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Trump-Tochter Ivanka: Nun greift sie auch noch nach Albanien

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn wir in den Urlaub aufbrechen, dann verlassen wir auch immer unseren Alltag, unsere Gewohnheiten. Sofern wir nicht an angestammte Orte fahren, stecken darin ziemlich viele Ungewissheiten. Das fängt schon mit der Anreise an: Womöglich ist der Brenner gesperrt, wir erwischen den Zug mit dem größten Chaos-Potenzial oder wir müssen wegen eines Gewitters auf dem Flughafen übernachten. Letzteres ist mir neulich passiert. Über Bergamo ging am Abend Starkregen mit Hagel nieder, und zwei Stunden stand alles still. Während danach die meisten Flugzeuge Richtung Norden wieder starteten, blieb mein Flieger am Boden, weil über dem Hauptstadtflughafen Berlin ein Nachtflugverbot ab 23 Uhr gilt. Mein Akku, den ich mir in einer Woche aufgeladen hatte, war mit der Ankunft am nächsten Morgen wieder leer.

Über die Alpen mit der Bahn

Nun starte ich einen neuen Versuch mit der Bahn: Umstieg in München, dann über Innsbruck, Brenner, Bozen nach Verona. Dauert zehn Stunden von Berlin aus und hat auch schon mal hervorragend geklappt. Wenn alles gut läuft, schaffe ich es in dieser Zeit, meine beiden Feriennewsletter vorzuschreiben, damit ich mal für zwei Wochen den Laptop weglegen kann. Immerhin geht es pünktlich um 6.45 Uhr am Berliner Südkreuz los.

Textchefin Birgitta Stauber sucht sie in ihrem Newsletter „Das Beste am Sonntag“ für Sie aus, eingebettet in ein persönliches Editorial. Kostenlos abonnieren können Sie den Newsletter hier.

Weil ich gerade auf dem Weg über die Alpen bin, starte ich mit dem Thema Italien. Meistens zieht es mich ja dorthin; aus lauter Liebe zum Land kämpfe ich jeden Dienstagabend mit italienischen Präpositionen, Pronomen und Konjugationen. Die meisten Italiener freuen sich, wenn sie von Deutschen ein paar italienische Sätze hören, und bedanken sich mit einem Wortschwall, zu dem ich nur noch nicken kann.

Birgitta Stauber

Birgitta Stauber, Textchefin© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Eines meiner Ziele wird die Biennale in Venedig sein, wo in diesem Jahr am Eingang eines Pavillons eine Performerin kopfüber nackt in einer riesigen Glocke hängt – als menschlicher Klöppel. Ich werde berichten, was dies und wohl auch die ein oder andere verstörende Darstellung in mir ausgelöst haben. Auf jeden Fall hoffe ich, ein wenig abschalten zu können von all dem innenpolitischen Chaos rund um Reformen und den sonstigen Kriegs- und Krisennachrichten.

Fahrradfahrer pausieren am Gardasee und blicken aufs Wasser.

Idylle pur: Der Gardasee bei Riva. Die Keime im Wasser wurden in den südlichen Badeorten gefunden. © iStock | Isaac74

Ich werde im Gardasee schwimmen und darauf achten, die Orte zu meiden, wo an Bachmündungen Fäkalienkeime gemessen wurden. Mein Gefühl sagt mir, dass dieses Wasser sauberer ist als die Adria. Belegen kann ich das aber nicht.

Hitzewelle, wärmere Meere: So spüren wir die Erderhitzung

Auf jeden Fall wird das Wasser warm sein. Die Tochter schrieb neulich vom Erasmus-Aufenthalt in Padua, das Meer in der Nähe von Venedig sei kaum noch eine Abkühlung. Ihr Gefühl belegten Daten des Copernicus-Berichts, wonach die Meere noch nie so warm waren wie in diesem Juni. Ist ja auch klar, wenn es immer heißer wird. Bei der Hitzewelle Ende Juni sind laut Robert-Koch-Institut 5000 Menschen in Deutschland gestorben. Damit zeigt sich: Die Erderhitzung hat uns längst fest im Griff, ist keine abstrakte Bedrohung, sondern wir spüren sie mit Haut und Haar, kommentiert meine Kollegin Theresa Martus.

Das hat natürlich Folgen. So wie wir Menschen es auch kaum aushalten können, wenn es heißer wird als 35 Grad, so reagieren auch Tiere. Allerdings gibt es Arten, die finden warmes Wasser wunderbar. Unsere Italien-Korrespondentin Micaela Taroni berichtet regelmäßig darüber. Zum Beispiel Haie. Die tummeln sich immer öfter an den Mittelmeerküsten, etwa rund um Sardinien. Das besorgt natürlich die Urlauber.

Eine Unterwasseraufnahme zeigt einen Sandbankhai (Carcharhinus plumbeus) im Mittelmeer.

Sandbank-Hai bei Antalya. © picture alliance / AA | Tahsin Ceylan

Oder die Blaukrabben, eine invasive Art, die eigentlich aus dem Golf von Mexiko stammt. Sie haben keine natürlichen Feinde und fressen gerne Kleingetier in den Meeren. Nur die Schalen der Austern knacken sie nicht. Deswegen sind die Luxus-Meeresfrüchte bei den Züchtern in Italien hoch im Kurs. Sie wollen, dass Austern ihr elitäres Image verlieren und massenhaft gezüchtet werden. Als Ausgleich für all das, was die Blaukrabben wegfressen.

Rund um Kreta ist es der Hasenkopf-Kugelfisch, der sich immer weiter ausbreitet. Eigentlich stammt er aus dem Indischen Ozean und dem Pazifik. Nun frisst er in der Ägäis den Fang aus den Netzen der Fischer und beschädigt die Ausrüstung. Feinde hat er ebenso wenig wie die Blaukrabbe in Italien. Jetzt gibt es ein Kopfgeld: Wer Kugelfische fängt, bekommt vom griechischen Staat über fünf Euro. Den Fang zu Geld zu machen, ist immer noch besser, als ihn zu verzehren, denn das Fleisch ist selbst nach dem Kochen noch stark giftig.

Teurer Norden, Schnäppchen im Süden: So viel kostet der Urlaub

Doch all den Haien, Krabben, Fäkalien und Kugelfischen und auch der Sommerhitze zum Trotz: Die Mittelmeerländer stehen bei deutschen Touristen immer noch hoch im Kurs. Obendrein sind viele Unterkünfte noch bezahlbar und die Wahrscheinlichkeit, dass es dauerregnet, tendiert gegen null.

Im Norden ist das anders. Dort gehört eher der Regenschirm als der Bikini ins Reisegepäck. Ich gebe zu, da bin ich nicht ganz neutral, aber immer, wenn ich an der Ost- oder Nordsee war, auf Usedom, in Scheveningen, Duhnen oder auf Sylt, gehörten Nieselregen-Tage dazu. Nehmen Sie es mir nicht übel, wenn Sie ganz anderer Meinung sind. Und womöglich wird der Norden immer attraktiver, je mehr wir den Klimawandel spüren.

Allerdings, und das ist jetzt ganz objektiv: Je weiter die Reise Richtung Norden geht, desto tiefer müssen wir ins Portemonnaie greifen. Richtige Schnäppchen bei immer noch überschaubarem Tourismus finden sich in Albanien. Den Überblick, wo Reisen in diesem Jahr eher günstig und wo besonders teuer ist, hat Nina Kugler zusammengestellt.  

Albanien steht auch bei mir ganz oben auf der Reise-Wunschliste. Schließlich locken Traumstrände, sauberes Wasser, ein tolles Gebirge und Wasserfälle, lese ich. Ich sollte mich beeilen, denn dass Albanien wunderschön ist, hat auch der Trump-Anhang erkannt: Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner wollen auf der Insel Sazan, die vor der Küste liegt, ein Luxusresort errichten, eine Art Club Med Trump, wie unser Washington-Korrespondent Dirk Hautkapp schreibt. Die Albaner halten übrigens herzlich wenig davon und protestieren seit Wochen kräftig. Premier Edi Rama indes träumt bereits davon, dass sein Land nicht länger der billige Geheimtipp bleibt, sondern in die Luxusliga am Mittelmeer aufsteigt. Nicht nur deshalb sind die Pläne politisch aufgeladen.

Gutes Benehmen ist auch in den Urlaubsländern gefragt

Wenn Ihnen an Hitzetagen selbst das Sommerkleid bzw. kurze Hose und T-Shirt zu warm sind, ist Italien nichts für Sie. Dort gelten strenge Regeln, etwa keine Strandkleidung in italienischen Städten und erst recht nicht in den Kirchen. Oben ohne kann selbst dann teuer sein, wenn es nur ein Sonnenbad ist. Mitunter geht es zu wie in vergangenen Jahrhunderten, so in einem Strandbad in Triest, wo Frauen und Männer getrennt werden.

Mein besonderer Tipp für Italien: Quälen Sie die Kellner nicht mit getrennten Rechnungen. Trinken Sie den schnellen Café Espresso im Stehen an der Bar, das ist günstiger. Begrüßen Sie die Verkäuferinnen in den Boutiquen – und bedanken Sie sich, wenn Sie rausgehen, auch wenn Sie nichts gekauft haben.

Noch mal zurück zu Venedig. Die Lagunenstadt leidet besonders unter Tagestouristen. Denn die bringen wenig Geld und sorgen für Dreck, Lärm und Überfüllung. Seit einigen Jahren wird eine Tagesgebühr von ein paar Euro fällig. Geht es nach dem Bürgermeister, könnte die Gebühr verzehnfacht werden. Und damit 50 Euro betragen – pro Kopf, selbstverständlich.

Venice at sunny evening

Die ganze Stadt ist ein Museum, und dafür wird Eintritt fällig: Der Canal Grande mit der Basilika Santa Maria della Salute in Venedig. © Getty Images/iStockphoto | sborisov

Das muss man sich leisten können. Ich bin froh, wenn ich noch mal drumherum komme in diesem Jahr. Allerdings habe ich auch Verständnis, denn die Stadt braucht sicher jeden Euro, wenn sie nicht in absehbarer Zeit Opfer des steigenden Meeresspiegels werden will.

Ohnehin sollte doch für jede Reise gelten: Behandeln wir die Menschen und die Orte so, wie wir es für uns selbst und unsere Umgebung erwarten, also mit Respekt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Sonntag, wo auch immer Sie ihn verbringen.

Ihre Birgitta Stauber