Trumps mächtigste Feinde im Iran-Krieg: Wie die Revolutionsgarde hinter Chamenei die Macht kontrolliert
Stand: 20.07.2026, 22:02 Uhr
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Irans neuer Religionschef Mojtaba Khamenei bleibt seit Monaten unsichtbar. Im Hintergrund baut die Revolutionsgarde ihren Einfluss im Iran weiter aus.
Teheran, Washington D. C. – Seit dem 28. Februar 2026 ist im Iran nichts mehr wie es war. An diesem Tag töteten US-amerikanische und israelische Luftangriffe den langjährigen Obersten Führer Ali Chamenei – und verwundeten seinen Sohn Mojtaba so schwer, dass dieser bis heute nicht öffentlich aufgetreten ist.

Trump widmet neue US-Angriffe auf Iran drei getöteten amerikanischen Soldaten. (Archivbild) © © IMAGO / ABACAPRESS / ArchivbildUS-Verteidigungsminister Pete Hegseth brachte es bei einer Pentagon-Pressekonferenz auf den Punkt: „Laut unseren Informationen ist der Oberste Führer schwer verwundet und hat höchstwahrscheinlich schwere Brandwunden im Gesicht.“ Die Abwesenheit des neuen Obersten Führers schafft ein Machtvakuum an der Spitze des iranischen Staates. Nach Einschätzung von Analysten liegt die eigentliche Herausforderung für Donald Trump jedoch nicht in der Unsichtbarkeit Mojtaba Chamenei, sondern in den Kräften hinter ihm: der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), die zu den einflussreichsten Machtzentren des Landes zählt.
Revolutionsgarde kontrolliert Irans Militär und große Teile der Wirtschaft
Die Revolutionsgarde wurde 1979 von Ruhollah Chomeini gegründet – als ideologisch zuverlässige Elitetruppe, die dem neuen Regime treu ergeben war, während man dem alten Militär des Schahs misstraute. Heute, fast 50 Jahre später, sind sie weit mehr als eine Armee. Sie sind ein Staat im Staat.
Rund 200.000 Mann stark, verfügen sie über ein eigenes Heer, eine eigene Marine, eigene Luftstreitkräfte und einen eigenen Geheimdienst. Sie kontrollieren Irans Grenzen, den Persischen Golf, die Atomanlagen und die Militärstützpunkte. Doch ihre eigentliche Macht liegt woanders: in der Wirtschaft. Bereits 2014 waren Schätzungen zufolge rund drei Viertel aller iranischen Unternehmen – und damit ein bis zwei Drittel der Wirtschaftsleistung – mit den Revolutionswächtern verbunden.
Nach Khameneis Tod: Revolutionsgarde stärkt ihren Einfluss im Iran
Nach dem Tod von Ali Chamenei, im Februar spielte die Revolutionsgarde eine entscheidende Rolle bei der Frage nach seiner Nachfolge. Mehrere Mitglieder des Expertenrats berichteten laut dem auf den Iran spezialisierten Investigativportal IranWire, dass der Geheimdienst der Revolutionswächter erheblichen Druck auf Mitglieder des Gremiums ausgeübt und deren Familien bedroht habe, um Mojtaba Chamenei als neuen Obersten Führer durchzusetzen.
Dass der neue Machthaber bislang kaum öffentlich in Erscheinung tritt und Berichten zufolge verletzt sein soll, bedeutet nach Einschätzung von Beobachtern jedoch keine Schwächung der Revolutionsgarde. Im Gegenteil: Ihre Stellung innerhalb des iranischen Machtapparats könnte dadurch weiter gestärkt werden.
Sanam Vakil, Direktorin des Nahost-Programms am Chatham House in London, sagte dem Independent: „Mojtaba ist noch nicht in voller Kontrolle oder Kommando.“ Gleichzeitig verwies sie auf die engen Beziehungen zwischen Chamenei und den Generälen der Revolutionsgarde, die diese zu einer der mächtigsten Kräfte im Land gemacht hätten.
IRGC unter Druck: Waffenruhe zwischen USA und Iran ist gescheitert
International steht die IRGC zunehmend unter Druck. Die Europäische Union stufte die Revolutionsgarde im Januar 2026 nach der Tötung Tausender Demonstranten offiziell als Terrororganisation ein. Die USA hatten diesen Schritt bereits 2019 – während Trumps erster Amtszeit – vollzogen.
Trumps Appell an die IRGC-Mitglieder, die Waffen niederzulegen und im Gegenzug Immunität zu erhalten, blieb ohne Wirkung. Ein im Juni unterzeichnetes Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran gilt inzwischen als gescheitert. Trump erklärte die Waffenruhe Anfang Juli für beendet – seither greifen sich beide Seiten erneut an.
USA und Iran verschärfen ihren Konflikt – Vermittler werben für neue Verhandlungen
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich Anfang Juli erneut verschärft. Auslöser war der Streit um die Kontrolle der strategisch wichtigen Straße von Hormus, einer zentralen Route für den weltweiten Energiehandel.
Trotz der wachsenden Konfrontation liegen nach Angaben Teherans Vorschläge von Vermittlern für eine mögliche Wiederaufnahme der Gespräche vor. Außenamtssprecher Ismail Baghai bestätigte entsprechende Berichte der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Gleichzeitig verschärfte die iranische Führung ihre Rhetorik gegenüber Washington und drohte in einer Erklärung des obersten Führers Ajatollah Modschtaba Chamenei mit Konsequenzen.
„Da der amerikanische Feind nun auf Kriegstreiberei, die Übernahme noch schwererer Kosten und eine noch größere Schande aus ist, soll er wissen, dass das geliebte iranische Volk und die Widerstandsfront unvergessliche Lektionen für ihn bereithalten“, hieß es in der Mitteilung. Weiter hieß es: „Heute hat der große Satan erneut sein wahres, unmaskiertes Gesicht gezeigt, damit diese dunkle Erfahrung von Verbrechen und Vertragsbruch zu einem weiteren festen Beleg für die Verlogenheit, Unvernunft, Unzuverlässigkeit und Niederträchtigkeit der Vereinigten Staaten wird“.
Katar vermittelt im Konflikt zwischen USA und Iran um die Straße von Hormus
Berichten des US-Senders CNN und des Portals Axios zufolge, die sich auf Diplomaten beriefen, war eine Delegation aus Katar in den Iran gereist, um zu vermitteln. Eine Bestätigung aus Katar gab es dafür zunächst nicht. Das katarische Außenministerium teilte lediglich mit, man unterstütze weiterhin die Bemühungen zu einer Entspannung der Situation und zum Erreichen eines umfassenden Abkommens. Die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus müsse sichergestellt werden, hieß es weiter.
In den vergangenen Tagen hatte das US-Militär mehrere Angriffswellen gegen Ziele im Iran geflogen. Begründet wurde dies mit Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus, für die die USA Teheran verantwortlich machten. Der Iran reagierte seinerseits mit Angriffen. Dabei gerieten auch Kuwait, Bahrain und Jordanien, die wichtige US-Militärbasen beherbergen, wieder unter Beschuss. (Quellen: IranWire, Independent, Irna, CNN, Axios, dpa) (jal)