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„Der ist total cool“ – Qualle pfeift beim Putzbrunner SV

Stand: 22.07.2026, 06:00 Uhr

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Respekt gegenüber Schiedsrichtern: Pascal Martin, genannt Qualle, im Einsatz beim Jugendturnier in Putzbrunn.

Respekt gegenüber Schiedsrichtern: Pascal Martin, genannt Qualle, im Einsatz beim Jugendturnier in Putzbrunn. © Patrik Stäbler

Der Schiri-Influencer Pascal Martin gibt einen Workshop beim Putzbrunner SV. Ihm folgen 1,5 Millionen Menschen auf Social Media.

Putzbrunn – Kurz vor ihrem Spiel gegen den gastgebenden Putzbrunner SV sitzen die U13-Fußballer des SV Waldperlach unterm Pavillon zusammen – als einer von ihnen eine Entdeckung macht. „Schau mal, da drüben ist Qualle!“, ruft er und zeigt in Richtung Spielfeld. Nun drehen sich auch die Köpfe der anderen zum Rasen, und es erhebt sich ein Stimmengewirr. „Den kenn ich von Youtube“, sagt einer. Worauf sein Teamkollege nickt und sagt: „Der ist total cool!“

„Ich fand’s richtig cool“: PSV-Nachwuchsschiedsrichter Leopold Bauer mit Qualle.

„Ich fand’s richtig cool“: PSV-Nachwuchsschiedsrichter Leopold Bauer mit Qualle. © Patrik Stäbler

Nun ist jener Mann, der ein Team von zwölfjährigen Kickern in helle Aufregung versetzen kann, nicht etwa ein Fußballer – sondern ein Schiedsrichter. Genauer gesagt: der bekannteste Schiri-Influencer des Landes, dem auf Tiktok, Instagram und Youtube gut 1,5 Millionen Menschen folgen. Und der heute in Putzbrunn ist, um erst einen Workshop zu geben und anschließend beim U13-Sommerturnier des PSV einige Spiele zu pfeifen.

Warum „Qualle“?

Kaum einer kennt ihn als Pascal Martin, die meisten sagen „Qualle“. Aber woher kommt dieser Spitzname? Qualle hat das in einem Interview mit dem Portal web.de mal erklärt. „Mein Vorname ist Pascal. Im Französischunterricht hat mich die Lehrerin „Pasquale“ genannt, die französische Form meines Namens. Und so kam es zu „Qualle“.

„Wir wollten mal was anderes machen und uns die Themen Fair Play, Respekt und Schiedsrichter vornehmen“, sagt Alexander Zeidler, der sich mit Jugendleiter Jörg Pfeiffer und Marc Hajek um den Nachwuchs beim PSV kümmert. Bei seiner Recherche sei er auf Pascal Martin gestoßen, wie „Qualle“ mit echtem Namen heißt. „Ich habe dann sein Management angeschrieben, und wir sind uns einig geworden“, berichtet Zeidler.

Und so steht der 24-jährige Internetstar an diesem Mittag im Vereinsheim am Florianseck vor gut 30 Kindern, die jeweils 20 Euro für den Workshop bezahlt haben. „Ich bringe euch heute etwas bei, damit ihr in Zukunft Fußball anders gucken könnt“, verspricht der groß gewachsene Mann, der von sich selbst in der dritten Person als „Qualle“ spricht.

Wir sollten den Kindern lieber zeigen, dass man verlieren darf.

Tatsächlich gibt Pascal Martin danach eine Reihe von Tipps, wie sich Gesten und Signale von Schiedsrichtern und deren Assistenten deuten lassen. Etwa dass der Linienrichter, wenn er nach einem Foul seine Hand auf die Brust legt, das Zeigen einer Gelben Karte empfiehlt. Oder aber, dass drei Schritte des Assistenten ins Spielfeld ein zuverlässiger Indikator für einen Elfmeterpfiff sind.

Doch so interessant all dies ist: Das Besondere ist weniger, was Qualle erzählt, sondern wie. Denn der 24-Jährige holt die Kinder in ihrer Welt ab, indem er etwa Vergleiche zum Computerspiel Fortnite zieht. Zudem weiß er seine Geschichten mit viel Witz und gezieltem Namedropping zu garnieren – beispielsweise, wenn er jene Linienrichterfahne hervorzieht, die 2018 im DFB-Pokalfinale zum Einsatz kam. „Die hat mir Deniz Aytekin geschenkt“, erzählt Qualle.

Nach seiner kleinen Regelkunde kommt der Influencer dann auf jene Themen zu sprechen, die ihn besonders umtreiben. Nämlich: Respekt gegenüber Schiedsrichtern sowie Fair Play auf und neben dem Rasen. Dabei spart Pascal Martin auch nicht mit Kritik am DFB. So spricht er sich gegen die Entwicklung im Jugendfußball aus, wonach den Kindern Niederlagen erspart bleiben sollen und alle stets Gewinner sind. „Die Leute müssen lernen zu verlieren und auf die Schnauze zu fallen“, sagt Qualle. „Das ist nicht schlimm. Wir sollten den Kindern lieber zeigen, dass man verlieren darf.“

„Wir wollten mal was anderes machen“, sagt Alexander Zeidler (l., mit Qualle), der sich mit Jugendleiter Jörg Pfeiffer (2.v.r.) und Marc Hajek um den PSV-Nachwuchs kümmert.

„Wir wollten mal was anderes machen“, sagt Alexander Zeidler (l., mit Qualle), der sich mit Jugendleiter Jörg Pfeiffer (2.v.r.) und Marc Hajek um den PSV-Nachwuchs kümmert. ©  Patrik Stäbler

Nach gut einer Stunde ist sein Vortrag vorüber – und das Publikum begeistert. „Ich fand’s richtig cool“, sagt der 13-jährige Leopold Bauer vom Putzbrunner SV, der seit dem Vorjahr ebenfalls Schiedsrichter ist – „auch wegen Qualle“, wie er betont. Ebenso „total begeistert“ von dem prominenten Gast ist Alexander Zeidler. „Die Kinder waren ganz ruhig und sind an seinen Lippen gehangen. Ich denke, er hat die Werte, für die er steht, sehr gut rübergebracht.“

Nach dem Workshop tauscht der 24-Jährige sein weißes Shirt gegen eine schwarze Schiedsrichtermontur und marschiert vorbei am eigens aufgebauten Stand mit Qualle-Merchandise zum Spielfeld hinüber – wobei er auf dem Weg geduldig für Erinnerungsfotos posiert, stets freundlich und mit einem Lächeln im Gesicht.

Dabei hat der gelernte Kinderpfleger, der in Bielefeld aufgewachsen ist, eine dunkle Vergangenheit, auf die er im Workshop ebenfalls eingeht. So habe er im Elternhaus Gewalt erfahren, sei mit 18 Jahren von daheim abgehauen und habe acht Monate auf der Straße gelebt, erzählt Pascal Martin. Damals habe er angefangen, erste Videos über sein Hobby als Schiedsrichter zu drehen. Diese seien dann immer erfolgreicher geworden, sodass er heute ein „ziemlich bekannter Influencer“ sei. „Und da bin ich stolz drauf.“

Zum Ende seines Vortrags dankt Qualle noch seiner Adoptivmutter, in deren Familie er nach der Obdachlosigkeit ein neues Zuhause gefunden hat. Und er betont in Richtung der Kinder: „Reich zu sein heißt nicht, viel Geld zu haben. Andere Dinge sind im Leben wichtiger.“ (ps)