everyschematic.com

Ukraine verhaftet Kommandeur von berüchtigter Brigade – Zivilisten nach Streit mit seiner Ehefrau tot

Stand: 13.07.2026, 22:11 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Mitglieder der berüchtigten, ukrainischen Brigade „Anna von Kijw“ sollen ein Brüderpaar entführt und ermordet haben – wohl in Auftrag ihres Kommandeurs.

Kiew – Der Skandal um eine Elite-Einheit erschüttert die Ukraine. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 2026 brachen bewaffnete Männer in das Haus der Brüder Maksym und Roman Moseitschuk im Dorf Kalyniwka nahe Kiew ein. Sie zerrten die beiden aus ihren Betten, verschleppten sie in die Region Poltawa – und töteten sie wohl dort. Ihr Vater war zuvor als Soldat an der Front gefallen, Maksym selbst war ebenfalls ehemaliger Soldat.

Insgesamt zehn Verhaftungen meldete die Nationalpolizei der Ukraine im Fall der ermordeten Brüder aus Kiew – alle Festgenommenen stehen in Verbindung zur Brigade „Anna von Kyjiw“.

Insgesamt zehn Verhaftungen meldete die Nationalpolizei der Ukraine im Fall der ermordeten Brüder aus Kiew – alle Festgenommenen stehen in Verbindung zur Brigade „Anna von Kyjiw“. © Nationalpolizei der Ukraine

Die mutmaßlichen Täter: Angehörige der 155. Separaten Mechanisierten Brigade der ukrainischen Armee.

Verhaftung in Kiew: Ukrainischer Offizier soll Ermordung von Zivilisten beauftragt haben

Der Verdacht richtet sich auch gegen ihren damaligen Kommandeur, Oberstleutnant Stanislav Luchanov. Nachdem neun seiner Soldaten im Laufe der Ermittlungen festgenommen worden waren, verschwand er. Er wechselte seinen Aufenthaltsort, schaltete seine Handys aus und mied sein gewohntes Umfeld. Wochenlang konnten Ermittler seinen Aufenthaltsort nicht bestimmen, wie Slidstwо.Info aus Ermittlerkreisen erfuhr.

Am 13. Juli war die Flucht vorbei. Polizisten griffen Luchanov im Kiewer Stadtteil Podil auf – er saß gemeinsam mit seiner Frau in einem Auto seines Schwiegervaters, auf dem Weg zu einem Anwaltsgespräch. Serhij Bolwinow, Leiter der Ermittlungsabteilung der Gebietspolizei, erklärte: „Die Ausreise ins Ausland wurde ihm sofort gesperrt. Er versteckte sich in Kiew. Aber schließlich haben wir ihn in Podil festgenommen – dort hatte er ein Treffen.“

Brüder stritten sich mit Ehefrau von Luchanov – am Tag darauf waren sie verschwunden

Laut Berichten ukrainischer Medien, darunter dem Kyiv Independent, soll hinter dem Verbrechen ein persönlicher Konflikt stecken: Luchanov soll Untergebene angewiesen haben, Männer zu entführen, die er mit einem Streit um seine Ehefrau in Verbindung brachte.

Der Streit trug sich laut Nationalpolizei am 2. Juli zu. Demnach hatte sich Luchanovs Ehefrau bei den Brüdern beschwert, weil diese laut Musik spielten und mit ihren Motorrädern fuhren. Es entstand ein verbaler Konflikt. Später soll Luchanov von den jungen Männern eine Entschuldigung bei seiner Ehefrau verlangt haben – sie weigerten sich wohl. Am folgenden Tag ging die Vermisstenanzeige bei der Polizei ein. Die Leichen der Brüder wurden am 9. Juli entdeckt, ein verhafteter Militäroffizier hatte der Polizei den Ort genannt.

Skandal um Elite-Brigade „Anna von Kyjiw“: Selenskyj fordert lückenlose Aufklärung

Insgesamt nahm die Nationalpolizei in dem Fall bislang zehn Personen fest. Präsident Wolodymyr Selenskyj gab die Verhaftung Luchanovs bei seinem Besuch in Paris bekannt, wo er mit rund zwei Dutzend Staats- und Regierungschefs über die weitere Unterstützung der Ukraine beriet. Auf X schrieb er: „Dieser Fall geht über einen einzelnen Ort oder die Region Kiew hinaus. Es ist für das ganze Land wichtig, die vollständige Wahrheit herauszufinden und alle Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“ Innenminister Ihor Klymenko erklärte, es sei inakzeptabel, „Konflikte mit Methoden nach Gangster-Art“ zu lösen.

Die 155. Brigade – auch „Anna von Kyjiw“ genannt – war bereits zuvor tief in Krisen verstrickt. Ursprünglich als Vorzeigeprojekt der ukrainischen Militärmodernisierung mit Unterstützung Frankreichs aufgebaut, erschütterten sie Berichte über organisatorisches Chaos, Ausrüstungsmängel und mehr als 1500 geflohene Soldaten – die meisten noch vor ihrem Fronteinsatz. Ihr früherer Kommandeur Dmytro Rjumschyn wurde im Januar 2025 festgenommen, weil er nicht gegen die Desertionen vorgegangen sein soll. Luchanov übernahm das Kommando erst im Februar 2026. (Quellen: Zaxid.net, Kyiv Independent, Nationalpolizei der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj auf X) (moe)