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Warum Smartphones schon bald noch teurer werden

Chipkrise

Warum Smartphones schon bald noch teurer werden

Nach zuletzt rasant gestiegenen Preisen für Speicherchips will nun auch der wichtige Chiphersteller Qualcomm die Preise für seine SoCs deutlich erhöhen

Andreas Proschofsky

Wer sich ein neues Smartphone kaufen will, hat es im Jahr 2026 ziemlich schwer. Die aktuelle Krise rund um Speicherchips hat bei vielen Herstellern die Preise deutlich nach oben gehen lassen. Andere Anbieter verzichten gleich komplett auf einzelne Modellreihen. Doch wer geglaubt hat, dass die Sohle des Jammertals bereits erreicht ist, bekommt nun eine unerfreuliche Prise Realität. Zeigen sich jetzt doch die Nebeneffekte der bisherigen Teuerungen – und führen zu weiteren Teuerungen.

Ein fliederfarbenes, zugeklapptes Falt-Smartphone liegt flach auf der runden Metallschale einer mechanischen Zeigerwaage. Auf der nach oben zeigenden Rückseite befindet sich links oben ein ovales Kameramodul mit zwei großen Kameralinsen und einem kleinen Blitz, während unten rechts dezent gedruckte Prüf- und Entsorgungssymbole zu sehen sind. Im Anschnitt des Bildhintergrunds sind der Messmechanismus der Skala sowie ein weiteres, dunkles Smartphone zu erkennen.
Ganz so teuer wie Gold sind Smartphones noch nicht, die Richtung ist aber rasant.

Es wird noch teurer

Qualcomm hat seine Firmenkunden darauf hingewiesen, dass die Preise für die eigenen Chips ab dem 1. September angehoben werden – im zweistelligen Prozentbereich. Als Grund verweist der Chiphersteller laut Bloomberg darauf, dass man am Ende der eigenen Möglichkeiten angelangt sei, die steigenden Preise der eigenen Zulieferer aufzufangen.

Selbst wenn die Steigerung schlussendlich nur 10 Prozent beträgt, dürfte sich das in weiter steigenden Gerätepreisen manifestieren. Immerhin gehört der SoC (System on a Chip) zu den teuersten Komponenten eines Smartphones, und Qualcomm ist im Android-Umfeld der dominierende Hersteller in diesem Bereich.

Hintergrund

Auslöser der aktuellen Speicherchipkrise ist der massive Ausbau von Rechenzentren für den Betrieb von KI-Systemen. Die RAM- und Flash-Storage-Hersteller haben weitgehend auf diesen Bereich umgesattelt, da es höhere Gewinnmargen einzustreichen gibt als im Consumer-Markt. Das führt aber zu Engpässen und massiv steigenden Preisen für Smartphones, Laptops und Co.

Die Folgen haben sich in den vergangenen Monaten bereits deutlich gezeigt: Selbst große Hersteller wie Samsung mussten ihre Gerätepreise deutlich nach oben korrigieren, auch Apple und Google dürften in den kommenden Wochen folgen.

So hat etwa Google erst vor wenigen Tagen gegenüber 9to5Google indirekt bestätigt, dass die nächste Pixel-Generation teurer wird, und dabei auf die RAM-Krise verwiesen. Selbst die Möglichkeit, dass bei einzelnen Modellen die RAM-Ausstattung reduziert wird, steht im Raum.

Ausblick

Wer darauf hofft, dass sich die Situation bald wieder dreht, dürfte damit leider falschliegen. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass es noch länger brauchen wird, bis es wieder zur Entspannung kommt – jedenfalls sicher nicht mehr heuer und wohl ebenfalls nicht kommendes Jahr.

Dazu passt auch, dass Google sich auf diese neue Realität bereits an anderer Stelle einstellt. So betont das Unternehmen, dass man derzeit mit Hochdruck daran arbeite, den RAM-Verbrauch von Android zu reduzieren. Dem steht allerdings im Weg, dass man immer mehr KI-Systeme lokal am Smartphone laufen lassen will, die bekanntermaßen Unmengen an Arbeitsspeicher verschlingen. Eine gewisse Ironie ist der Situation also nicht abzustreiten.

Relationen

Betont werden muss dabei, dass Firmen wie Samsung, aber auch Google und Apple ohnehin noch sehr privilegiert sind. Durch ihre Marktmacht haben sie ganz andere Verhandlungsmöglichkeiten als kleinere Hersteller. Zudem stellen sie viele der Komponenten selbst her. So verwenden etwa Apple und Google eigene SoCs, sind also nicht von der Qualcomm-Teuerung betroffen. Auch Samsung nutzt bei vielen Geräten selbst entwickelte Chips.

Immer prekärer wird hingegen die Lage für jene Hersteller, die diese Macht nicht haben und ganz von externen Zulieferern abhängig sind. So hat Nothing mittlerweile bestätigt, dass man infolge der RAM-Krise Personal abbauen muss, auch wenn man das im gewohnten Managementsprech lieber als Restrukturierung bezeichnet. Im Vorfeld kursierende Zahlen, die von einem Abbau von 40 Prozent aller Stellen weltweit sprachen, lässt man unkommentiert. Lediglich Gerüchte zum Rückzug aus einzelnen Märkten dementiert das Unternehmen vehement.

Zudem wird es heuer keinen Nachfolger für das CMF Phone 2 Pro geben. Der Grund: Bei den aktuellen Komponentenpreisen wäre es in diesem Preissegment nicht mehr möglich, ein Gerät zu bauen, das ein Fortschritt zum Vorgänger wäre – ohne erheblich teurer zu sein. All das übrigens, obwohl Nothing zu den wenigen Herstellern gehört, die ihre Absätze zuletzt noch signifikant steigern konnten.

Bei der aktuellen Marktentwicklung bleibt zu befürchten, dass das nicht der letzte Abgang sein wird. Die Alternative wäre, dass neue Modelle in vielerlei Hinsicht zu einem Downgrade im Vergleich zu den Vorgängern werden. Für viele wird es da sinnvoller sein, einfach die Zeit auszusitzen und ihr Smartphone länger als geplant zu behalten – was auch die Umwelt freuen dürfte. (Andreas Proschofsky, 28.07.2026)

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