Tourreporter
Ausreißer Baptiste Veistroffer
"Das Wildschwein" tut es für die Schönheit des Radsports
Stand: 16.07.2026 • 20:56 Uhr
Zum dritten Mal gehört der Franzose Baptiste Veistroffer bei einer Flachetappe zu den Ausreißern. Er weiß, dass er so gut wie keine Chance hat, aber er genießt, was er tut.
Als das Rennen 30 Kilometer vor dem Ziel in Chalon-sur-Saône explodierte, war Baptiste Veistroffer schon weit weg vom Zentrum des Geschehens. Mit 7.46 Minuten Rückstand beendete er die 12. Etappe der Tour de France, dennoch bog er direkt hinter dem Zielstrich links ab Richtung Podium, wo er mit dem Tagessieger Tim Merlier und dem großen Tour-Dominator Tadej Pogacar zusammentraf.
Auch Veistroffer hatte in Chalon-sur-Saône wieder seinen großen Auftritt auf dem Tour-Podium. Zum dritten Mal schon wurde er als kämpferischster Fahrer ausgezeichnet, zum dritten Mal auf einer Flachetappe, die auch diesmal wie erwartet in einem Massensprint endete. "Man wird es einfach nicht leid. Es ist immer eine Ehre", sagte Veistroffer später: "Das bei der Tour de France schaffen zu können, ist der Traum jedes kleinen Jungen."
Auf Instagram wird Veistroffer poetisch
Diesen Traum hat er sich nun schon zum dritten Mal erfüllt. Wieder hatte er zu den Ausreißern des Tages gehört, erst alleine, dann mit drei Begleitern und schließlich wieder alleine bis rund 33 Kilometer vor dem Ziel. "Naja", sagte er später, "es war die letzte Chance für die Sprinter, da kann man das verstehen."
Veistroffer hatte sich schon auf der 5. Etappe nach Pau, der ersten Sprintetappe, unmittelbar nach dem scharfen Start auf den Weg gemacht und verbrachte 156 Kilometer als Solist vor dem Feld. Danach schwärmte er von den geschmückten Dörfern, den picknickenden Menschen am Straßenrand und dem Jubel der Fans: "Für einen Franzosen gibt es nichts Schöneres als bei der Tour de France durch Frankreich zu fahren."
Baptiste Veistroffer
Auf der 7. Etappe nach Bordeaux hatte Veistroffer immerhin einen Begleiter dabei. Und wurde danach auf seinem Instragram-Kanal geradezu poetisch, als er dort postete: "Um der Schönheit des Sports und die Schönheit der Anstrengung willen."
Der moderne Radsport lässt kaum noch Überraschungen zu
In der Tat müssen die Tour-Organisatoren und das Publikum jemandem wie Veistroffer dankbar sein, dass er das Rennen zumindest animiert. 418 Kilometer hat er bereits vor dem Feld verbracht. Obwohl der moderne Radsport kaum noch Raum lässt für Außenseiter. Anders als früher wird Ausreißern im Flachen meist kein großer Spielraum eingeräumt. Es ist effizienter, den Abstand auf geringem Niveau zu halten, als einer Fluchtgruppe mehr Zeit einzuräumen und sie später mit größerem Aufwand wieder zurückzuholen.
Zudem haben immer mehr Teams auf Flachetappen kein großes Interesse daran, Ausreißergruppen zu bestücken. Selbst ein Team wie die spanische Equipe Caja Rural, das mit einer Wild Card bei der Tour startet, was früher der Aufforderrung gleichkam vorne rauszufahren, hat mit Fernando Gaviria einen Sprinter dabei, der schon zwei Tour-Etappensiege in seinen Palmarès stehen hat.
Es zählt das Vorankommen, nicht das Resultat
Veistroffer stürzt sich dennoch beherzt in diese eigentlich aussichtslosen Fluchten, bei denen die Ausreißer von den Sprinterteams an der kurzen Leine gehalten werden und mit großer Präzision rechtzeitig eingesammelt werden. Natürlich weiß er das alles. "Im Radsport, in dem die führenden Teams alles dominieren und bis auf den Millimeter kontrollieren, schließt das viele Türen. Aber man muss immer daran glauben", erklärte er: "Was mich glücklich macht, ist das Vorankommen, nicht das Resultat selbst."
Der 26 Jahre alte Radprofi vom Team Lotto-Intermarché stammt aus der Normandie. Er hat ursprünglich als Triathlet angefangen, sich dann aber während der Corona-Pandemie ganz auf den Radsport fokussiert. Veistroffer wird aufgrund seiner kräftigen Statur und seiner agressiven Fahrweise "le sanglier" - das Wilschwein - genannt.
Veistroffer weiß nicht, was er tun soll
"Ja, ich fahre immer so. Bei allen Rennen, die ich bisher gefahren bin, war ich immer sehr aggressiv, und ich versuche auch gerne, ganz vorne mitzufahren", meinte er in Chalon-sur-Saône: "Und da haben wir es, das hat sich ausgezahlt. Aber ich hätte auch gerne ein gutes Ergebnis."
Daraus wird bei dieser Tour nun wohl nichts mehr. Die zweite Hälfte der Tour führt nun durch ein Terrain, für das ein klassischer Barodeur wie er nicht gebaut ist. "Das war heute meine letzte Chance, ein gutes Resultat einzufahren", sagt er nach der 12. Etappe.
Aber dann ist da natürlich noch der "Prix Super Combatif", der Preis für den kämpferischsten Fahrer der Tour de France, der auf dem großen Podium in Paris vergeben wird. "Viele Leute sprechen mich darauf an", sagte Veistroffer: "Ich weiß nicht, was ich tun soll, ich weiß nicht, wie das funktioniert, aber ich bin schon sehr zufrieden mit meiner Tour bisher."