Tour de France, 20. Etappe
Carapaz gewinnt nach Sturz-Drama die Königsetappe
Stand: 25.07.2026 • 17:59 Uhr
Richard Carapaz hat einen Tag vor dem Finale in Paris die Königsetappe der Tour de France gewonnen. Pech und Glück zugleich hatte Sepp Kuss: Der Amerikaner stürzte in Führung liegend 5,7 Kilometer vor dem Ziel in einen Fangzaun. Tadej Pogacar steht nach der zweiten Ankunft in Alpe d'Huez vor seinem fünften Tour-Sieg. Remco Evenepoel und Isaac del Toro fahren als Zweiter und Dritter nach Paris.
Von Ralf Schloßmacher
Ein großes Drama spielte sich bei der 20. Etappe auf den letzten Kilometern ab. Kuss hatte als Erster die letzte Bergwertung 14,3 Kilometer vor dem Ziel passiert. Mit nur wenigen Sekunden Vorsprung jagte er durch Alpe d'Huez, strauchelte zunächst im Tunnel der Skistation, kurz später sah man den Amerikaner in einem Fangzaun liegen. Der Zaun verhinderte, dass Kuss in die Tiefe stürzte. Carapaz zog an Kuss vorbei und feierte seinen zweiten Etappensieg. Zuvor hatte der 33-Jährige schon den Gewinn des Bergtrikots perfekt gemacht.
Auf der Zielgeraden zog auch noch Evenepoel an Kuss vorbei und kam als Zweiter (+26 Sekunden) an, Kuss musste sich mit Platz drei begnügen. Evenepoel zeigte bei der Königsetappe wieder eine starke Leistung im Hochgebirge und erwies sich damit letzlich auch klar als zweitbester Fahrer der Tour. Im Interview mit der Sportschau zeigte sich der 26-Jährige "super happy", aber auch "ein bisschen enttäuscht, dass wir die Etappe am Ende nicht gewonnen haben. Wir waren nah dran."
Pogacar arbeitet für del Toro
Pogacar stellte sich bei der Königsetappe voll in den Dienst seines UAE-Teamkollegen Isaac del Toro. Die letzten 50 Kilometer machte der Mann im Gelben Trikot die Tempoarbeit in der Spitzengruppe, er wollte del Toro so schnell wie möglich ins Ziel führen und dessen dritten Platz sichern. So ging der Slowene auch nicht bei der späten Evenepoel-Attacke mit, sondern blieb beim Mexikaner. Das Duo überquerte als Vierter und Fünfter (+1'05 Minuten) gemeinsam jubelnd die Ziellinie.
Pogacar und del Toro jubeln gemeinsam im Ziel
Paul Seixas verlor beim letzten Anstieg derweil den Kontakt zur Favoritengruppe. Frankreichs "Wunderkind" behielt im Gesamtklassement aber den fünften Platz.
5.450 Höhenmeter zu bewältigen
Die 20. Etappe über 171 Kilometer von Le Bourg d’Oisons nach Alpe d’Huez war die schwierigste der gesamten Tour. Satte 5.450 Höhenmeter kamen zusammen, drei Anstiege der höchsten Kategorie und einer der 1. Kategorie standen auf dem Menü. Nach Alpe d’Huez ging es diesmal nicht über die legendären 21 Kehren wie am Vortag, sondern von der Ostseite über den Col de Sarenne.
Zehn Kilometer nach dem Start begann bereits die große Kletterei. Der 24 Kilometer lange Anstieg zum Col de la Croix de Fer war die erste Herausforderung. Ziemlich klar war, dass an diesem Tag die Entscheidung im Kampf um das Bergtrikot fällt. Maximal 70 Punkte konnten die Kletterer holen.
Carapaz gegen Paret-Peintre - "Hart, aber herzlich"
Carapaz hatte das Gepunktete Trikot einen Tag zuvor von Pogacar übernommen. Am Berg hatte der Ecuadorianer allerdings alle direkten Duelle gegen Valentin Paret-Peintre, den Dritten in der Bergwertung, verloren. Diesmal wählte der Südamerikaner eine andere Strategie: 3,6 Kilometer vor der Passhöhe ging er bereits in die Offensive - und Paret-Peintre konnte die Lücke nicht schließen. Carapaz erreichte die Bergwertung mit 22 Sekunden Vorsprung und holte sich die ersten 20 Punkte, der Franzose als Zweiter bekam noch 15 Punkte.
Carapaz zog danach durch und Paret-Peintre musste auf der Abfahrt viel riskieren, um aufzuschließen. Schön zu sehen: Die beiden Kletterspezialisten bekämpften sich richtig hart, beim Zusammenschluss klopften beide dem anderen anerkennend auf den Rücken. Dahinter gab es eine große Überraschung: Mads Pedersen erreichte den Col de la Croix der Fer vor dem Feld der Klassementfahrer. Wieder einmal überraschte der Mann im Grünen Trikot mit seinen Kletterfähigkeiten.
Pedersen ist Grün nicht mehr zu nehmen
Unten im Tal lag bei Kilometer 66,5 die Sprintwertung. Und Pedersen fuhr tatsächlich mit den Verfolgern zum Spitzenduo nach vorne. Bei der Sprintwertung holte er dann ohne Gegenwehr die 25 Punkte und hatte damit das Grüne Trikot sicher. Mit 82 Punkten Vorsprung geht er nach Paris.
Danach ging es über den Col du Télégraphe hinauf auf das Dach der Tour. Knapp 30 Bergauf-Kilometer waren es bis zum 2.642 Meter hohen Col du Galibier. Schon auf den ersten Kilometern hatte Paret-Peintre Probleme und verlor den Anschluss. Für Carapaz war nun der Weg frei, um das Bergtrikot zu sichern. Am Télégraphe holte er sich diesmal fast entspannt zehn Punkte - es fehlten ihm nun nur noch ein paar Punkte.
Carapaz sichert Bergtrikot auf dem Galibier
Auf dem Dach der Tour krönte dann Carapaz seine Tour, bei der er auch die 18. Etappe gewonnen hatte. 20 weitere Bergpunkte waren gleichbedeutend mit dem Gewinn des Bergtrikots. Carapaz hatte nun bereits 49 Punkte Vorsprung vor Pogacar, das war nicht mehr aufzuholen.
Für Carapaz ging es nun auch noch um den Etappensieg. Die Rennsituation auf dem Galibier: Ein Spitzenquartett mit Carapaz, Kuss, Jai Hindley und Matthew Riccitello. Sekunden dahinter Juan Ayuso. Die nur noch fünfköpfige Gruppe mit den Top-Klassementfahrern hatte da fünf Minuten Rückstand. Es folgte eine lange Abfahrt, der Anstieg zum Col de Sarenne und das wellige Finale.
Paris-Etappe wegen Waldbränden verkürzt
Nach den Strapazen in den Alpen steht für den Tour-Tross der Bahn-Transfer nach Paris an. Die letzte Etappe wurde kurzfristig wegen der Waldbrände in Frankreich auf 89 Kilometer verkürzt. Wie im Vorjahr führt der Parcours wieder über den Pariser Hausberg Montmartre. Diesmal sind es nach der dritten Passage noch zehn Kilometer bis zur Ziellinie auf der Champs-Elysées. Die Sprinter haben daher wieder eine größere Chance, Ausreißer wieder einzuholen.