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CSD 2026: Queere Räume in Berlin unter Druck

 Die Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) zieht durch Berlin.

Christopher Street Day in Berlin Queere Räume in Berlin unter Druck

Stand: 25.07.2026 • 06:24 Uhr

Während am Pride-Wochenende Hunderttausende buntes Leben in der Hauptstadt feiern, kämpfen Inititativen, die das ganze Jahr über queere Kultur- und Communityarbeit machen, ums Überleben.

Von Henrike Möller und Luis Babst, rbb

"Ich bezahle temporär Security, mehr Personal, dass keiner alleine ist und das sind einfach auch Kosten, die zu einem heterosexuellen Unternehmen nicht so dazugehören." Das sagt Danjel Zarte, Inhaber des queeren Restaurants Hoven in Berlin-Neukölln. Seit Eröffnung vor drei Jahren musste er 85 Strafanzeigen stellen, sagt er. Wegen Körperverletzung, Beschmierung mit Fäkalien, Sachbeschädigung. Mittlerweile sei die Situation besser, Umsatzeinbußen und zusätzliche Kosten blieben aber.

Queerfeindlichkeit nimmt zu

Während queere Orte mit denselben Problemen zu kämpfen haben wie andere Kulturräume - Preiserhöhungen, Mietsteigerungen, Mindestlohnanhebungen - kommt bei ihnen noch ein existenzbedrohender Faktor hinzu: Queerfeindlichkeit.

Der queere Treffpunkt in Neukölln, das Restaurant Hoven, hat seit der Eröffnung vor drei Jahren Umsatzeinbußen. Besitzer Danjel Zarte musste in der Zeit 85 Strafanzeigen stellen: wegen Körperverletzung, Beschmierung mit Fäkalien und Sachbeschädigung.

Die Berliner Polizei hat in den vergangenenzehn Jahren einen kontinuierlichen Anstieg von queerfeindlichen Fällen registriert. Im Jahr 2025 waren es 587. Mehr als dreimal so viel wie vor zehn Jahren. Auch im gesamten Bundesgebiet stieg das Vorkommen queerfeindlicher Hasskriminalität zuletzt deutlich.

Der Berliner Senat reagierte dieses Jahr als erstes Bundesland mit dem Beschluss einer Landesstrategie für queere Sicherheit und gegen Queerfeindlichkeit. Die sei ein wichtiges Signal, sagt Christian Haid. Der Stadtsoziologe forscht an der TU Berlin zu Queer Urbanism.

Er sieht jedoch ein Defizit: "Die Landesstrategie fokussiert sich hauptsächlich auf Gewaltprävention, Betroffenenunterstützung, Schutzkonzepte und unterschiedliche Kooperationen." Es beinhalte jedoch nicht, "queere Orte vor Verdrängung zu schützen."

Raumsuche unter Ressentiments

Einer dieser Räume ist die AHA in Schöneberg, kurz für Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft. Der Verein existiert seit 1974. Er veranstaltet Lesungen, Spieleabende, queere Karaoke-Abende und vieles mehr. Seit einer deutlichen Mieterhöhung ist AHA auf der Suche nach neuen Räumen.

Die Suche gestalte sich schwierig, sagt Vorstandsmitglied Volker Göbeler: "Wir hatten mal ein Angebot in Neukölln. Da hat sich der Verein oder die Mitgliederversammlung dagegen entschieden. Man befürchtete, dort als queeres Projekt nicht so willkommen zu sein." Ein anderer potenzieller Vermieter sagte in letzter Sekunde ab: wegen einer erotischen Party, die das AHA veranstaltet.

Forderung nach Sicherheitsfonds

Die Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus unter ihrem queerpolitischen Sprecher Klaus Lederer hat im Dezember vergangenen Jahres einen Antrag in den Senat eingebracht, der queere Räume schützen soll.

Eine der Forderungen: ein Sicherungsfonds für Notsituationen. Queere Orte wie das Hoven, das immer wieder mit Vandalismus zu kämpfen hat, könnten darüber schnell und unkompliziert finanzielle Hilfe bekommen.

Der Club SchwuZ war einer von Deutschlands ältesten queereren Clubs mit Disco-Betrieb. Er musste vergangenes Jahr schließen und sucht seitdem neue Räume in Berlin.

Solch ein Fonds könne auch dafür genutzt werden, neue queere Räume in ihrer Anfangsphase zu unterstützen, sagt Lederer und reagiert damit auf eine Forderung des SchwuZ Vereins.

Das SchwuZ war Deutschlands ältester queerer Club. Letztes Jahr musste er schließen, seitdem sucht der Verein neue Räume. "Wir brauchen Anschubfinanzierung", sagt Vorstandsmitglied Marcel Rohrlack. Es sei "die Hürde bei den meisten neuen Räumen, dass sie nicht mit viel Geld in der Tasche um die Ecke kommen." Es sei nicht das Ziel, in eine dauerhafte Betriebskostenförderung reinzufallen. "Es gibt sehr viele tragfähige Konzepte für queere Räume."

Antrag von der Koalition abgelehnt

Der Antrag der Linksfraktion wurde kürzlich von der Koalition abgelehnt. In einer rbb-Presseanfrage heißt es: "Der Berliner Senat hat in den letzten Jahrzehnten gezielt queere Infrastrukturen und Räume geschaffen, gefördert und gestärkt."

Als Beispiel wird ein neues lesbisch-queeres Wohnprojekt an der Berolinastraße genannt. Für Restaurantbetreiber Danjel Zarte ist klar, es muss etwas passieren. Er veranstaltet im Hoven auch queere kulturelle Events wie Kinder-Drag-Lesungen. Wie lange er sich die noch leisten kann, weiß er nicht.