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Drei Freundinnen laufen abends durch Bad Hersfeld – und stellen eine Frage

Stand: 24.07.2026, 07:00 Uhr

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Heimatcheck: Abends unterwegs in Bad Hersfeld, hier in der Breitenstraße

Unterwegs in der Breitenstraße: Durch die Bushaltestellen, viele Imbissbuden und lange geöffnete Geschäfte ist die Straße meist belebt. Trotzdem gilt sie als einer der neuralgischen Punkte in Bad Hersfeld. © Zoé Fischer

Zoé Fischer (19) geht mit zwei Freundinnen um 21 Uhr durch Bahnhof, Breitenstraße und Schilde-Park. Am Ende fragen sie sich: Wo sind abends die Frauen?

Bad Hersfeld – Der Bahnhof, die Breitenstraße, der Schilde-Park – viele Menschen empfinden diese Teile der Stadt als Angst-Räume und meiden sie, besonders nach Einbruch der Dunkelheit. Für die HZ machte die 19-jährige Abiturientin Zoé Fischer gemeinsam mit zwei Freundinnen den Selbsttest. Sie waren abends unterwegs in Bad Hersfeld.

Heimatcheck: Abends unterwegs in Bad Hersfeld, hier am Torhaus am Markt

Torhaus: Der Durchgang von der Stadtkirche zum Marktplatz ist zwar grell erleuchtet, aber dennoch nicht schön. © Zoé Fischer

„Bitte nehmen Sie Abstand von der Bahnsteigkante …“ Der Regionalexpress hat seine Fahrgäste entlassen und rollt weiter. Isabel, Sofia und ich beginnen unseren Rundgang durch Bad Hersfeld am Bahnhof. Es ist 21 Uhr und noch ziemlich hell. Viele Menschen kommen vom Zug und gehen zu den wartenden Bussen. Am Gleis 2 sitzt allein eine Mutter mit einem Kinderwagen auf der Bank. Die Wartehalle ist schon geschlossen, also laufen wir am Aufzug und an den Toiletten vorbei und überqueren den Zebrastreifen am Bahnhofsplatz.

Am Anfang der Dudenstraße ist nicht viel los. Nur eine verirrte Plastiktüte flattert umher. Entspannt laufen wir zur Kreuzung am Kino, während die Kirchenglocken läuten. „Noch ist es hell und wir sind zu dritt, aber im Dunkeln würde ich nicht allein durch Bad Hersfeld laufen“, sagt meine Freundin rechts von mir. „Vor allem im Winter nicht“, ergänze ich. Aber wenn es noch hell ist, fühlen wir uns sicher.

Während wir über den neuen Film „Die Odyssee“ reden und eine quälend lange Zeit darauf warten, dass die Fußgängerampel auf grün schaltet, rennt ein Mann mit zwei Wasserflaschen in den Händen an uns vorbei, um seinen Zug zu erwischen. Am Dönerimbiss warten eine rothaarige Frau und ein Mann auf ihr Essen. Musik schallt aus einem der oberen Fenster eines Wohngebäudes, als ein Taxi vorbeirast.

Bei der Eisdiele an der Kreuzung zur Breitenstraße putzen die Mitarbeiter unter lautem Dröhnen mit Wasserschläuchen den Kunstrasen ihrer Terrasse. Als wir in die Breitenstraße einbiegen, rast ein Auto an uns vorbei, dicht gefolgt von einem Taxi. Um diese Uhrzeit fahren keine Busse mehr, trotzdem versammelt sich eine Gruppe Jugendlicher mit E-Scootern in der Breitenstraße. Wir laufen an ihnen vorbei und drehen eine kleine Runde um die Breitenstraße. Auf dem Weg Richtung Schilde-Park riecht es lecker nach Eis in der Fußgängerpassage. Beim Verlassen des Durchgangs hören wir das Geklapper des Bestecks und das Geplapper der Familien, die auf der Terrasse des Restaurants essen.

Langsam schlendern wir im Schilde-Park entlang und beobachten lachend, wie eine perfekt geradlinige Schlange von drei E-Scootern und einem Fahrradfahrer über den Platz saust, die alle vorbildlich einen Helm tragen. Wir laufen über die trockene, gelbe Wiese zu den Schaukeln, während die Sonne langsam untergeht und die Abenddämmerung vom Zwitschern der Vögel erfüllt wird. Und auch vom Quietschen der Wasserpumpe am Spielplatz, betätigt von spielenden Jugendlichen. „Riecht es hier nach Gras?“, fragt meine Freundin bei dem Fahrradparkplatz. „Ah ja, ich rieche es jetzt auch“, sage ich und blicke mich nach der Quelle um, doch da ist niemand.

Heimatcheck: Abends unterwegs in Bad Hersfeld, hier im Schilde-Park

Schilde-Park: Auf dem Foto idyllisch – aber für viele, die hier abends durch müssen, mit Ängsten behaftet. © Zoé Fischer

Nur ein einsamer blauer Hut liegt auf dem Boden neben uns, von seinem Besitzer verlassen. Erst bei der Bank am Fluss sehen wir zwei Männer und zwei Frauen gemeinsam rauchen. Wir lassen den Park und Cannabisgeruch hinter uns und begeben uns zum Marktplatz. Dort riecht es penetrant nach Kot. Der Geruch verfolgt uns ab der Stadtkirche.

„Habt ihr ein Feuerzeug?“, fragt uns ein junger Mann in etwa unserem Alter höflich, der neben seinen Freunden steht. Er hat braune Locken und trägt ein weißes T-Shirt. Sie haben ihre unangezündeten Zigaretten in der Hand und ihr Blick ist erwartungsvoll auf uns gerichtet. „Nee, sorry“, muss ich sie enttäuschen, und sie gehen vorbei.

Während wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof machen, begegnet uns ein Mann, der geräuschvoll auf den Boden spuckt. Ein weiterer Mann sammelt Bierdosen von Bänken und leert die Reste auf den Boden. Ein dritter Mann läuft laut telefonierend die Gasse herunter. Und wir fragen uns, wo abends die Frauen sind.