Paolo Ganzerli skizzierte Anfang der Woche ein düsteres Zukunftsszenario. „Wir wollen nicht die letzte Generation sein, die ihn isst“, sagte der Vertriebsdirektor des Lebensmittelkonzerns Granterre mit Sitz in Modena. Er bezog sich auf die Parmesan-Produktion, die in Italien derzeit aufgrund der Hitzewellen massiv bedroht ist.
Die Kühe geben wegen der hohen Temperaturen über 40 Grad bis zu zehn Prozent weniger Milch. Die Trockenheit verschärft das Problem, weil die Kühe aufgrund der geschützten Ursprungsbezeichnung nur mit Gras oder Heu aus der Region gefüttert werden dürfen. Der Energieverbrauch steigt, weil die Käselaibe mindestens 12 Monate gekühlt reifen müssen. Der weltberühmte Käse könnte bald zum knappen Luxusgut werden. Und er ist nicht der einzige.

Ernteausfälle, Schädlinge
Die Klimakrise verändert die Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion. Dürren und Hitzewellen werden die Erträge beeinträchtigen, Biodiversität wird verloren gehen. Laut Bericht der Europäischen Umweltagentur wird das Risiko für Ernteausfälle höher, neue Krankheiten und Schädlinge werden sich ausbreiten. „Diese Entwicklungen verstärken die Gefahren für die europäische Ernährungssicherheit“, heißt es hier.
Derzeit ist der Selbstversorgungsgrad bei Lebensmitteln noch hoch, auch in Österreich. Bei Milch liegt er bei 177 Prozent, bei Weizen bei 87 Prozent. Um die Ernährungssicherheit langfristig zu gewährleisten, empfiehlt die Europäische Umweltagentur eine Reihe von Maßnahmen: von der Diversifizierung landwirtschaftlicher Betriebe, – etwa durch den Anbau verschiedener Kulturen, um die Abhängigkeit von einzelnen Erträgen zu verringern, – bis hin zur Reduktion der Lebensmittelverschwendung, um generell den Druck aus dem System zu nehmen. Gleichzeitig betont sie aber auch: Die Anpassungsfähigkeit hat ihre Grenzen.
Diese Lebensmittel könnten künftig knapp werden:

Weizen zählt zu jenen Kulturpflanzen, bei denen man bereits klimabedingte Ernterückgänge beobachten kann. In den Jahren 2012, 2016 und 2018 führten laut Weltklimarat IPCC außergewöhnliche Wetterlagen wie kalte Winter und Dürren im Sommer zu Ernteausfällen von bis zu 30 Prozent gegenüber den erwarteten Erträgen.
Hier gibt es regionale Unterschiede: Nord- und Teile Osteuropas könnten wegen längerer Vegetationszeiten zunächst sogar profitieren.
Laut IPCC könnten Maßnahmen wie Bewässerung Ernteausfälle verringern. Dies sei allerdings kein Langzeitmodell, da Trockenheit mit genereller Wasserknappheit einhergeht.

Zentrales Problem bei Obstbäumen wie dem Apfel ist der durch den Klimawandel veränderte Jahresrhythmus: Wärmere Winter lassen sie früher austreiben, folgt eine Spätfrostperiode, werden die Blüten beschädigt. Gleichzeitig setzen Hitze, Trockenheit und neue Schädlinge den Bäumen zu.
Besonders problematisch: Obstbäume stehen jahrzehntelang am selben Standort und können sich nur langsam an neue Klimabedingungen anpassen. Für Europas Obstbau bedeutet die Klimakrise steigende Kosten und eine unsicherere Ernte.

Auch Europas Meere verändern sich durch die Klimakrise. Weil viele Arten in wärmeren Regionen unter Druck sind, wandern sie nach Norden, wie etwa der Kabeljau.
Doch steigende Temperaturen sind nicht das einzige Problem: Laut IPCC setzt die Überfischung den Beständen zu – Kabeljau gehört zu den beliebtesten Speisefischen. Dramatisch könnte die Situation in der Ostsee werden: Hier beobachtet der IPCC eine Zunahme von sauerstoffarmen Zonen, auch „Todeszonen“ genannt.

Der Weinsektor erwirtschaftet in der EU rund 130 Milliarden Euro pro Jahr und sichert in etwa 2,9 Millionen Arbeitsplätze, schätzt die Europäische Kommission. Doch die Branche steht vor einer Herausforderung: Nicht nur Hitze, auch die vom Klimawandel begünstigten Extremwetterereignisse wie Starkregen und Hagel setzen den Reben zu.
Durch die höheren Temperaturen reifen die Trauben früher und enthalten mehr Zucker, das verändert den Charakter klassischer Sorten. So könnte der Grüne Veltliner seine typische Säure verlieren. Der Weinbau wird sich in kühlere und höher gelegene Regionen verlagern. Hitzeresistente Rebsorten werden sich durchsetzen.

Muscheln wie Austern leiden nicht nur unter den höheren Meerestemperaturen, größtes Risiko ist die Versauerung. Die Ozeane nehmen einen Teil des vom Menschen ausgestoßenen auf, dieses reagiert mit dem Wasser und der pH-Wert sinkt. Dadurch wird es für Muscheln schwieriger, stabile Schalen aufzubauen. Besonders empfindlich sind Jungtiere.
Die Muschel- und Austernzucht ist in vielen Küstenregionen Europas ein wichtiger Wirtschaftszweig, etwa an der Atlantikküste Frankreichs.

Die Qualität von Olivenöl hängt von Sorte, Reife und Verarbeitung ab.
Olivenöl schafft es schon seit geraumer Zeit immer wieder in die Schlagzeilen. Dürre und Schädlinge wirbelten den Markt in den vergangenen Jahren auf, beim weltweit größten Olivenöl-Produzenten Spanien brach der Ernteertrag 2022/23 um mehr als die Hälfte ein, die Preise verdoppelten sich. Gleichzeitig verschlechterte sich laut Experten von Stiftung Warentest die Qualität.
Langfristig wird sich der Anbau nach Norden verschieben, wenn auch nicht in den gleichen Produktionsmengen. Schon jetzt gibt es Versuche, Olivenhaine in Deutschland zu etablieren. In Ihringen am Kaiserstuhl, dem wärmsten Ort Deutschlands, gedeihen die 80 Bäume aus Andalusien prächtig.
kurier.at, krb
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19.07.2026, 5:15