Stand: 17.07.2026, 14:18 Uhr
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Klassensprecher: Timothy Chandler kommt auf dem Feld selten zum Zug, bleibt aber ein wichtiger Faktor in der Kabine. Auch für Trainer Adi Hütter.
Eines kann man Timothy Chandler auch nach all den Jahren bei seinem Herzensklub sicher nicht absprechen: dass er sich in Szene setzen kann, die Menschen um ihn herum mit seiner positiven Art ansteckt, gute Laune verbreitet. Erst neulich wieder zu sehen und zu erleben beim Trainingsauftakt. Da wurde „Timmmyyy“ gefeiert wie kaum ein anderer. Aura hat er eben. Okay, die kommt im Kerngeschäft auf dem Rasen sehr selten zum Tragen. Da ist der 36-Jährige bei seiner Eintracht nur noch zweite, dritte Wahl. Mal auf der Ersatzbank, häufiger auf der Tribüne. Es gibt Profifußballer, die damit ein größeres Problem hätten, schlechte Stimmung verbreiten oder sich ins Schneckenhaus zurückziehen. Nicht so der ewige Timmy.

Nimmt es im Training gerne mal mit den Youngstern auf: Timothy Chandler (li.) gegen Noel Futkeu. © IMAGO/HMB Media/ClausEr fühlt sich auch so als vollwertiges Mitglied, eben mit anderen Rollen und Aufgaben. Als Integrationsminister, Kommunikator, gute Seele, als einer, der trotz Reservistendaseins mit der richtigen Einstellung im Training vorangeht und die Kollegen mitzieht. „Timmy ist ein extrem wichtiger Faktor in der Kabine, er führt die Jungs und übernimmt Verantwortung. Auch außerhalb des Platzes“, sagt Sportvorstand Markus Krösche. Der ideale Klassensprecher also. Der aber auch mal dazwischenfunkt, wenn Dinge verrutschen. Dann kann der Rechtsverteidiger mit Schalk im Nacken auch deutlich werden. In der vergangenen Runde war speziell diese Fähigkeit häufiger gefragt. „Es war ein kompliziertes Jahr. Auch für mich. Viel reden, viel kommunizieren und versuchen, Dinge in die richtige Richtung zu bewegen“, blickt Chandler zurück, fügt ausgleichend an: „Das macht mir aber Spaß, ich mache das gerne.“
Die Serie
Eintracht Frankfurt hat eine verkorkste Saison hinter sich. In der Champions League raus mit nur einem Sieg, das Pokal-Aus in der zweiten Runde – und in der Bundesliga erstmals seit fünf Jahren ohne einen Europapokal-Platz für die kommende Saison. Im FR-Abschlusszeugnis reicht es daher nur für die Note 4. Gerade noch so.
Das große Klassenbuch gibt’s, wie im letzten Jahr, in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Porträt – von einem Musterschüler bis hin zu vielen Sitzenbleibern.
So gerne, dass er seinen Vertrag um ein weiteres Jahr ausgeweitet hat und nun schon in seine 14. Profisaison im Adlertrikot geht. Bis zum Deal hätte es nur „ein paar Espresso und Wein gebraucht“, verrät Chandler breit grinsend. Formsache. Na klar, man schätzt sich. Entsprechend ging es in den Gesprächen nicht nur um sein vermutlich letztes Profijahr (“ich bin topfit“), sondern auch um seine Rollen und Aufgaben in den nächsten vier, fünf Jahren.
Torjäger unter Hütter
„Sowohl mein Herz als auch mein Kopf sagen mir, dass ich hier noch nicht fertig bin“, betont Chandler, einziger Profi im Kader, der schon mit Trainer Adi Hütter zusammengearbeitet hat. Zu Zeiten, als die Eintracht noch Powerfußball spielte, der Österreicher den früheren US-Nationalspieler ins rechte Mittelfeld vorzog und dieser ungeahnte Torjägerqualitäten entdeckte. Fünf Treffer in der Saison 19/20, länger her. „Das kann er gerne wieder so machen. Adi war auch ein Faktor, dass ich weitermache, er weiß, was er an mir hat“, sagt Chandler. Grundsätzlich sei er überzeugt davon, der Mannschaft mit seiner Erfahrung helfen zu können. Um das „Eintracht-Gefühl“ wieder zurückzubringen.
Diesen Zusammenhalt und Funken, der von der Mannschaft aufs Publikum überspringt, hat Chandler ins Herz geschlossen – und umgekehrt. Bestes und zugleich einziges Beispiel der vergangenen Runde: Beim abschließenden Duell gegen den VfB Stuttgart wurde er beim Stand von 0:2 eingewechselt. Als viele Anhänger sich schon mit der nächsten Enttäuschung abgefunden hatten. Dann kam Chandler – und das 2:2. Na klar, der treue Timmy war weit davon entfernt, in den einzigen zehn Bundesliga-Minuten seiner Saison den Unterschied auszumachen. Aber die Fans feierten ihn bei jedem Ballkontakt, es kam wieder Stimmung auf. Chandler hat es genossen – natürlich.