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So viele Tassen Kaffee am Tag sind laut American Heart Association gesund

Wie viel Kaffee ist gut fürs Herz? Die American Heart Association liefert eine klare Antwort

Stand: 21.07.2026, 17:57 Uhr

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Becher mit Kaffee und Herzmuster im Milchschaum.

Kaffee kann die Herzgesundheit sogar fördern – bei einem bestimmten Verzehrmenge. © picture alliance/dpa | Michael Brandt

Die American Heart Association hat die Forschung zum Thema Kaffee und Herzgesundheit ausgewertet – mit einer klaren Empfehlung zur Tagesdosis.

Millionen Menschen starten den Tag nicht ohne ihn: Kaffee ist das meistkonsumierte koffeinhaltige Getränk der Welt – und seit Jahrzehnten Gegenstand kontroverser Debatten. Ist er gut fürs Herz oder schlecht? Schützt er die Gefäße oder belastet er sie? Die American Heart Association (AHA) hat nun in einer umfassenden wissenschaftlichen Stellungnahme eine klare Botschaft formuliert – und räumt dabei mit einigen hartnäckigen Mythen auf.

Was hat die American Heart Association untersucht?

Die AHA hat für ihre wissenschaftliche Stellungnahme „Caffeine and Cardiovascular Disease“ die aktuellste verfügbare Forschungsliteratur zu Koffein und Herz-Kreislauf-Gesundheit systematisch ausgewertet. Das Statement wurde im renommierten AHA-Fachjournal Circulation veröffentlicht.

Die Analyse umfasst Studien zu den Auswirkungen von Koffein und Kaffee auf Blutdruck, Cholesterin, Herzrhythmus, koronare Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und weitere kardiovaskuläre Erkrankungen sowie auf Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes. Federführend war Gregory Marcus, Kardiologe an der University of California San Francisco und Vorsitzender der AHA-Autorengruppe.

Was macht Koffein im Körper – und was bedeutet das fürs Herz?

Koffein ist pharmakologisch gesehen eine psychoaktive Substanz. Es blockiert im Gehirn die Adenosin-Rezeptoren – jene Andockstellen, die normalerweise Müdigkeit und Entspannung signalisieren. Dadurch bleiben wir wacher, konzentrierter und leistungsfähiger. Gleichzeitig aktiviert Koffein das sympathische Nervensystem: Herzfrequenz und Blutdruck steigen kurzfristig an, die Blutgefäße ziehen sich leicht zusammen.

Klingt erstmal bedenklich, ist es bei moderatem Konsum aber offenbar nicht. Denn der Körper gewöhnt sich an regelmäßigen Koffeinkonsum. Bei Vieltrinkern fällt der blutdrucksteigernde Effekt deutlich geringer aus als bei Gelegenheitskonsumenten. Zudem enthält Kaffee weit mehr als nur Koffein: Polyphenole und andere bioaktive Pflanzenstoffe wirken entzündungshemmend und antioxidativ und könnten zu den positiven kardiovaskulären Effekten beitragen, die Beobachtungsstudien immer wieder zeigen.

Die zentrale Erkenntnis: Bis zu fünf Tassen pro Tag gelten als sicher

Die Kernaussage des AHA-Statements: Für die meisten gesunden Erwachsenen ist ein Koffeinkonsum von bis zu 400 Milligramm pro Tag sicher und erhöht das kardiovaskuläre Risiko nicht. Das entspricht etwa fünf Tassen Filterkaffee (je 240 ml) – ohne Zuckerzusätze oder Füllstoffe.

Ferner deuten Daten aus großen Bevölkerungsstudien sogar auf einen schützenden Effekt hin: Wer regelmäßig Kaffee trinkt, hat laut den ausgewerteten Studien tendenziell ein geringeres Risiko für:

Wer von den gesundheitlichen Vorteilen des Kaffees profitieren möchte, sollte ihn möglichst schwarz oder ohne viel Zucker trinken. Zucker, Sirup, Sahne und Milchschaum-Extras verringern laut AHA die potenziellen Gesundheitsvorteile des Kaffees oder kehren sie möglicherweise sogar um. Übrigens: Kaffee kann sich laut Studien auch positiv auf das Demenzrisiko auswirken, das Leben verlängern und die Stimmung verbessern.

Koffein ist nicht gleich Koffein: Warum Energy Drinks ein anderes Risikoprofil haben

Die AHA-Stellungnahme trifft eine wichtige Unterscheidung: Die positiven Befunde beziehen sich auf Kaffee – nicht auf hochkonzentrierte Koffeinquellen wie Energy Drinks oder Energy Shots. Diese können bei gleicher Menge drei- bis viermal so viel Koffein enthalten wie normaler Filterkaffee. Diese sehr hohen Koffeindosen stehen – vor allem in Kombination mit weiteren Inhaltsstoffen wie Taurin – laut AHA in Zusammenhang mit erhöhtem Blutdruck, Herzrhythmusstörungen und potenziell schwerwiegenden kardiovaskulären Schäden. Das gilt auch für junge, ansonsten gesunde Erwachsenen unter 30 Jahren.

Risikogruppen: Wer mit dem Kaffeekonsum vorsichtig sein sollte

Das AHA-Statement gilt ausdrücklich für gesunde Erwachsene. Für bestimmte Gruppen gelten andere Empfehlungen:

  1. Schwangere: Koffein passiert die Plazenta. Die AHA empfiehlt Schwangeren, ihren Konsum deutlich zu reduzieren. Bestehende Leitlinien empfehlen hier maximal 200 mg Koffein täglich.
  2. Menschen mit schwerer Hypertonie: Wer bereits unter stark erhöhtem Blutdruck leidet, sollte bei höherem Koffeinkonsum vorsichtig sein.
  3. Menschen mit Herzrhythmusstörungen: Insbesondere bei ventrikulären Extrasystolen (zusätzlichen Herzschlägen) zeigte Koffein in Studien einen leicht risikoerhöhenden Effekt.

Einschränkungen der Studie und Fazit

Die neue Stellungnahme der Amerikanischen Herzvereinigung ist eine gute Nachricht für die meisten Kaffeetrinkerinnen und -trinker: Bis zu fünf Tassen täglich gelten für gesunde Erwachsene als unbedenklich und könnten dem Herz-Kreislauf-System sogar nützen. Wichtig ist dabei: Den Kaffee schwarz oder wenig gesüßt genießen. Die Effekte von Kaffee sind nicht auf andere Koffein-Getränke wie Energy Drinks übertragbar. Und wer besondere gesundheitliche Risiken mitbringt, sollte seine individuelle Dosis mit einem Arzt besprechen.

Trotz der ermutigenden Datenlage mahnt die AHA zur Vorsicht bei der Interpretation: Der Großteil der ausgewerteten Studien ist observationeller Natur – das heißt, es werden Zusammenhänge beobachtet, keine Ursachen bewiesen. Faktoren wie Ernährung, Bewegung oder sozialer Status könnten die Ergebnisse beeinflussen. Weitere randomisierte, kontrollierte Studien seien hier nötig.