Der Traum vom Leben auf vier, oder mehr Rädern hat viele Menschen während der Corona-Pandemie nicht mehr losgelassen: Wohnmobile und Wohnwagen waren zeitweise fast ausverkauft, die Händler meldeten Rekordumsätze, die Hersteller der teils exorbitant teuren „Villen auf Rädern“ fuhren ihre Produktion hoch. Doch der Boom ist vorbei.
19 Mitarbeiter sind betroffen
Eines der jüngsten Opfer ist der traditionsreiche Reisemobilhändler und Schafhäutle Reisemobile aus Kirchheim am Neckar (Landkreis Ludwigsburg). Das 1989 gegründete Unternehmen stellte Ende April einen Insolvenzantrag; Anfang Mai wurde die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Am 26. Juni wurde das Hauptverfahren eröffnet, früher als ursprünglich geplant, um weitere Schulden zu vermeiden.
Seitdem bereitet der Insolvenzverwalter die Schließung des Unternehmens vor, wie der Merkur mitteilte. Eine Investorensuche läuft zwar noch, die Chancen gelten aber als gering. Erschwerend kommt hinzu, dass laut Insolvenz-Radar eine sogenannte Massenunzulänglichkeit droht – die Insolvenzmasse könnte nicht einmal für das weitere Verfahren ausreichen. 19 Mitarbeiter sind betroffen.
Portfolio zusammengestrichen
Aber die Firma Schafhäutle ist kein Einzelfall. Die gesamte Caravan-Branche steckt in einer handfesten Strukturkrise. Das zeigt auch der Blick auf die Hersteller: Dethleffs aus Isny im Allgäu, der sich selbst als „Erfinder des Wohnwagens“ bezeichnet – Firmengründer Arist Dethleffs baute 1931 den ersten Wohnwagen –, streicht sein Wohnwagen-Portfolio auf die Hälfte zusammen.
Die Baureihen Camper, Nomad und Beduin Scandinavia (Preisklasse 26.000 bis 44.000 Euro) entfallen ersatzlos. Übrig bleiben lediglich die Einstiegsmodelle „c'joy“ und „c'go“ sowie die erst Anfang des Jahres vorgestellte Summer Edition.
Der Grund: Die Nachfrage bricht ein. Die Zulassungszahlen für Wohnwagen sind seit Jahren rückläufig. Das Corona-Zwischenhoch – bei Wohnwagen ohnehin deutlich schwächer als bei den Reisemobilen – hat vor allem zu Überkapazitäten geführt, die noch immer in den Lagern auf Halde stehen. Vergangenes Jahr verzeichnete Dethleffs ein Absatzminus von 13 Prozent, in den ersten fünf Monaten dieses Jahres lag das Minus noch immer bei über acht Prozent, wie Handelblatt und chip.de vermeldeten.
Auch der Konkurrent Bürstner mit Sitz in Kehl will die Wohnwagen-Produktion künftig ganz aufgeben, beide Unternehmen gehören zur Erwin Hymer Group mit Sitz in Bad Waldsee.
Dethleffs setzt nun auf eine Neuausrichtung: Bis übernächstes Jahr sollen komplett überarbeitete Modelle auf den Markt kommen. Gleichzeitig baut das Unternehmen das Reisemobil-Segment aus und präsentiert auf dem „65. Caravan Salon“ in Düsseldorf (28. August bis 6. September) zwei neue Modelle der XL-Baureihe – zum stolzen Preis von 122.000 beziehungsweise 132.000 Euro.
Die Branche setzt somit auf das obere Marktsegment, während günstigere Fahrzeuge aus dem Programm genommen werden und Händler wie Schafhäutle schließen müssen.
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