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Krankschreibung: Chef von 420 Mitarbeitern hat Vertrauen – „Ein Anruf reicht“

Stand: 11.07.2026, 14:00 Uhr

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Charly Grote ist Schalke-Edelfan, Bäckermeister und Chef von 420 Mitarbeitern, denen er beim Thema Krankschreibung vertraut. Er sagt: „Ein Anruf reicht.“

Balve – „Jeder muss wissen, wofür er gearbeitet hat“, mit diesem Satz bringt Bäckermeister Charly Grote seine Haltung zum geplanten Reformpaket der Bundesregierung auf den Punkt. Der Senior-Geschäftsführer der Goldbäckerei Grote, die 420 Mitarbeiter beschäftigt, äußert sich zu den geplanten Neuerungen, die unter anderem die Abschaffung der Minijobs vorsehen – und zeigt sich dabei grundsätzlich aufgeschlossen, aber wachsam.

Auch als aktiver Spieler kann er, hier auf der Dachterrasse seines Hauses, die er als Fußballfeld anlegen ließ, durchaus überzeugen.

Bäckermeister, Chef von 420 Mitarbeitern und Schalke-Fan: Charly Grote. © Charly Grote

Bislang konnten Beschäftigte in verschiedenen Bereichen der Bäckerei bis zu 603 Euro im Monat abgabenfrei im Minijob dazuverdienen. Für Grote ist entscheidend, dass sich diese Regelung nicht zum Nachteil der Arbeitnehmer verändert: „Arbeit muss sich lohnen, und Geld dafür beim Arbeitnehmer ankommen.“ Solange am Ende nicht weniger im Portemonnaie lande, könne er mit einer Reform leben: „Man darf am Ende nicht schlechter stehen.“

Chef von 420 Mitarbeitern vertraut seinen Mitarbeitern

Sollte sich die Stundenzahl durch neue Regelungen ändern lassen, liege die Entscheidung darüber ohnehin beim Arbeitnehmer selbst. Wie stark Minijobs im Betrieb verankert sind, zeigt ein Blick auf die Beschäftigtenstruktur der Goldbäckerei Grote: 300 Mitarbeiter arbeiten in Vollzeit, hinzu kommen jeweils 60 geringfügig Beschäftigte und 60 Minijobber.

Auch zur viel diskutierten Krankschreibung ab dem ersten Fehltag bezieht Grote klar Stellung, und setzt auf Vertrauen statt Kontrolle: „Ich habe so großes Vertrauen, dass ein Anruf reicht.“ Aus seiner Sicht ist ein Arztbesuch am ersten Krankheitstag nicht in jedem Fall nötig: „Man muss nicht jedes Mal am ersten Tag zum Arzt.“ Seine Mitarbeiter könnten die Schwere ihrer Erkrankung selbst gut einschätzen, so der Unternehmer.

Dass ein Arztbesuch auch einmal notwendig wird, stellt er dabei nicht infrage: „Irgendwann muss man zum Arzt, ja.“ Sanktionen gegen Mitarbeiter im Krankheitsfall verhängt der Betrieb nicht. Grundsätzlich wartet Grote erst einmal ab, wie sich das Reformpaket der Bundesregierung konkret auswirken wird: „Von den Politikern werden Reformen erwartet.“ Wichtig sei ihm dabei ein Prinzip: „Alle müssen abgeben können, um Sicherheit für die Zukunft zu haben.“

Kritischer sieht der Bäckermeister die Aussetzung der Bremse bei steigenden Spritpreisen: „Das geht jetzt ins Geld.“ An anderer Stelle wünscht er sich dagegen mehr Sparsamkeit, und dies etwa in der Verwaltung der Krankenkassen und bei deren Vorständen. Dort, so Grote, dürfe der „Sparknopf“ öfter gedrückt werden.