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Der Preis des Leitungswassers: gratis oder gegen Bezahlung?

Stand: 15.07.2026, 06:34 Uhr

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Am Wasserhahn in einer Küche wird ein Trinkglas mit Leitungswasser befüllt. (zu dpa: „Belastetes Trinkwasser: Zehdenick richtet Ausgabestellen ein“)

Leitungswasser in der Gastronomie: In Deutschland besteht kein rechtlicher Anspruch auf kostenloses Leitungswasser in Restaurants. Der Betrieb entscheidet dies freiwillig, viele erheben eine kleine Servicepauschale. © Patrick Pleul/dpa

Im Kreis Kassel handhaben Wirte die Frage unterschiedlich. Lukas Frankfurth von der Dehoga verteidigt die Gebühr mit den Kosten für Servicekräfte, Spülen und einen 2500-Euro-Sonnenschirm.

Wolfhager Land – Während sich unsere europäischen Nachbarn über kostenlose Erfrischungen zum Essen freuen, stehen Gäste in Deutschland oft vor der Wahl: Geld für Leitungswasser zu bezahlen, Mineralwasser zu kaufen oder zu dursten. Der Grund dafür ist ein deutscher Sonderweg: Denn obwohl das Leitungswasser strengsten Kontrollen unterliegt, ist der Griff zum Gratis-Hahn hierzulande Verhandlungssache.

EU-Richtlinie
erlaubt Ausschank

Nach einer EU-Richtlinie ist das Ausschenken von Leitungswasser ausdrücklich erlaubt, enthält aber bewusst keine Pflicht für Gastronomen, Gratis-Wasser zu servieren. Die Empfehlung: In Artikel 16 wird lediglich empfohlen, dass Gaststätten ihren Kunden Leitungswasser kostenlos oder gegen eine geringe Servicegebühr bereitstellen.

Generell ist der Ausschank von Leitungswasser laut EU-Recht legitim. Auch vonseiten des Gesundheitsamtes beim Landkreis Kassel gibt es keine Bedenken. „Es spricht nichts dagegen, dass Gaststätten Leitungswasser ausschenken“, lautet die Antwort vom Kreis. Bei der Frage, ob sie dies für lau tun oder Geld dafür verlangen, zeigt sich im Landkreis Kassel ein gemischtes Bild.

Lukas Frankfurth, stellvertretender Vorsitzender der Dehoga, Fachbereich Gastronomie, hat dazu eine glasklare Haltung: „Wir verkaufen kein Produkt, sondern eine Dienstleistung, die mit Kosten verbunden ist.“ Servicekräfte müssten das Wasser zapfen, an den Tisch bringen und das Glas später wieder abräumen. Das Spülen und Trocknen der Gläser koste Strom, Wasser, Abwasser, Spülmittel und Arbeitszeit. In der Regel zahle der Gastronom Miete, Heizung, Licht und Pacht, zählt Frankfurth auf. Er stelle ein WC zur Verfügung. Und wenn es nur der Sonnenschirm für 2500 Euro sei, unter dem der leitungswassertrinkende Gast sitze. Die Restaurants würden gewissermaßen einen „Butlerservice“ anbieten. Frankfurth, der die Emstaler Höhe in Bad Emstal betreibt, hat sogar eine teure Wasseraufbereitungsanlage angeschafft, die das heimische Leitungswasser filtert.

„Ein schwieriges Thema“, räumt Elke Röhre, Inhaberin der Kneipe Zur Knackenburg ein und entscheidet von Fall zu Fall. Ob sie für das Glas Leitungswasser Geld nimmt oder es kostenlos zapft und weiterreicht, macht sie dabei auch vom Auftreten des Gastes abhängig. „Wenn sich jemand über Stunden an drei großen Gläsern Leitungswasser festhält, finde ich das schon komisch.“ In diesen seltenen Fällen kassiere sie einen geringen Betrag, „und manche gucken dann blöd“. Die meisten Gäste besuchen die „Knacke“, um dort am Abend in geselliger Runde Bier zu trinken. Wenn von ihnen zwischendurch jemand ein Glas Wasser aus der Leitung wolle, würde sie es spendieren.

Im Gasthaus Remmlers in Ahnatal-Weimar ist man sich einig: Leitungswasser gibt es stets kostenlos. „Ich persönlich würde mich schlecht fühlen, wenn ich jemandem, der danach fragt, kein Glas Wasser bringen könnte“, sagt Mitarbeiterin Julia-Charlyn Hansmann. Auch bei ihren Kollegen sei es Usus, gratis Wasser aus dem Hahn anzubieten.

Gleiche Meinung teilt Carlos Ramos, Inhaber des Eiscafés Cortina in Kaufungen. „Leitungswasser stelle ich bei Nachfrage kostenlos zur Verfügung. Ein Mineral- oder Sprudelwasser würde ich dagegen abkassieren“, sagt er. Für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit, Kunden das Wasser aus dem Hahn nicht zu berechnen.

Florian Hampe, Inhaber des Restaurants Heimatwinkel im Grebensteiner Ortsteil Udenhausen, möchte sich am Glas Leitungswasser „nicht bereichern“. Seiner Erfahrung nach bestellen es meist Eltern, die für ihre kleinen Kinder eine Flasche zubereiten möchten. Für ihn gehört kostenloses Leitungswasser selbstverständlich zum Service. „Wenn ich einem Hund einen Napf Wasser hinstelle, berechne ich das schließlich auch nicht“, sagt Hampe. „Ich finde, es gehört sich einfach nicht, dafür Geld zu verlangen.“ Deshalb spricht er sich für eine gesetzliche Regelung aus, nach der Leitungswasser kostenlos angeboten werden soll.