Drei Nutzer verklagen Apple, nachdem sie durch eine gefälschte Bitcoin-Wallet-App im App Store Kryptowährungen im Wert von rund 1,8 Millionen US-Dollar verloren haben sollen. Sie werfen dem Unternehmen vor, irreführend mit der Sicherheit des App Stores zu werben und betrügerische Anwendungen trotz Hinweisen nicht zu entfernen.
Eine App, die es offiziell gar nicht für iOS gibt
Die Klage wurde laut einem Bericht von MacRumors vor einem Bundesgericht im US-Bundesstaat Kalifornien eingereicht. Die drei Kläger werfen Apple darin unter anderem Verstöße gegen das kalifornische Verbraucherschutzrecht (Consumers Legal Remedies Act) sowie weitere Gesetze vor. Im Mittelpunkt der rechtlichen Auseinandersetzung steht eine gefälschte Version der Bitcoin-Wallet „Sparrow Wallet“, die über den App Store für iOS angeboten wurde. Die echte Sparrow Wallet ist allerdings ausschließlich für Desktop-Systeme unter Windows, macOS und Linux verfügbar und war zu keinem Zeitpunkt für iPhone oder iPad erhältlich. Die Betrüger veröffentlichten somit eine täuschend echt wirkende Nachbildung im App Store, über die Nutzer ihre Wallet-Zugangsdaten eingeben sollten und dadurch die Kontrolle über ihre Kryptowährungen verloren.
Entwickler will helfen und bekommt das Konto gesperrt
In der Klageschrift wird Apple außerdem vorgeworfen, auf Hinweise der Kläger zu den betrügerischen Absichten der App unzureichend reagiert zu haben. Trotz mehrfacher Meldungen soll die Anwendung weiterhin im App Store verfügbar gewesen sein. Unterstützung erhalten diese Vorwürfe durch frühere Aussagen des Sparrow-Wallet-Entwicklers Craig Raw. Dieser hatte bereits Anfang 2024 mehrfach in sozialen Medien erklärt, dass trotz wiederholter Meldungen weiterhin eine betrügerische Sparrow-Wallet-App im App Store angeboten werde.
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X-Embeds laden
There is still a scam ‘Sparrow Wallet’ app on the @Apple App Store, despite myself and others having reported it weeks ago.
Worse, you have to install it to report it.
Always go to the wallet’s website to find the link to download it. App stores will not protect you.
— Craig Raw 🐦 (@craigraw) January 6, 2024
Daraufhin versuchte Raw nach eigenen Angaben, Nutzer mit einer sogenannten „Platzhalter-App“ vor dem Betrug zu warnen. Diese sollte darauf hinweisen, dass Sparrow Wallet ausschließlich als Desktop-Anwendung existiert. Apple wertete die Einreichung zunächst jedoch als „unehrliche Aktivität“ und leitete die Sperrung seines Entwicklerkontos ein. Diese Entscheidung wurde später allerdings wieder von Apple revidiert.
Insgesamt 1,8 Millionen US-Dollar gestohlen
Die Kläger James Ramirez, Christopher Ellis und Jalen Delgado sollen laut Klageschrift zwischen Mai und August 2025 über die betrügerische App Bitcoin im Wert von rund 875.000, 840.000 beziehungsweise 120.000 US-Dollar verloren haben. Nach Darstellung der Kläger vertrauten sie auf die Echtheit der Anwendung und insbesondere darauf, dass Apple den App Store seit Jahren als sicheren und vertrauenswürdigen Ort für den Download von Apps bewirbt. Dieses Vertrauen habe ihrer Meinung nach letztlich den Betrug ermöglicht. Unmittelbar nach der Eingabe ihrer Zugangsdaten sollen die Bitcoin-Bestände vollständig auf Wallets der Betrüger übertragen worden sein. Die Kläger fordern nun Schadenersatz sowie die Erstattung sämtlicher durch die betrügerische Anwendung verlorenen Kryptowährungen.
Apple sieht Situation anders
Apple wies in einer Stellungnahme sämtliche Vorwürfe zurück. Gleichzeitig erklärte das Unternehmen, alle bekannten Apps, die sich als Sparrow Wallet ausgaben, aus dem App Store entfernt und die zugehörigen Entwicklerkonten dauerhaft gesperrt zu haben. Darüber hinaus verweist Apple darauf, dass Entwickler mutmaßliche Verletzungen ihrer Marken- oder Urheberrechte über ein spezielles Formular an die Rechtsabteilung melden können. Gleiches gelte für Nutzer, die betrügerische Apps oder Betrugsversuche direkt melden können. Nach Angaben des Unternehmens werde bei Verstößen gegen die App-Store-Richtlinien umgehend gehandelt. So sollen im Jahr 2025 rund 193.000 Entwicklerkonten wegen Betrugsverdachts geschlossen und potenziell betrügerische Transaktionen im Wert von mehr als 2,2 Milliarden US-Dollar verhindert worden sein.