Lido-Betreiber greifen durch
Strände in Italien führen Verbot von mitgebrachtem Essen ein
In der italienischen Region Apulien nerven sich die Strandbetreiber über den Proviant der Badegäste – und verbieten das Mitbringen von Essen. Die Massnahme sorgt für Kritik. Generell sind die Strandkosten in Italien ein grosses Thema.
Publiziert: vor 57 Minuten
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Aktualisiert: vor 56 Minuten
Darum gehts
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- Italienische Strandbetreiber verbieten Essen von zu Hause, was für Kritik sorgt
- Apuliens Präsident Antonio Decaro: «Meer ist ein Gemeingut, kein Luxus»
- Tagespreise in Apulien betragen bis zu 1000 Euro, Strände ausgebucht
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Michael HotzTeamlead Wirtschafts-Desk
Unser südlicher Nachbar Italien rechnet mit einem riesigen Ansturm auf seine Strände: Der Iran-Krieg löste im Frühling eine Kerosinkrise aus, die wiederum viel Unsicherheit in den globalen Flugverkehr gebracht hat. Darum verbringen viele Europäer ihre Sommerferien lieber am Mittelmeer – auch die Schweizerinnen und Schweizer. Just zum hiesigen Ferienbeginn ist nun eine grosse Debatte ums Essen an den Badestränden in Apulien entbrannt, wie der «Corriere della Sera» berichtet.
Konkret: Apulische Betreiber der sogenannten Lidos, wie die Strandabschnitte in Italien genannt werden, sind von zu Hause geschmierten Sandwiches, selber gekochter Pasta und vorher gekauftem Gemüse oder Obst so richtig genervt. Der Proviant führe zu Problemen mit «Hygiene, Abfallentsorgung, Sauberkeit und Anstand», bemängeln sie. Darum haben nun Lidobetreiber das Mitbringen von Lebensmitteln verboten. Und damit wiederum für Entrüstung gesorgt.
«Meer darf nicht zum Luxus werden»
Einige Politiker üben deutliche Kritik am Vorgehen der Lidobetreiber – etwa Antonio Decaro (55), der Präsident der Region Apulien. Er hat sich in den sozialen Medien dazu geäussert: «Schon die Kosten für Sonnenschirme und Sonnenliegen sind exorbitant. Können wir dann im Namen eines vermeintlichen Anstands diejenigen, die sich für ein Strandbad entscheiden, bitten, ausschliesslich in der Bar und im Restaurant dieser Einrichtung zu essen?», sagt er in einem Video auf Instagram.
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Die Strände in Apulien sollen eine «Erfahrung der Freiheit» sein, findet Decaro. Für die Einheimischen und die Touristen. «Das Meer ist ein gemeinsames Gut und darf nicht zum Luxus werden.»
Strände seit Wochen bereits ausgebucht
Die Kosten für den Strandbesuch in Italien sind generell ein heisses Eisen. Die Preise für eine Strandliege samt Sonnenschirm steigen stetig weiter – getrieben durch die grosse Nachfrage. Gewisse Strände sind seit Wochen komplett ausgebucht. Die Lidos vergeben 60 bis 70 Prozent ihrer Liegen mit einem Saisonabo. Damit können sie die Umsätze sicher einplanen, da sie deutlich weniger wetterabhängig sind.
Die Touristen streiten sich dann um die wenig verbliebenen Liegestühle. An den meisten italienischen Stränden zahlt man pro Tag zwischen 30 und 50 Euro – wobei sich verstärkt eine Zweiklassengesellschaft entwickelt. Günstige Lidos verteuern ihr Angebot nur moderat. Dafür klettern die Preise in den edlen Strandclubs extrem. An den bekanntesten Adressen in Apulien sind in der Hauptsaison teilweise über 1000 Euro fällig – pro Tag.
Die Preise nach oben treibt unter anderem die EU-Strandreform: Spätestens bis Juni 2027 muss Italien sämtliche bisherigen Strandkonzessionen neu ausschreiben – auf Druck der Europäischen Union, um mehr Wettbewerb zu schaffen. Rund 30'000 italienische Lidobetreiber sind betroffen – und damit Familienbetriebe, die seit Jahrzehnten die Bezahlstrände führen.
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