Europazentrale des World Liberty Congress
Iranische Dissidentin leitet neues Zentrum für Demokratie-Aktivisten
Neda Soltani (Quelle: rbb/Fynn Dresler)
Von
Fynn Dresler
"Wir machen Lobbyarbeit für Freiheit und wir setzen uns für Demokratie ein", das ist Neda Soltanis Mission. Die 49-jährige gebürtige Iranerin leitet seit Montag das europäische Hauptquartier des World Liberty Congress in Berlin-Mitte. Das Netzwerk ist nach eigenen Angaben die größte Allianz von Demokratie-Aktivisten und Freiheitsbewegungen aus autoritär regierten Staaten. Ihr gehören mehr als 200 Dissidenten aus mehr als 60 autokratisch regierten Staaten an. "Für uns ist der Kampf für die Freiheit Alltag", so Soltani, die selbst aus einem totalitären Regime fliehen musste.
"Berlin Freedom Week" im November
Die Hauptstadt sei für den World Liberty Congress ein wichtiger Standort, zumal im Rahmen des Mauerfall-Jubiläums vom 7. bis 14. November zum zweiten Mal die "Berlin Freedom Week" stattfinden wird. Einer der Höhepunkte werde die "Berlin Freedom Conference" am 10. November sein. Dissidenten aus über 50 autokratisch regierten Ländern kommen dafür in Berlin zusammen und sprechen über Menschenrechte, Freiheit und Demokratie.
Denn auch wenn sie aus ihren Heimatländern entkommen sind, höre die Bedrohung hier nicht auf: "Mordversuche, Morddrohungen. Komische Telefonate, wo gesagt wird: Wir wissen, wo du bist, wir wissen, wo du lebst, wir wissen, wo du arbeitest", das sei für Dissidenten auch hier in Berlin laut Soltani Realität.
Seit 2009 in Deutschland
Bis 2009 lebte die heute 49-jährige Neda Soltani im Iran. Während der Proteste der "Grünen Bewegung" gegen die Wiederwahl des damaligen Präsidenten wurde die Literaturdozentin unfreiwillig zum Gesicht der Bewegung: Nach der Tötung einer Demonstrantin, die ihr ähnlich sah, verbreitete sich Soltanis Facebook-Profilbild weltweit. Das Regime nutzte die Verwechslung, um das Video als westliche Propaganda darzustellen.
Weil sie sich weigerte zu lügen, geriet Soltani unter Druck der Geheimpolizei. Schließlich floh sie nach Deutschland und erhielt politisches Asyl. Heute lebt sie mit ihrem Kind in Berlin. Neben ihrer Arbeit beim World Liberty Congress arbeitet sie an der Humboldt Universität, wo sie verfolgte Wissenschaftler mit dem Programm "Scholars-at-risk" unterstützt.
Sendung: rbb24 Inforadio, 27.07.2026, 15:10 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 27.07.2026, Fynn Dresler
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