Bernd Mayländer fährt seit 30 Jahren Safety-Car
An ihm kommt kein F1-Weltmeister vorbei
So viel Gas Schumi, Vettel, Hamilton oder Verstappen auf den F1-Pisten dieser Welt auch gaben – an einem Auto kamen sie nie vorbei. Seit genau 30 Jahren fahren die F1-Piloten bei Regen oder Unfällen hinter dem Safety-Car mit Bernd Mayländer am Steuer hinterher.
Publiziert: 06:14 Uhr
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Aktualisiert: 06:32 Uhr
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Bernd Mayländer offiziell seit dem Jahr 2000 Safety-Car-Fahrer, nur vier Rennen verpasst
- Erste Nutzung des F1-Safety-Cars 1996 mit privatem Mercedes C 36 AMG
- Mayländer fährt jeweils mit 90 % am Limit, trotzdem fordern F1-Fahrer jeweils mehr Tempo
«Kann er nicht endlich schneller fahren?», jammert F1-Star Lewis Hamilton (41) ins Funkgerät. Gemeint ist das Safety-Car vor ihm. Es prescht mit Blinklicht über die Piste und sammelt das Feld ein, damit die Streckenposten Trümmerteile gefahrlos aufräumen können.
Mitte der 1990er-Jahre wurden die F1-Autos immer schneller. Die Motorsportbehörde FIA reagierte: Bei Regen oder Unfällen kommt seither auf Befehl der Rennleitung das Safety-Car zum Einsatz. Es bremst die Rennboliden ein. Überholen ist verboten. Am 30. Juni 1996 wurde das F1-Safety-Car offiziell erstmals eingesetzt – beim französischen Grand Prix in Magny-Cours. Es war damals eine spontane Entscheidung der FIA. Und weil kein anderes Fahrzeug verfügbar war, wurde kurzerhand der private Mercedes C 36 AMG des damaligen ITC-Rennfahrers Bernd Mayländer (55) zum ersten Safety-Car der F1 umfunktioniert. Für die Saison 1997 wurden dann bei Mercedes fix zwei Fahrzeuge bestellt. Und als es im Frühling 1999 darum ging, wer das Safety-Car professionell fahren könnte, erinnerte sich der damalige Renndirektor Charlie Whiting (1952–2019) wieder an den deutschen Rennfahrer Bernd Mayländer.
«Ich war damals beim F1-Rennen in Imola im Fahrerlager und erhielt einen Anruf von Rennfunktionär Herbie Blash», erinnert sich Mayländer. «Er und Charlie Whiting schätzten mich als Rennfahrer und fragten, ob ich als neutraler Pilot nicht ab sofort das Safety-Car fahren möchte. Erst in der Formel 3000, ab folgender Saison dann auch in der Formel 1.» Mayländer überlegte kurz, ob sich das mit seinen eigenen Rennterminen vereinbaren lässt, und sagte dann per Handschlag zu. Ohne nach dem Honorar zu fragen. «Diese Vereinbarung galt immer fürs nächste Jahr», erinnert sich Mayländer lachend, «erst nach über zehn Jahren habe ich dann einen schriftlichen Vertrag bekommen.»
Ersatzfahrer Marcel Fässler
Seit seinem offiziellen Dienstauftakt im März 2000 in Australien – im 350 PS starken Mercedes CL 55 AMG – sitzt der heute 55-jährige Schwabe zwischen März und November an jedem F1-Wochenende am Steuer seines Safety-Cars. Und er fehlte in den knapp drei Jahrzehnten nur bei vier der rund 400 F1-Rennen. «Als die Ferse zwickte und die Lunge schwächelte, sprang mein Freund und Rennkollege Marcel Fässler ein.» Einen offiziellen Ersatzfahrer fürs F1-Safety-Car gibts nicht. Wenn Mayländer mal ausfallen sollte, regle er das mit seinem Schweizer Kollegen Fässler (50), erklärt er lächelnd.
F1-Safety-Car: 14 verschiedene Modelle in 30 Jahren
Im letzten Jahr wurde beim F1-GP der USA in Austin der 500. Einsatz eines Safety-Cars gefeiert. In der inzwischen 30-jährigen Ära von 1996 bis zum GP von letzter Woche in Spa (B) kamen in der Formel 1 insgesamt 13 unterschiedliche Modelle als offizielle Safety-Cars zum Einsatz. Das erste, offiziell von Mercedes gelieferte Safety-Car war ab März 2000 ein CL 55 AMG. Von 2022 bis letzten Sonntag war ein Mercedes-AMG GT Black Series das offizielle Safety-Car. Jetzt, zum 30-Jahr-Jubiläum, gibts ein neues 14. Modell: den Mercedes-AMG GT 63 Pro 4Matic+. Sie übernehmen ihre Aufgaben nicht nur in der F1, sondern auch in der F2, der F3 sowie in weiteren Nachwuchs- und Rahmen-Rennserien. Mercedes-AMG stellt insgesamt drei Safety-Cars sowie zwei Medical-Cars. Bei jedem Rennwochenende sind jeweils zwei dieser Fahrzeuge einsatzbereit vor Ort. Die Wartung der Fahrzeuge erfolgt bei Mercedes-AMG. Die technische Betreuung an den Strecken übernimmt ebenfalls ein Team aus dem AMG-Hauptsitz Affalterbach.
Fährt das Safety-Car raus, gilt für die F1-Boliden dahinter striktes Überholverbot.
Lukas Gorys
Im letzten Jahr wurde beim F1-GP der USA in Austin der 500. Einsatz eines Safety-Cars gefeiert. In der inzwischen 30-jährigen Ära von 1996 bis zum GP von letzter Woche in Spa (B) kamen in der Formel 1 insgesamt 13 unterschiedliche Modelle als offizielle Safety-Cars zum Einsatz. Das erste, offiziell von Mercedes gelieferte Safety-Car war ab März 2000 ein CL 55 AMG. Von 2022 bis letzten Sonntag war ein Mercedes-AMG GT Black Series das offizielle Safety-Car. Jetzt, zum 30-Jahr-Jubiläum, gibts ein neues 14. Modell: den Mercedes-AMG GT 63 Pro 4Matic+. Sie übernehmen ihre Aufgaben nicht nur in der F1, sondern auch in der F2, der F3 sowie in weiteren Nachwuchs- und Rahmen-Rennserien. Mercedes-AMG stellt insgesamt drei Safety-Cars sowie zwei Medical-Cars. Bei jedem Rennwochenende sind jeweils zwei dieser Fahrzeuge einsatzbereit vor Ort. Die Wartung der Fahrzeuge erfolgt bei Mercedes-AMG. Die technische Betreuung an den Strecken übernimmt ebenfalls ein Team aus dem AMG-Hauptsitz Affalterbach.
Die F1-Rennfahrer schätzen Bernd Mayländer. Man kennt sich schliesslich seit Jahren und fachsimpelt am Freitag und Samstag bei Fahrerbesprechungen und abseits der Rennstrecke über neue Curbs, geänderte Kurven und den frisch aufgetragenen Fahrbahnbelag. Und trotzdem: Wenn das Safety-Car während eines Rennens auf die Strecke einbiegt und das Feld wieder zusammenführt, bringt dies häufig Freud und Leid für die Rennfahrer. Zuvor hoffnungslos zurückliegende Piloten wittern plötzlich wieder eine Chance. Ein klar an der Spitze Liegender sieht sich dagegen plötzlich seines sicher geglaubten Vorsprungs beraubt.
Kühle Reifen trotz heisser Runden
Fahren die Piloten dann im Corso oft rundenlang hinter dem Safety-Car her, steigen der Ärger und die Ungeduld der Rennfahrer schon mal. Das ist heute bei Lewis Hamilton oder Kimi Antonelli (19) so, war aber schon zu Zeiten eines Michael Schumacher (57) oder Kimi Räikkönen (46) nicht anders. Bummelt das Safety-Car, kühlen die Rennreifen ab. Der Grip schwindet. Die Piloten fluchen am Funk. Dabei fährt Mayländer in seinem AMG GT R ohnehin schon am Limit.
Im Gegensatz zu den hochgezüchteten F1-Boliden ist sein Safety-Car nämlich «nur» ein Auto im Serientrimm – zwar mit 730 PS, aber mit Strassenreifen und ausgeschaltetem ESP. «In kleineren Rennserien gibt man im Safety-Car vielleicht rund 70 Prozent», erklärt der routinierte Safety-Car-Pilot. «Doch in der Formel 1 bin ich stets mit über 90 Prozent unterwegs. Und trotzdem fordern alle hinter mir, dass ich noch schneller fahren soll, damit ihre Reifen nicht zu kalt werden.»