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Tuchinstallation aus knapp 100 Meter langem Stoff: "Das ist ein krasser Moment! Es schwebt!"

„Ratter, Ratter, Ratter!“ Die Schwebebahn donnert über ihren Kopf hinweg, während Ulrika Eller-Rüter sich am Wupperufer einen Weg durch das Gestrüpp bahnt. Oben auf der Brücke stehen ihre zwei Helferinnen und werfen ihr eine lange Stoffbahn hinunter. Das Stoffband ist einen Meter breit und soll von der Brücke an der Rosenau in Wuppertal Oberbarmen über die Wupper flattern. Es ist ein Teil der insgesamt knapp 100 Meter langen Stoffinstallation.

Die Künstlerin hat einen Traum

Ulrika Eller-Rüter findet eine Stelle am Ufer, wo sie das Stoffband befestigen kann. Es flattert im Wind und glitzert in der Sonne. "Das ist ein krasser Moment! Es schwebt!“, ruft sie außer Atem. Nach monatelanger Planung und Näharbeiten ist die Künstlerin jetzt fast am Ziel: Ein großes XXL-Stoffband aus Stoff zu machen, im öffentlichen Raum, aller Generationen und Kulturen, das war ihr Traum.


Bei der Fertigung des Bandes haben wirklich alle Generationen mitgemacht. Von den Großmüttern, die noch die ganz handwerklichen Strick- und Sticktechniken kennen, aber auch Experimente von Kindern mit dem Stoff und allen anderen Altersgruppen. Ulrika Eller-Rüter, Künstlerin

XXL-Matrioschka

Das multikulturelle Kunstprojekt hat auch den Verein Solnischko angesprochen. Marina Grusenick lebt in Oberbarmen und wollte sofort mitmachen. Die gebürtige Russin kann nähen und hat Unmengen an alten Stoffen. Etwas nähen in der vorgegebenen Größe ein Meter mal ein Meter…? Da fiel ihr sofort etwas ein. "Ich habe gedacht, ich mache eine Matrioschka, die ist russisch und sehr traditionell. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob Mann oder Frau, und dann habe ich einfach beides gemacht.“ Zusammen mit ihrer Kollegin aus Usbekistan zeigt sie stolz ihr Werk.

Wir wollten alten Stoffen ein zweites Leben ermöglichen. Marina Grusenick, Verein Solnischko

Eigene Kultur zeigen

Vor der Färberei, einem Integrationszentrum, ist ein Pavillon aufgebaut, unter dem ein paar Frauen sitzen. Sie nähen und arbeiten noch an einzelnen Stoffstücken. Hier ist das Herzstück der Kunstaktion, denn hier werden die einzelnen Kunstwerke zu Bahnen zusammengenäht.

"Die Idee von Ulrika Eller-Rüter hatte so viel Zauber, weil der Reichtum an Färbereien, den es hier gab, sich jetzt an dem Reichtum der unterschiedlichen Menschen in diesem Stadtteil auszeichnet. Das wird oft eher als Belastung gesehen, aber wir wollten zeigen, was für tolle Fähigkeiten die Menschen hier haben.“, erzählt Iris Colsman vom Bürgerforum Oberbarmen. Mit den Tuch-Installationen an den Brückengeländern und Uferböschungen sollen Verbindungen erlebbar gemacht werden: Zwischen Menschen und Natur, dem Wasserreich der Wupper und den verschiedenen Kulturen.

Gemeinsames Schaffen, schafft Nähe

Seit April konnten sich Menschen aus Oberbarmen an der Kunstaktion beteiligen. Knapp 50 Oberbarmer aus 15 verschiedenen Kulturen haben bei dem Projekt mitgemacht. Die Installation bleibt bis Samstagabend, den 11. Juli 2026, hängen - wird dann aber entlang der Wupper wieder abgehängt, um die Werke vor Diebstahl zu schützen. Auf dem Gelände der Färberei werden Teile aber noch zu sehen sein. Zum Abschluss des Kunstprojekts ist für Samstag eine Feier mit allen Beteiligten und vielen Gästen geplant. Dabei werden die Installationen zur Kulisse für Musik und Tanz.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Tuchinstallation verbindet Kulturen, 11.7.2026, 13:05 Uhr.