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Brandbrief gegen die eigene Führung: SPD-Basis attackiert Bas und Klingbeil – „historische Mitverantwortung für diesen Niedergang“

SPD-Revolte gegen Bas und Klingbeil: Abrechnung in Brandbrief – „fachlich falsch“

Stand: 25.07.2026, 21:45 Uhr

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Die SPD-Basis rechnet mit Bas und Klingbeil ab – und macht die Führung für den dramatischen Niedergang der Partei mitverantwortlich.

Berlin/Bielefeld – In der SPD rumort es. Der Druck auf die SPD-Führung wächst – und er kommt diesmal von innen. In einem zweiseitigen Brief übt der Unterbezirksvorstand der SPD Bielefeld scharfe Kritik an Parteichefin Bärbel Bas und Co-Chef Lars Klingbeil. Das Schreiben, unterzeichnet vom Bielefelder SPD-Vorsitzenden Markus Kollmeier, fordert beide auf, sich zwischen Parteiführung und Ministeramt zu entscheiden.

Vizekanzler Lars Klingbeil und Ministerin für Arbeit und Soziales Bärbel Bas (beide SPD) im Willy-Brandt-Haus.

Vizekanzler Lars Klingbeil und Ministerin für Arbeit und Soziales Bärbel Bas (beide SPD) im Willy-Brandt-Haus. In den Umfragen stürzen die Sozialdemokraten immer weiter ab – und innerhalb der Partei macht sich Frust gegen die SPD-Führung breit. © TOBIAS SCHWARZ/AFP

Beide Rollen verlangten „volle Aufmerksamkeit und unterschiedliche Rollenverständnisse“, heißt es in dem Brief, der The Pioneer vorliegt. Während Minister Verantwortung für das Regierungshandeln trügen, müssten Parteivorsitzende die Interessen der Basis vertreten – und auch gegenüber der eigenen Regierung kritisch Position beziehen können. Eine glaubwürdige Erneuerung setze voraus, dass diese Rollen künftig wieder klar getrennt würden.

Bielefelder SPD wendet sich mit Brief gegen Bas und Klingbeil

Der Rückhalt der Partei in der Bevölkerung schwinde spürbar. Vertrauen in Handlungsfähigkeit, Glaubwürdigkeit und innere Demokratie der SPD seien erheblich beschädigt worden. Konkret nennt das Schreiben eine Reihe von Beschlüssen, die „sozial unausgewogen, politisch und fachlich falsch sowie innerparteilich unzureichend legitimiert“ seien: gestiegene Zuzahlungen beim Zahnersatz, finanzielle Mehrbelastungen durch die Krankenkassen-Reform, eine drohende Gefährdung psychotherapeutischer Angebote sowie die geplante Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag. All das treffe jene Menschen, die „sich jeden Tag abmühen“.

Das Resümee der Bielefelder SPD: „Statt, wie angekündigt, die AfD zu halbieren, sind wir auf dem besten Wege unser eigenes – mit Abstand schlechtestes – Ergebnis noch zu halbieren. Dafür gibt es Gründe und Ihr seid in der historischen Mitverantwortung für diesen Niedergang!“

Besonders heikel ist die Lage der SPD mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen im September. In Sachsen-Anhalt kämpft die SPD laut Umfragen mit rund fünf Prozent um den Wiedereinzug in den Landtag – ein Scheitern wäre ein historisches Novum in der Geschichte der Bundesrepublik. In Berlin liegt die Partei derzeit nur auf Platz fünf. Einzig in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ein kompetitives Rennen ab – dort allerdings gegen den AfD-Kandidaten Leif-Erik Holm. Und auch auf Bundesebene steuert die SPD zunehmend auf unter 10 Prozent zu.

Bas und Klingbeil auffällig abwesend bei Landtagswahlkämpfen

Auffällig ist dabei die geringe Präsenz von Bas und Klingbeil in den Wahlkämpfen, wie die Welt berichtet. In Berlin sind laut einem Sprecher von SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach derzeit keine Auftritte der Bundesvorsitzenden geplant. In Sachsen-Anhalt absolvierte Bas einen Termin, Klingbeil soll ebenfalls einmal auftreten. Schwesigs Büro betont derweil, wie die Welt zitiert: „Für die kommende heiße Wahlkampfphase konzentrieren wir uns auf Mecklenburg-Vorpommern.“ Bundespolitiker seien „grundsätzlich“ nicht eingeplant.

Nach Informationen von The Pioneer wurde zuletzt auch im Berliner Kreis einflussreicher Landespolitiker über mögliche personelle Konsequenzen nach den Wahlen gesprochen. Für den Fall eines Scheiterns in Sachsen-Anhalt werden intern bereits verschiedene Nachfolgeszenarien für die Parteispitze diskutiert. Der Brief aus Bielefeld verschärft diesen Druck zusätzlich: Er fordert von der Führung nicht nur Verantwortungsübernahme, sondern auch „Transparenz, eine ehrliche Analyse eigener Fehler und die Bereitschaft, politische Prozesse grundlegend zu verändern“. (Quellen: The Pioneer/Welt/SPD Bielefeld) (sischr)