Taktik-Experte verrät: Spanien plant linkes Ding mit Cucurella
Stand: 17.07.2026, 07:00 Uhr
Kommentare
Uns auf Google folgen
Im Finale der Weltmeisterschaft treffen Spanien und Argentinien am Sonntag in den USA aufeinander. Taktik-Experte Sebastian Friedl weiß, worauf es ankommt.
New Jersey – Spanien, das taktisch beste Team mit den wenigsten Gegentoren. Argentinien, das kampfstärkste Team mit den meisten geschossenen Treffern. Wer kürt sich im Finale der Fußball-WM am Sonntag (21 Uhr) in New Jersey zum Weltmeister? „Wer am Ende gewinnt, ist aus taktischer Sicht nicht vorhersagbar“, meint Sebastian Friedl, Leiter Spiel- und Taktikanalyse am Internationalen Fußball Institut (IFI). „In einer Partie auf diesem Niveau entscheiden Details oder eine außergewöhnliche Aktion über Sieg oder Niederlage – klingt nach Floskel, ist aber definitiv so.“

Sebastian Friedl sieht Cucurella als entscheidenden Faktor im WM-Finale. © dpaMit „großartiger Positionierung“ und „sehr präzisem Passspiel“ ist Spanien momentan das „taktisch stärkste Team“. Dank ihrer ausgeprägten Spielkontrolle ließ die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente die nominell so offensivstarken Franzosen im Halbfinale (2:0) kaum zur Entfaltung kommen. „Auch wenn ihr Ballbesitz im Vorwärtsspiel phasenweise keinen Ertrag bringt, so bestimmt Spanien das Spieltempo und der Gegner muss anstrengende Verteidigungsarbeit leisten“, erklärt Friedl.
Spanien trifft im WM-Finale auf Argentinien
„Gelingt es ihnen zudem, den Ballbesitz mit offensiv ausgerichtetem Positionsspiel zu verbinden, kommen sie während eines Spiels auch immer zu Torchancen.“ Im zentralen Mittelfeld ziehen Rodri und Fabian Ruiz die Fäden. Offensiv-Juwel Lamine Yamal werde laut Friedl sicherlich seine Antrittsstärke im Dribbling über den rechten Flügel gegen Argentiniens Linksverteidiger Nicolas Tagliafico ausspielen wollen.
„Die WM-WG“: Unsere tägliche Fußball-Show wird dein Ritual zur Weltmeisterschaft

„Die WM-WG“ von Absolut Fussball – während der WM täglich im Livestream auf YouTube. © Absolut Fussball/ImagoAlle WM-Fans aufgepasst: Ihr wollt beim Mega-Event des Jahres nichts verpassen? Dann seid Ihr in der neuen Show „Die WM-WG“ von Absolut Fussball genau richtig.
Jeden WM-Tag (12 Uhr) streamen wir 30 Minuten lang eine frische Ausgabe im entspannten WG-Setting auf YouTube. Mit prominenten Gästen!
Hier geht‘s zu unserem YouTube-Kanal!
Schlüsselrollen werden zwei in Deutschland bekannten Gesichtern zukommen: dem Ex-Leipziger Dani Olmo und Marc Cucurella, der bei der EM 2024 mit einem Handspiel im Halbfinale gegen die DFB-Auswahl ungeschoren davonkam. „Mit Olmo haben die Spanier einen spielstarken offensiven Mittelfeldspieler, der immer wieder den nach vorne sprintenden Linksverteidiger Cucurella einsetzt“, so Friedl über den Spielzug, der in der Grafik gezeigt wird. „Oft folgen von der linken Seite flache Hereingaben in den Raum um den Elfmeterpunkt, wo Stürmer Mikel Oyarzabal, der schon fünf Tore in sieben Spielen erzielt hat, oder ein aufgerückter Mittelfeldspieler abschließt.“
Defensiv haben die Spanier kaum Schwächen. „Bei Ballverlust arbeitet das Team im Gegenpressing sowie im Rückwärtsverteidigen stark im Kollektiv. Auf diese Weise stellen sie mit bisher nur einem einzigen Gegentor die beste Defensive“, sagt der Taktik-Experte. „Potenziell anfällig sind sie nach Ballverlusten, wenn der Gegner in hohem Tempo auf die Abwehr zulaufen kann. Sonst offenbarten sie gelegentlich Probleme bei hohen Bällen und Hereingaben.“
Mit Titelverteidiger Argentinien kommt nun ein Gegner auf Spanien zu, der mit 19 Toren über die beste Offensive im Turnier verfügt. Wie man Superstar Lionel Messi abmontieren kann, zeigte England lange Zeit im Halbfinale. „Der Mannschaft von Coach Thomas Tuchel gelang es über weite Strecken, die argentinischen Spieler in der Mittelfeldzone stets unter Druck zu setzen, um Messi nicht ins Spiel kommen zu lassen“, erklärt Friedl.

Spanien könnte über Hereingaben von der linken Seite zum Torerfolg kommen. © IFIIn der Schlussphase verspekulierte sich Tuchel jedoch. Nach der Führung wechselte er drei Verteidiger ein und stellte auf eine Fünferkette um. Durch einen späten Doppelschlag nach zwei Vorlagen Messis drehte Argentinien noch die Partie. Friedl: „Ich erwarte, dass Spanien das Finale über Ballbesitz kontrollieren wird, während Argentinien in der eigenen Hälfte sehr aggressiv verteidigen wird, um bei Balleroberung über Messi schnell umzuschalten.“ Aber wer weiß, vielleicht wird Cucurella wieder zu Spaniens Titel-Trumpf.