Stand: 22.07.2026, 06:20 Uhr
Kommentare
Uns auf Google folgen
Russische Militärblogger widersprechen Moskau: Die M-14 zur Krim bleibt unter Drohnenbeschuss.
Moskau – Der Krieg in der Ukraine verlagert sich nach Einschätzung von Analysten immer stärker auf Nachschubwege, Energieanlagen und andere Ziele weit hinter der Front. Besonders umkämpft ist die Verbindung zwischen Russland und der besetzten Krim, wie das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) berichtet.
Content-Partnerschaft
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.
Russische Stellen erklären die wichtigste Landroute M-14 für besser geschützt – doch Militärblogger widersprechen. Auslöser des Streits war ein Treffen von Kremlchef Wladimir Putin mit dem von Russland eingesetzten Besatzungsgouverneur der Region Saporischschja, Jewgeni Balizki.

Russische Militärblogger widersprechen Moskau: Die M-14 zur Krim bleibt unter Drohnenbeschuss. © © IMAGO / ITAR-TASS / SymbolbildDieser sprach der Analyse zufolge von „vollständiger Kontrolle“ über die Straße, die von russischer Seite auch R-280 genannt wird. Zudem seien Energieanlagen gegen ukrainische Angriffe gesichert. Russische Militärblogger widersprachen. Ein Blogger bezeichnete die Angaben als falsch und verwies auf steigende Versicherungsprämien für Fahrzeuge, die Treibstoff auf die Krim bringen.
Weniger Verkehr statt besserer Abwehr
Ein kremlnaher Militärblogger erklärte dem ISW zufolge, ukrainische Drohnen hätten zuletzt zwar weniger Fahrzeuge auf der M-14 getroffen, der Grund sei aber nicht eine wirksamere russische Luftabwehr. Vielmehr seien wegen der Angriffsgefahr deutlich weniger Fahrzeuge unterwegs. Der Verkehr ging stark zurück.
Das ISW dokumentierte zwischen dem 1. und 20. Juli mindestens vier ukrainische Angriffe entlang der Route. Bereits im Mai und Juni hatte die Ukraine die Verbindung wiederholt attackiert.
Nach Einschätzung des Instituts zwingt die Kampagne Russland dazu, Soldaten, Drohnenteams und Abfangdrohnen für den Schutz der Straße einzusetzen. Die Verbindung zur Krim sei dadurch zumindest teilweise beeinträchtigt.
Front bleibt festgefahren
Geländegewinne blieben aus. Russische Truppen griffen am 20. Juli unter anderem bei Sumy, Charkiw, Kupjansk, Slowjansk, Kostjantyniwka und Pokrowsk an, rückten laut ISW aber nicht nachweislich vor. Ukrainische Einheiten setzten zugleich ihre Angriffe auf russische Logistik und Luftabwehr fort.
In der Region Moskau trafen Drohnen ein Warenlager und ein Öldepot. In der Region Krasnodar wurden nach ukrainischen Angaben sechs russische Luftabwehrsysteme angegriffen.
Auch Russland setzte seine Langstreckenangriffe fort. In der Nacht zum 20. Juli startete das russische Militär zwei Lenkflugkörper und 94 Drohnen. Die ukrainische Luftwaffe meldete 81 abgeschossene Drohnen. Weitere Geschosse trafen Wohnhäuser, Industrie-, Energie- und Verkehrsanlagen in mehreren Regionen.
Die UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission zählte im Juni mindestens 293 getötete und 1.990 verletzte Zivilisten. Das war der höchste Monatswert seit April 2022. Langstreckenangriffe verursachten demnach rund 45 Prozent dieser Opfer. Seit Jahresbeginn seien dadurch 1.396 Menschen getötet und 7.978 verletzt worden. Nahe der Front verursachten russische Kurzstreckendrohnen im Juni so viele zivile Opfer wie nie zuvor.
Quellen: Institute for the Study of War (ISW), UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission in der Ukraine, ukrainische Luftwaffe, nif/red.