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Salzburg lockt zur Neutorsperre mit 33-Euro-Klimaticket und Gratis-Tageskarten

Festspielbaustelle

Die Festspiel-Baustelle läutet die Verkehrsneuordnung in der Mozartstadt ein. Stadt und Land wollen die Menschen zum Umsteigen auf Öffis bewegen

15. Juli 2026, 06:40

Eine Straßenszene in Salzburg, die den Eingang des historischen Sigmundstors (Neutor) im Mönchsberg zeigt. Autos stehen in einer Schlange vor dem Tunnel, darunter ein Taxi. Links sind Bäume und ein Gebäude mit gelben Sonnenschirmen zu sehen. Rechts führt ein Radfahrer am Straßenrand entlang.
Derzeit stehen noch die Autos Schlange, um durch das Neutor in die Altstadt zu gelangen. Ab Herbst wird das Nadelöhr wegen der Festspielbaustelle für sechs Monate komplett gesperrt.

Während sich die Stadt Salzburg für die Eröffnung der Salzburger Festspiele bereit macht, rauchen in den Verkehrsabteilungen von Stadt und Land die Köpfe für die Zeit nach den Sommerfestspielen. Denn ab September wird durch die Baustelle der Festspielhäuser das Neutor für ein halbes Jahr komplett gesperrt. Derzeit fahren täglich bis zu 12.000 Autos durch das Nadelöhr. Die Sperre wird den Individualverkehr, den öffentlichen Verkehr und somit den Alltag vieler Menschen spürbar beeinflussen. Doch mit einem Maßnahmenbündel wollen Stadt und Land dieses Zeitfenster nutzen und den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel erleichtern.

Ab September bis zum Jahresende gibt es ein flexibles Klimaticket. Ähnlich wie beim Deutschlandticket und der Klimaticketaktion des Bundes kann jeder, der ein Klimaticket erwirbt, dieses monatlich ohne zusätzliche Kosten kündigen. Die Salzburgerinnen und Salzburger können somit pro Monat für 33,25 Euro, Senioren und Personen unter 26 Jahren sogar um nur 24,91 Euro die Öffis nutzen. Zum Vergleich: Ein reguläres Monatsticket für nur eine Region kostet aktuell 71 Euro.

Öffis statt Rushhour

Außerdem wird es 20.000 sogenannte Schnuppertickets geben. Die kostenlosen Öffi-Tagestickets sollen für alle Bahn- und Buslinien im Zentralraum sowie für die Buslinien 260 nach Zell am See und 270 nach Tamsweg gelten. 5.000 davon gehen an Umlandgemeinden, 5.000 erhält die Stadt und 10.000 werden über den Salzburger Verkehrsverbund (SVV) verteilt. Mitarbeiter des SVV werden die Tickets etwa direkt an den Verkehrshotspots an Staugeplagte während der Rushhour ausgeben.

Eine Straße in Salzburg vor dem Neutor (Sigmundstor), mit einem roten Bus der Linie 10 im Vordergrund. Auf der rechten Seite sind Lieferwagen und orange-weiße Absperrgitter zu sehen, die auf eine Baustelle oder Veranstaltung hinweisen. Menschen stehen oder gehen entlang des Gehwegs. Historische Gebäude und der dahinterliegende Mönchsberg sind sichtbar.
Busse werden auch nach der Komplettsperre wegen der Festspielbaustelle noch durchs Neutor fahren können. Der Durchszugsverkehr soll für immer draußen bleiben.

"Selbstverständlich unterstützen das Land und der Salzburger Verkehrsverbund die Stadt in der herausfordernden, intensiven Baustellenphase. In dieser Zeit wird der öffentliche Verkehr eine Schlüsselrolle übernehmen", sagt Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP). Neben den günstigen Tickets soll auch der Regionalverkehr ausgeweitet werden. Für Pendlerinnen und Pendler aus dem Flachgau gibt es zwei neue Expressbuslinien aus Mattsee und Berndorf.

"Wir sind gut vorbereitet. Es gibt einen abgestimmten Plan", versichert Verkehrsstadträtin Anna Schiester von der grünen Bürgerliste. Und sie appelliert an die Menschen in Salzburg: "Wer im Herbst seine Routinen ändern kann – mit Öffis, Rad, zu Fuß oder anderen Fahrzeiten – hilft ganz konkret mit, dass Salzburg gut durch diese Monate kommt. Jede Autofahrt weniger macht einen Unterschied."

Linke Altstadt autofrei

Die Vollsperre des Neutors für den motorisierten Verkehr gilt in der ersten Bauphase auch für die Obusse. Die Buslinien werden um den Mönchsberg umgeleitet. Damit diese nicht im Stau stehen, wird es für Autos Zufahrtsbeschränkungen am Müllner Hügel und zum Ferdinand-Hanusch-Platz geben. Damit wäre die linke Altstadthälfte zwischen Neutor, Müllner Hügel und Staatsbrücke autofrei. Die Altstadtgaragen werden von Maxglan weiter erreichbar sein. Fußgängerinnen können weiter, wie gewohnt, durch die Passage gehen. Fahrräder darf man durchschieben.

Und wie geht es nach der Vollsperre des Neutors Ende März 2027 weiter? In der zweiten Bauphase bis August 2030 wird nur eine eingeschränkte Zufahrt zum Herbert-von-Karajan-Platz auf einem Fahrstreifen möglich sein. Der Plan der Stadtregierung ist, dass auch nach der baustellenbedingten Sperre des Neutors der Durchzugsverkehr nicht mehr durch den Tunnel im Mönchsberg fahren soll. Ausnahmen gibt es für Anrainerinnen und Anrainer, Lieferverkehr, Taxis und Notdienste. Der Platz zwischen Neutor bis zur Salzach wird bis 2030 zum Shared Space und soll niveaugleich mit Granit gepflastert werden.

Autoverkehr reduzieren

Dass mehr Menschen in Salzburg auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen sollen, haben sich sowohl Stadt als auch Land in ihren aktuellen Verkehrskonzepten zum Ziel gesetzt. Der städtische Mobilitätsplan 2040 sieht vor, den Autoverkehr von derzeit 37 auf 20 Prozent zu beschränken. Das Ziel ist es, den Modal Split zu 80 Prozent auf den Umweltverbund, also Öffis, Fahrräder und Zufußgehen, zu verlagern. Und auch landesweit soll der Pkw-Verkehr von aktuell 45,5 Prozent auf 38,5 Prozent schrumpfen. "Das Angebot soll noch attraktiver werden, damit der freiwillige Umstieg gelingt", sagt Verkehrslandesrat Schnöll. (Stefanie Ruep, 15.7.2026)