Nach Cyber-Attacke: Zwang die Ukraine das russische Militär zum Abschuss seines eigenen Super-Kampfjets?
Stand: 24.07.2026, 13:38 Uhr
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Ein russischer Tarnkappenjäger stürzte nahe Moskau ab. Nun verdichten sich die Meldungen: Die eigene Luftverteidigung könnte ihn abgeschossen haben.
Moskau, Russland – Am 23. Juli 2026 stürzte nahe der Ortschaft Lutino im Bezirk Odinzowo, unweit des Militärflugplatzes Kubinka, ein russischer Kampfjet des Typs Suchoi Su-57 „Felon“ ab. Das Flugzeug befand sich nach offiziellen Angaben auf einem unbewaffneten Ausbildungsflug, als es am frühen Nachmittag plötzlich an Höhe verlor. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten und blieb unverletzt. Die Maschine schlug in einem unbewohnten Gebiet auf und hinterließ ein schweres Brandfeld. Kurz vor dem Unfall, zwischen 11:20 Uhr und 11:40 Uhr Ortszeit, waren für den Großraum Moskau offizielle Warnungen vor ukrainischen Drohnenangriffen ausgegeben worden.

Die Su-57 ist laut Putin „der beste Kampfjet“ der Welt. © IMAGO / SNADas russische Verteidigungsministerium erklärte umgehend einen technischen Defekt zur offiziellen Absturzursache und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen der Verletzung von Flugregeln ein. Doch in den Netzwerken russischer Militärbeobachter verbreiteten sich rasch Berichte, die eine weit unangenehmere Erklärung nahelegten: Die eigene Luftabwehr soll das Flugzeug irrtümlich abgeschossen haben. Namhafte Akteure der russischen Militärbloggersphäre, darunter der bekannte Militärkommentator Romanow, stellten öffentlich unbequeme Fragen an die Besatzungen der neu aufgestellten Moskauer Luftverteidigungsformation „BARS-Moskau“. Präsident Wladimir Putin hatte den Su-57 in der Vergangenheit als „besten Kampfjet der Welt“ bezeichnet.
Absturz der „Su-57“: Was wirklich geschehen sein könnte
Die internationale Investigativgemeinschaft InformNapalm veröffentlichte noch am Tag des Absturzes Erkenntnisse, die den Vorfall über ein gewöhnliches Koordinationsversagen hinaus in eine neue Dimension rücken. Demnach soll der Verlust der Su-57 das Ergebnis einer kombinierten Operation aus menschlicher Geheimdienstarbeit (HUMINT) und digitaler Cyber-Aufklärung ukrainischer Spezialdienste gewesen sein. Bereits am 17. Juli 2026 hatten ukrainische Analysten Schulungsdaten und Live-Übertragungen von den Übungsplätzen der „BARS-Moskau“-Besatzungen ausgewertet. Dadurch konnten demnach kritische Schwachstellen im russischen Verteidigungsdispositiv identifiziert werden.
Militärexperten diskutieren in diesem Zusammenhang zwei Infiltrationsszenarien. Eine unabhängige Bestätigung für diese Cyber-Szenarien liegt derzeit allerdings bisher nicht vor. Das erste Szenario geht von einer gezielten Manipulation des Luftlage-Erfassungssystems im Großraum Moskau aus: Durch das Einschleusen kompromittierter Telemetriedaten oder die Störung kryptografischer Freund-Feind-Erkennungssysteme soll der Transponder der Su-57 so manipuliert worden sein, dass das Flugzeug auf den Radarschirmen der Luftabwehr fälschlicherweise als feindliche Drohne oder Marschflugkörper klassifiziert wurde.
Das zweite Szenario betrifft einen unbefugten Fernzugriff auf das hochautomatisierte Nahbereichssystem ZAK-30 „Citadel“ des staatlichen Rostec-Konzerns, das mit einer 30-mm-Kanone und programmierbarer Airburst-Munition operiert. Da dieses System über keine eigene integrierte Radareinheit verfügt, sondern seine Zieldaten vollständig von externen Netzwerken bezieht, wäre eine Manipulation des Feuerleitsystems über diese externe Schnittstelle theoretisch möglich gewesen.
Freund-Feind-Erkennung gilt als chronisches Problem der russischen Luftstreitkräfte
Die Luftverteidigungsformation „BARS-Moskau“ war erst Mitte Juni 2026 offiziell aufgestellt worden und wurde primär zum Schutz der Hauptstadt vor tieffliegenden ukrainischen Drohnen konzipiert. Sie besteht zu einem erheblichen Teil aus zivilen Freiwilligen und Milizionären, die mit tragbaren Fliegerabwehrsystemen, automatischen Maschinenkanonen und mobilen Störsendern ausgestattet sind. Die dezentrale Struktur und die mangelhafte Integration dieser Einheiten in die regulären Führungs- und Waffeneinsatzsysteme der russischen Streitkräfte schaffen strukturelle Risiken, die Experten von Defense Express bereits im Vorfeld des Vorfalls als erheblich eingestuft hatten.

Der Kampfjet Su-57 wurde wahrscheinlich von der eigenen Luftverteidigung vom Himmel geholt. © IMAGO / SNADas Problem der fehlerhaften Freund-Feind-Erkennung ist dabei kein neues Phänomen in der russischen Luftkriegsführung:
- Bereits zu Beginn der Invasion im Jahr 2022 führten mangelhafte Erkennungsverfahren und ein unkoordinierter Einsatz elektronischer Gegenmaßnahmen zum Verlust von mindestens drei bis vier eigenen Kampfflugzeugen.
- Im Oktober 2025 wurde eine Su-30SM über der Krim durch die eigene Luftabwehr abgeschossen; zwei wertvolle A-50U-Frühwarnflugzeuge gingen unter vergleichbaren Umständen verloren.
- Selbst die zivile Luftfahrt blieb nicht verschont: Ende 2024 schoss die russische Luftabwehr eine Embraer 190 der Azerbaijan Airlines ab.
- Im Juli 2025 wurde eine Boeing 737–800 der Aeroflot durch Flakfeuer beschädigt.
Da ein Tarnkappenjäger wie die Su-57 bauartbedingt eine extrem geringe Radarsignatur aufweist, ist er in einem dichten und nervösen Luftverteidigungsnetz ohne perfekt synchronisierte Transponderdaten besonders gefährdet, fälschlicherweise als feindliches Objekt eingestuft zu werden. Das bestätigen auch Analysten von Fachplattformen wie RUSI (The Royal United Service Institute).
Rüstungsökonomische Tragweite: Warum der Verlust einer „Su-57“ so unangenehm ist
Der Verlust einer Su-57 wiegt für die russischen Streitkräfte rüstungsökonomisch ungleich schwerer als der Ausfall älterer Flugzeugmuster. Schätzungen zufolge verfügte Russland Ende 2025 lediglich über rund 20 aktive Exemplare dieses Typs, womit jede einzelne Maschine einen signifikanten Anteil des russischen High-End-Luftkampfpotenzials darstellt. Die Stückkosten werden auf 100 bis 120 Millionen US-Dollar veranschlagt.
Hinzu kommt sogar noch der Verlust einer weiteren Maschine vom Typ Su-35 vor wenigen Tagen: Am 8. Juli 2026 erzielte eine ukrainische F-16 den ersten bestätigten Luft-Luft-Sieg des Krieges über einen russischen Kampfjet. Kleinere, aber durchaus effektive Nadelstiche setzen derzeit auch ukrainische Drohneneinheiten mit russischer Artillerie im Visier.