte er von Beginn an eifrig die deutsche Sprache.

Von Syrien nach Rüsselsheim: Apotheker Mustafa Hamwi über seinen Werdegang

„Zu Beginn verfolgte ich das Ziel, in der Pharmaindustrie zu arbeiten. Dann hat sich immer mehr der Apotheken-Weg herauskristallisiert“, berichtet der Rüsselsheimer. Nach mehreren Praktika arbeitete er als Angestellter, darunter in Apotheken in Wiesbaden, Bischofsheim, Hochheim oder Rodgau. Als rechte Hand der Betreiber oder als Urlaubs- und Krankheitsvertretung sammelte er über Jahre reichlich Erfahrung. In Eppertshausen geht er nun zum ersten Mal die Selbstständigkeit an.

Inge Ende-Seidel, die in der Friedhofstraße die Räumlichkeiten an Hamwi vermietet, hatte schon vor wenigen Tagen mit einem Aushang signalisiert, dass ein Nachfolger für Marcus Arndt gefunden ist. Zuvor versuchte sie immer wieder über die Presse oder die Apothekenzeitung, den Leerstand umzukehren und wieder einen Apothekenbetrieb zu initialisieren. Ein Verbündeter war dabei die lokale Politik, die sich in der gleichen Richtung engagierte. „Die Lieferdienste der Apotheken in den Nachbarkommunen haben in den letzten Monaten einen guten Job gemacht. Trotzdem konnte dies keine befriedigende Lösung sein”, sagt der Bürgermeister. Auch das Angebot eines Apothekers aus Darmstadt, ein E-Terminal im Ort für das Bestellen und Ausliefern von Medikamenten zu errichten, sah man nicht als ideal. „Dafür hätte es eine Fläche samt Datenanschluss gebraucht. Ohnehin verfolgen wir das Ziel, die Kaufkraft im Ort zu belassen”, so Brockmann.

Druck aus der Bevölkerung: Wunsch nach lokaler Apotheke war groß

Die sieht der Verwaltungschef mit Blick auf die 6.400 Einwohner und die ansprechende Zahl von Ärzten in Eppertshausen als gut. Zuerst habe er auch an eine Verbindung der neuen Apotheke zum Seniorenzentrum St. Hildegard gedacht. Der Caritas-Verband habe aber schon einen Vertrag mit einer Großapotheke für eine Belieferung seiner verschiedenen Einrichtungen in der Region und deren Bewohner.

„Die Wiedereröffnung der lokalen Apotheke ist für unsere Bürger wirklich eine tolle Nachricht“, freut sich Erster Beigeordneter Mike Pritsch (CDU). Denn die Aufgabe von Marcus Arndt führte parallel zu Druck und Erwartungen aus der Bevölkerung gegenüber der Gemeinde. Unter anderem kam sogar die Forderung auf, dass die Gemeinde das Apothekengebäude erwirbt. „Doch woher nehme ich 700.000 Euro? Und dann hätte ich noch keinen Apotheker gehabt!”, verdeutlicht Brockmann die Schwierigkeit, dass sich die Gemeinde wirtschaftlich betätigt. Anders zeigte sich der Kauf eines Gebäudes für Arztpraxen vor ein paar Jahren: Durch ein Konkursverfahren war für die Gemeinde ein äußerst niedriger Preis sichergestellt.

Aus Valentin wird Vital: Mustafa Hamwi zeigt das neue Logo der Apotheke. © Michael Just

Um den Neustart von Hamwi zu unterstützen, hat man sich laut Brockmann entschlossen, die Mietkaution als Darlehen zu übernehmen und so dessen Startkapital zu vergrößern. Unterstützung kann der neue Betreiber sicherlich gebrauchen: Ein hoher Kostendruck, Online-Apotheken und die Schwierigkeit, Personal zu finden, sind nur ein Teil der Herausforderungen. Eine pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) hat er in den vergangenen Tagen bereits eingestellt, drei sollen es am Ende sein. Auch die Teilzeit-Unterstützung von einem oder zwei weiteren Apothekern wünscht er sich. Ein Lieferdienst soll ebenfalls noch dazukommen.

Seine Kompetenz und sein Engagement stimmen zuversichtlich, dass die Neueröffnung gelingt. Clever ist Mustafa Hamwi auf alle Fälle: Die alten Lettern aus Gusseisen am Apothekengebäude bleiben nämlich erhalten: In einer andere Reihenfolge lässt sich aus „Valentin” der neue Name „Vital” bilden.