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2000 Bewerbungen geschrieben: IT-Experte wartet seit sechs Monaten auf Bürgergeld

Stand: 11.07.2026, 21:15 Uhr

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Martin Wiesner hat mehrfach E-Mails an das Jobcenter geschrieben.

Martin Wiesner hat mehrfach E-Mails an das Jobcenter geschrieben. Doch Geld fließt auch nach sieben Monaten noch nicht. © Markus Götzfried

Martin Wiesner stellte im Januar einen Antrag beim Jobcenter am Mariahilfplatz. Im Mai hieß es, es lägen keine Daten von ihm im System vor.

Taufkirchen – Ein Unglück kommt selten allein – heißt es im Volksmund. Dieser Spruch scheint Martin Wiesner wie auf den Leib geschrieben. Der 61-Jährige wurde erst arbeitslos, vor einem halben Jahr folgte die Trennung von seiner Partnerin. „Zum Jahreswechsel hat uns meine Frau rausgeworfen. Die beiden größten Esser.“ Gemeint sind er selbst und Hund Arthur. Untergekommen ist er in einem Eckchen im Wohnzimmer seines Vaters in Taufkirchen. „Das ist für meinen Hund und mich jetzt unser Zuhause“, berichtet Wiesner. „Mein Vater ist vergangenes Jahr im Gebirge gestürzt und kam nach einem Klinikmarathon in ein Pflegeheim bei Taufkirchen. Dort besuche ich ihn täglich und kümmere mich um seine Wohnung.“

Hund Arthur will auch gefüttert werden

Hund Arthur will gefüttert werden. © Wiesner

Seit mittlerweile sieben Jahren versucht er, einen neuen Job zu bekommen. Bis 2019 war Wiesner im IT-Support tätig, „aber die Firma Oracle verlagerte ihren Support an günstigere Standorte“. Seitdem hat Wiesner 2000 Bewerbungen geschrieben und so manches ausprobiert. Partallel machte er sich mit japanischer Schitzkunst selbstständig, aber so richtig gut lief das auch nicht.

Ich lebe von dem, was mein Vater mir zusteckt

Im Januar wollte er sich von Landshut auf das für Taufkirchen zuständige Jobcenter des Landratsamtes am Münchner Mariahilfplatz ummelden. Wer denkt, in Zeiten von gewünschtem Bürokratieabbau liefe das mit einer Datenübernahme, irrt. „Anfang Januar habe ich den Antrag online gestellt und auch eine Bestätigung der E-Mail bekommen. Dann passierte erst mal drei Wochen nichts. Auf meine telefonische Anfrage hieß es, es läge kein Antrag vor.“

Wie sich ungewöhnlicher München-Fall darstellt

Woran das lag, lässt sich nicht zweifelsfrei nachvollziehen. „Am 29. Januar bin ich dann persönlich zum Jobcenter am Mariahilfplatz gegangen. Da war mein Geld bereits zu Ende und mein Konto gesperrt, weil ich es zu sehr überzogen hatte. Dort sind mein Personalausweis und meine EC-Karten gescannt und verschiedene Daten aufgenommen worden.“ Es hieß, die Bearbeitung würde etwa drei Monate dauern.

Im Mai fragte er per E-Mail nach dem Bearbeitungsstand. Da hieß es, es lägen keine Daten von ihm im System vor und auch keine Bearbeitungsnummer. Martin Wiesner lebt von dem, was Nachbarn und der Vater ihm zustecken. Verzweifelt wendet er sich an uns und wir fragen beim Jobcenter des Landratsamtes nach. Nach unserer Anfrage kommt etwas Tempo in die Angelegenheit und schnell wird deutlich, dass auf beiden Seiten Missverständnisse vorliegen.

Man antwortet uns allgemein, zur Bearbeitung eines Antrags müssten Nachweise wie ein Mietvertrag oder eine bestehende Krankenversicherung vorliegen. Wir ahnen, wo die Haken bei Martin Wiesner liegen könnten: Er schläft in der Wohnung seines Vaters und hat keinen Mietvertrag. Weiter heißt es: „Die Bearbeitung einzelner Anträge kann jedoch (...) längere Zeit in Anspruch nehmen, wenn etwa Unterlagen oder Informationen nachgefordert werden müssen.“

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Nach einem neuerlichen Antrag werden Unterlagen nachgefordert, die er nach eigenen Aussagen schon eingereicht hat. Das betrifft unter anderem eine Krankenkassenbescheinigung über den Basistarif oder Kontoauszüge (Kopien liegen der Redaktion vor). Inzwischen ist es Juli und Martin Wiesner lebt von der Hand in den Mund. Zwar könnte er – theoretisch – einen Vorschuss beantragen, aber das ist nur möglich, wenn absehbar ist, „dass ein Anspruch auf Grundsicherung bestehen wird“. Da beißt sich die Katze (bzw. in diesem Fall der Hund) in den Schwanz.