E-Commerce: EU-Kommission bremst Milliardenübernahme von Fedex
Der US-Logistikkonzern will zusammen mit Finanzinvestoren den europaweit tätigen Paketdienst Inpost übernehmen. Doch die EU-Kommission zögert mit der Freigabe.

Packstation des Unternehmens Inpost: Attraktives Übernahmeziel. Foto: REUTERS
Düsseldorf. Der Einstieg des US-Logistikkonzerns Fedex in das europäische Paketgeschäft verzögert sich um weitere zwei Monate. Gemeinsam mit den Finanzinvestoren Advent und PPF plant das Unternehmen aus Memphis seit Februar, den europaweit tätigen Paketdienst Inpost über die Börse für 7,8 Milliarden Euro zu erwerben. Doch die ursprünglich am Montagabend dieser Woche endende Angebotsfrist musste das Konsortium nun kurzfristig bis zum 18. September verlängern. Der Grund: Die EU-Kommission sowie eine Wettbewerbsbehörde in Vietnam haben dem Deal noch keine Freigabe erteilt.
Dabei wird die Übernahme mit Spannung erwartet. „Während der US-Konzern bislang auf zeitkritische Expresszustellungen als Erfolgsfaktor setzte, will er sich jetzt den Zugang zum europäischen E-Commerce-Geschäft erkaufen“, sagt Versandexperte Rico Back. Und das zu einem stattlichen Preis. Zum Vergleich: Den Brief- und Paketdienst Deutsche Post bewerteten die Analysten von Jefferies zuletzt mit neun Milliarden Euro – und damit kaum höher als das 2006 von Rafal Brzoska in Krakau gegründete Familienunternehmen Inpost.
Große Zahl von Paketstationen
Was eine Übernahme so attraktiv macht, ist die enorme Anzahl von Paketstationen, mit deren Hilfe sich Inpost den Weg zur Haustür der Empfänger spart. Über 14.600 von ihnen betreibt das Unternehmen allein auf der britischen Insel, wo Inpost im vergangenen Jahr den Wettbewerber Yodel übernahm. Weitere 10.800 Stationen stehen in Frankreich, die die Polen über den Zukauf Mondial Relay – eine ehemalige Hermes-Tochter – bedienen.
64.600Paketautomatenbetreibt Inpost europaweit.
Mit zusätzlichen Automaten in Italien, Portugal, Benelux und weiteren europäischen Ländern einschließlich Polen bringt es Inpost aktuell auf mehr als 64.600 Paketstationen, die künftig Fedex nutzen will. „Durch den Deal erhalten die Amerikaner zudem Zugang zu den bisherigen Inpost-Kunden aus dem E-Commerce“, erläutert der ehemalige GLS-Vorstandschef Rico Back.
Das Konzept mit den Paketautomaten hält der heute in Zürich ansässige Chef der Beratungsfirma SKR für unschlagbar. So kostet eine einzelne Paket-Haustürzustellung nach seinen Berechnungen im Schnitt 2,90 Euro. Schon beim wiederholten Zustellversuch verliert der Paketdienst deshalb den Ertrag. Die Ausgabe am Automaten sei dagegen für 18 Cent zu haben.
Temu und Shein
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In Deutschland stoße die Zustellung an Paketstationen hingegen auf größere Hürden, da viele Empfänger die Haustürzustellung bevorzugten. Nur eine mittlere einstellige Prozentzahl von Paketen gelangt hierzulande in die Automaten. Schon vor acht Jahren brachte die Otto-Tochter Hermes die Idee auf den Markt, für Heimlieferungen einen Zuschlag zu erheben. Durchgesetzt hat sie sich bis heute nicht.
21.000Eurokostet eine durchschnittliche Packstation.
Gegenzurechnen seien außerdem der Anschaffungspreis von 21.000 Euro pro Packstation und jährliche Stellplatzmieten und Unterhaltskosten von rund 8000 Euro, sagt Back. „Erst ab zehn bis zwölf Paketabgaben täglich rechnet sich eine solche Station.“
Ob Fedex mit seinem Neuerwerb auch nach Deutschland expandieren wird, ist offen. Noch vor einem Jahr kritisierte Firmengründer Brzoska, der CEO des Unternehmens bleiben will, dass die Bundesregierung die DHL Group als lokalen Marktführer zu stark unterstütze.
DHL beschleunigt den Ausbau
Beim Thema Packstationen, das vor 20 Jahren aufkam und bis vor zwei Jahren kaum noch Fortschritte machte, hat die DHL-Division Deutsche Post 2025 eine Investitionsoffensive gestartet – möglicherweise auch, um neue Wettbewerber vom deutschen Paketmarkt fernzuhalten. So kündigte der Konzern an, die Zahl seiner Packstationen 2030 auf rund 30.000 zu verdoppeln.
Inzwischen zählt die Deutsche Post im Heimatland nicht nur 16.000 Paketautomaten. Weitere 1000 Automaten bestückte sie zusätzlich mit Bezahlterminals etwa für Einschreiben und der Möglichkeit, telefonisch mit Postmitarbeitern Kontakt aufzunehmen.
Hinzu kommt: Wo es nicht anders ging, weil die Kommunen bei der Stellplatzvergabe darauf drängten, öffnete die Deutsche Post 1500 zusätzliche Packstationen auch für Wettbewerber. Dort tragen die verschließbaren Paketabgaben den Namen „Dein Fach“.
Auch der fürs ausländische Paketgeschäft verantwortliche Unternehmensbereich DHL eCommerce baut sein sogenanntes Out-of-Home-Netzwerk in Europa weiter aus. Erst diesen Montag verkündete DHL die Übernahme von Venipak, einem der größten unabhängigen Paketdienste im Baltikum. Er besitze rund 800 Paketstationen in Litauen, Lettland und Estland, teilte der Bonner Konzern mit.

Logistik
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In Deutschland tun sich die Konkurrenten der Deutschen Post hingegen schwer. Das gilt auch für den US-Konzern Fedex, der beim Verteilen von Paketen, die nicht an der Haustür abgegeben werden, auf die schätzungsweise gerade einmal 1400 deutschen Automaten des systemoffenen Anbieters „Myflexbox“ angewiesen ist. „Dies ist viel zu wenig, um den Paketversand günstig flächendeckend betreiben zu können“, urteilt SKR-Experte Back.
Um nach den Markteroberungen in Frankreich, Großbritannien und Italien auch in Deutschland nachzuziehen, müsste Fedex erhebliche Summen aufbringen. Um hierzulande auf den Stand der Deutschen Post zu kommen, wären 380 Millionen Euro für den Kauf von Automaten nötig, hat Back errechnet.
Spielraum für Investitionen in Deutschland
Über ausreichend finanzielle Mittel dafür dürften die Amerikaner verfügen. Anfang Juni trennte sich der US-Konzern per Aktiensplit von seinem Stückgut-Transport, der seither an der New Yorker Börse unter dem gesonderten Namen „Fedex Freight“ gehandelt wird. Der Mutterkonzern hält daran nur noch 19,9 Prozent der Anteile, die er in den kommenden zwei Jahren verkaufen will.
Nach heutigem Börsenkurs bekäme Fedex dafür umgerechnet knapp 4,1 Milliarden Euro, während der Inpost-Erwerb – Fedex ist an dem Konsortium mit 37 Prozent beteiligt – lediglich mit 2,9 Milliarden Euro zu Buche schlägt. Dem Logistikkonzern bliebe damit genügend Freiraum für weitere Investitionen auch in Deutschland.
Ohne Fedex namentlich zu nennen, kritisierte DHL-Vorstandschef Tobias Meyer gegenüber dem Handelsblatt den seiner Ansicht nach unfairen Wettbewerb bei europaweiten Übernahmen. „Das europäische Wettbewerbsrecht bremst grenzüberschreitende Zusammenschlüsse innerhalb der EU aus, da Marktanteile immer noch national betrachtet werden“, sagte er.
Das erleichtere es außereuropäischen Anbietern, in den fragmentierten europäischen Markt einzutreten, während die Heimatmärkte dieser Anbieter nicht in gleicher Weise zugänglich seien. „Dieses Ungleichgewicht schwächt Europa und europäische Unternehmen im globalen Wettbewerb“, warnte der DHL-Chef. In Brüssel scheint seine Position nun Gehör zu finden.
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