Die weiter nachgebenden Energiepreise dürften dem deutschen Leitindex auch am zweiten Börsentag der Woche Auftrieb geben, das Rekordhoch von vor drei Wochen bei 25.900 Zählern bleibt im Blick. Händler und Banken berechneten den Dax am Morgen zum Xetra-Start 0,2 Prozent fester bei 25.422 Punkte.
Nach dem starken Rücksetzer der Preise für Rohöl und Gas am Vortag geben diese weiter nach. Laut Marktbeobachter Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners befinden sich die Börsen aktuell in einem Spannungsfeld zweier Kräfte. So wachse auf der einen Seite die Hoffnung auf ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran. Auf der anderen Seite nehme die Angst vor einer zu weit gelaufenen KI-Rallye zu – dies mache Indizes mit hohen Halbleitergewichten wie dem Nasdaq 100 und dem südkoreanischen Kospi zu schaffen, weniger aber dem Dax.
Mercedes-Benz und Teamviewer im Fokus
Hierzulande kommt die Saison der Quartalsbilanzen weiter in Fahrt. Mercedes-Benz kappte nach einem schwachen Quartal die Umsatzprognose, das Pkw-Margenziel steht aber. Vorbörslich gewannen die Anteile auf Tradegate 2,1 Prozent im Vergleich mit dem Xetra-Schluss.
Der Softwareanbieter Teamviewer wies einen weiteren Umsatzrückgang aus, ließ die Prognose aber unverändert. Insgesamt ein solider Bericht, konstatierte ein Händler. Die Papiere des Softwarekonzerns gaben auf Tradegate um 4,3 Prozent nach verglichen mit dem Schlusskurs auf Xetra, hatten allerdings am Vortag im Zuge einer starken Entwicklung des gesamten Softwaresektors 4,7 Prozent gewonnen.
Hypoport sanken im vorbörslichen Handel auf Tradegate um 1,2 Prozent. Der Finanzdienstleister hatte gewinnseitig im zweiten Quartal enttäuscht.
Exane BNP Paribas stufte die Aktien des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care (FMC) von „Neutral“ auf „Underperform“ ab. FMC gaben auf Tradegate deutlich nach. In die andere Richtung ging es für die Titel des Düngerherstellers K+S, hier votiert Exane BNP nun mit „Outperform“ statt zuvor „Underperform“.
Asiens Börsen unter Druck, SK Hynix und Samsung zweistellig im Minus
Der südkoreanische Leitindex Kospi knickte zuletzt um rund 10 Prozent ein und notiert nun wieder auf dem Niveau von Mitte April. Die Aktien der Speicherchip-Hersteller SK Hynix und Samsung brachen jeweils um rund 13 Prozent ein. Nach der KI-getriebenen Kursrally der vergangenen Monate liegt aber etwa SK Hynix 2026 immer noch über 140 Prozent im Plus. Der japanische Nikkei 225 fiel im späten Handel um fast 4 Prozent.
Für Nervosität der Investoren mit Blick auf die bekannten Speicherchip-Hersteller sorgte tags zuvor der Börsengang des chinesischen Chipherstellers CXMT in Shanghai. Der Börsengang war stark überzeichnet, entsprechend hoch war die Nachfrage am ersten Handelstag: Der Kurs schoss um 465 Prozent nach oben. Am Dienstag gab es erst einmal nur kleinere Gewinnmitnahmen; die Papiere fielen um etwas mehr als 2 Prozent. Anleger setzen darauf, dass CXMT Flaggschiffen wie dem US-Unternehmen Micron, Samsung oder SK Hynix Konkurrenz macht.
Chip-Sorgen in den USA
An der Wall Street hatte der Dow Jones am gestrigen Montag mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 52.210 Punkten geschlossen. Der breit gefasste S&P 500 notierte kaum verändert bei 7413 Zählern. An der Technologiebörse Nasdaq machten sich die China-Sorgen bemerkbar. Unter dem Gewicht der Chipwerte beendete der Nasdaq 100 den von Schwankungen geprägten Handel 0,3 Prozent tiefer bei 28.039 Punkten. Er knüpfte damit an seine jüngste Talfahrt an, die ihn bereits auf das niedrigste Niveau seit Anfang Mai getrieben hatte.
Bitcoinkurs fällt vor US-Zinsentscheid
Der Bitcoin ist wegen der Furcht vor höheren Zinsen in den Vereinigten Staaten auf den tiefsten Stand seit Mitte Juli gefallen. Die älteste und bekannteste Kryptowährung kostete auf der Handelsplattform Bitstamp im frühen Handel rund 63.350 Dollar. Damit knüpfte der Bitcoin an die Verluste der vergangenen Tage an. Vor einer Woche hatte der Kurs der Kryptowährung noch bei fast 67.000 Dollar gelegen.
Ölpreise sinken weiter
Die Ölpreise haben nach dem Ende der US-Angriffsserie am vergangenen Wochenende weiter nachgegeben. Ein Fass (159 Liter) Rohöl der weltweiten Referenzsorte Brent zur Lieferung im September kostete zuletzt 87,37 Dollar und damit 1,1 Prozent weniger als am Montagabend. Zum Wochenauftakt hatte sich Brent-Öl fast 9 Prozent verbilligt.
Grund für den starken Preisrückgang war die Hoffnung, dass die USA und der Iran wieder Verhandlungen über eine Lösung des Nahostkriegs aufnehmen könnten. Bis zum Wochenende hatten die Vereinigten Staaten 13 Nächte in Folge Angriffe auf den Iran gemeldet. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg deswegen kräftig und überschritt dabei auch wieder die Marke von 100 Dollar je Barrel. Die jüngste Pause der US-Angriffe am Wochenende nährte erneut Hoffnung auf eine Deeskalation in dem seit Ende Februar tobenden Konflikt. Auch der Iran hatte angedeutet, seine Angriffe vorerst auszusetzen.