Ukraine legt Russlands Schattenflotte mit Drohnen lahm – Moskau zieht sich auf der Krim wohl zurück
Stand: 28.07.2026, 13:45 Uhr
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Die Ukraine führt eine Drohnenoffensive gegen Russlands Nachschub zur Krim durch. Im Fokus stehen vor allem Tanker, Fähren und die Schattenflotte.
Kiew – Die Ukraine setzt verstärkt auf koordinierte Luft- und Seedrohnen, um Russlands Versorgung der besetzten Krim zu treffen, was auch konkrete, militärische Folgen mit sich bringt. Im Mittelpunkt der Offensive stehen dabei nicht Kriegsschiffe, sondern Tanker, Fähren, Schlepper und Frachter, über die Moskau Treibstoff, Munition und weiteres Kriegsmaterial transportiert. Die Operation trägt den Codenamen „Operation Molachka“ und markiert eine neue Phase der Seekriegsführung.

Ein ukrainischer Soldat startet eine Drohne mit Zielrichtung russischer Stellungen (Symbolbild) © dpa/AP | Evgeniy MaloletkaUkraine-Krieg auf der See: Kiews Truppen legen Moskaus Flotte lahm
Nach Angaben der Kyiv Post wurden so seit Anfang Juli mehr als 170 russische Schiffe im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer angegriffen. Viele davon gehörten zur sogenannten russischen Schattenflotte oder würden für die militärische Versorgung der Krim eingesetzt. Ausgangspunkt der Entwicklung seien die wiederholten ukrainischen Angriffe auf die Krim-Brücke gewesen. Bereits seit 2022 sei die wichtigste Landverbindung zwischen Russland und der annektierten Halbinsel immer wieder beschädigt worden.
Laut der Zeitung ist die Transportkapazität inzwischen massiv eingeschränkt. Während früher bis zu 94 Güterzüge täglich die Brücke überquerten, seien es heute nur noch vier. Auch der Straßenverkehr liegt wohl deutlich unter dem früheren Niveau. Insgesamt werden demnach nur noch weniger als ein Viertel der ursprünglichen Kapazität erreicht. Russland weicht deshalb immer stärker auf den Seeweg aus und verlegt zahlreiche Tanker, Fähren, Schlepper und Lastkähne ins Asowsche Meer.
Der eigentlichen Offensive ist laut ukrainischen Medien eine monatelange Kampagne gegen die russische Luftverteidigung vorausgegangen. Demnach griff die Ukraine zunächst Radarstellungen, Flugplätze, Kommandozentralen sowie Flugabwehrsysteme auf der Krim an. Parallel seien Treibstofflager attackiert worden, wodurch mobile Luftabwehrsysteme immer schwieriger hätten betrieben werden können.
Mit Drohnen: Ukraine versetzt russischer Schattenflotte schwere Schläge – auch auf der Krim
Diese Strategie hat nach Einschätzung ukrainischer Experten große Lücken in der russischen Luftverteidigung geschaffen und den anschließenden Drohnenoffensiven den Weg geebnet. Die ukrainischen Drohnen haben sich laut der Kyiv Post gezielt auf Brückenaufbauten, Maschinenräume und Navigationssysteme konzentriert. Ziel war es dabei nicht, sämtliche Schiffe zu versenken. Stattdessen sollten sie manövrierunfähig gemacht werden. Brennende oder bewegungsunfähige Tanker hätten dadurch Schifffahrtsrouten blockiert und den Nachschub zusätzlich erschwert.
Die Taktik zeigte Wirkung: Die Offensive zwang Russland schließlich dazu, den zivilen und kommerziellen Schiffsverkehr durch die Straße von Kertsch zeitweise einzustellen. Auch der Don-Asowsche-Kanal war betroffen. Der Transport von Treibstoff auf die Krim hat sich dadurch deutlich verlangsamt. Gleichzeitig haben ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien die ohnehin angespannte Versorgungslage zusätzlich verschärft.
Nach Angaben der Kyiv Post ist der Schiffsverkehr im Asowschen Meer inzwischen um rund 70 Prozent zurückgegangen. Um die Ausfälle zu kompensieren, hat Russland verstärkt Autofähren und Lastfähren zwischen dem russischen Festland und der Krim eingesetzt. Doch auch diese seien zunehmend Ziel ukrainischer Drohnen geworden. Mehrere Fähren seien beschädigt worden. Laut der Zeitung sind inzwischen rund 75 Prozent der russischen Fährkapazität in der Straße von Kertsch zerstört oder außer Betrieb gesetzt.
Als wichtigste Folge der Angriffe gilt die Auswirkung auf die russische Militärpräsenz auf der Krim. Demnach hat Russland zunächst Angehörige von Soldaten von der Halbinsel evakuiert. Inzwischen würden, so die Kyiv Post, jedoch nicht mehr zusätzliche Truppen auf die Krim verlegt. Stattdessen beginnt Moskau wohl damit, militärische Einheiten von dort abzuziehen. Nach Einschätzung von Experten zeige dies, wie stark die ukrainischen Angriffe die russischen Nachschublinien inzwischen unter Druck gesetzt hätten.
Ukraine-Krieg: Erneut nächtliche Angriffe auf Moskau
Nicht nur auf der von Russland besetzten Krim, sondern auch in der russischen Hauptstadt Moskau gibt es schwere Angriffe der Ukraine. Die Stadt ist nach Angaben von Bürgermeister Sergej Sobjanin in der Nacht erneut mit mehr als 390 Drohnen angegriffen worden. Die Drohnen hätten Moskau zwischen Montagabend und Dienstagmorgen angesteuert und seien größtenteils von der Luftabwehr „lange vor Erreichen der Stadt neutralisiert“ worden, erklärte Sobjanin im Onlinedienst Telegram. 81 „feindliche“ Drohnen seien zerstört worden, als sie sich Moskau näherten, fügte er hinzu.
Der Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, meldete ebenfalls Drohnenangriffe. Dabei seien Wohnhäuser in der Stadt Tschechow und dem Dorf Waulowo vor den Toren Moskaus beschädigt worden. Später erklärte das russische Verteidigungsministerium jedoch, dass insgesamt 356 ukrainische Drohnen über mehr als einem Dutzend Regionen abgeschossen worden seien, darunter in der Nähe der Hauptstadt. Weder das Verteidigungsministerium noch Sobjanin machten weitere Angaben zu der Abweichung.
Die Angriffe auf Moskau erfolgten wenige Stunden vor einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Washington. Dort empfängt US-Präsident Donald Trump den ukrainischen Staatschef im Weißen Haus. (Quellen: Kyiv Post, AFP. eigene Recherche) (bb)