Stand: 12.07.2026, 07:00 Uhr
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Hoffentlich setzen sich die kleinen Tannen auf dieser Fläche durch. © qwJulia Borasch pflanzt klimaresistente Tannen unter haushohen Fichten an, und trifft weitere Vorkehrungen für den Erhalt des Grasbrunner Forstes.
Grasbrunn – Julia Borasch kniet auf dem Waldboden. Eine kleine Tanne reicht der Försterin gerade einmal bis zu den Schultern. Aus den kleinen Bäumen soll im Grasbrunner Forst der Wald der Zukunft heranwachsen. Ein Wald, der robust genug ist, um den sich verschärfenden klimatischen Bedingungen standzuhalten. „Der Klimawandel ist längst im Wald angekommen. Es ist wichtig, dass der Wald auch in 100 Jahren noch steht“, erklärt Borasch. Für die kleinen Tannen ist der Standort im Schatten der haushohen Fichten ideal, um sich auf diese wichtige Aufgabe vorzubereiten: „Sie ist schattentolerant und kann so in Ruhe wachsen.“

Försterin Julia Borasch und eine der kleinen Tannen, die im Schatten der Fichten wachsen. © qwWährend sie weiter durch den Grasbrunner Forst spaziert, gewährt Borasch etwa 20 Interessierten Einblicke in die Entwicklung des heimischen Waldes. Wie wirken sich Trockenheit, Stürme und Schädlinge auf den Wald aus und wie funktionieren kommunale, staatliche und private Wälder zusammen?
Die Försterin setzt dabei auf eine Mischung der Baumarten. Neben den kleinen Tannen stabilisieren ein paar Kiefern den Baumbestand, und auch Eichen sprießen. Die schlechte Nachricht: „Die Eichen werden nicht durchkommen“, sagt die Försterin. Der Platz im Schatten ist nicht ideal. „Sie ist eine absolute Lichtbaumart.“ Eschen etwa werden gar nicht mehr angepflanzt, wegen des „Eschentriebsterbens“ – einer Pilzkrankheit, die der Baumart in ganz Europa zusetzt.
Borasch verwaltet Gemiendewald und spricht Empfehlungen an Privatbesitzer aus
Als Leiterin des Forstreviers Aschheim ist Julia Borasch seit sechs Jahren für das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg-Erding (AELF) tätig. Das Revier der 45-Jährigen erstreckt sich von Unterschleißheim bis Grasbrunn. Sie betreut etwa 5000 Hektar Wald – 2300 davon in privater, 2700 in kommunaler Hand.
Der Gemeinde Grasbrunn gehören hiervon etwa zehn Hektar Wald. Die sind laut Borasch in einem guten Zustand – die Zukunft sei gesichert. „Mein Vorgänger hat alles vollgepflanzt. Ich kann fast nur noch pflegen“, erklärt sie. Und das muss sie auch weiterhin tun, denn „ein zukunftsfähiger Wald entsteht nicht von allein.“ Den Privatwaldbesitzern kann Borasch lediglich Empfehlungen aussprechen, die Försterin vom AELF steht für eine kostenfreie Beratung zur Verfügung.
Die Exkursion ist Teil der kommunalen Klimaanpassungsstrategie. Mit dem Landratsamt und weiteren Kommunen hat die Gemeinde in den vergangenen zwei Jahren ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Ziel ist es, die Folgen des Klimawandels frühzeitig aufzugreifen und konkrete Maßnahmen vor Ort umzusetzen – auch im Wald.
Schotterboden und Schädlinge erschweren den Alltag der Försterin
Vom Grasbrunner Baumbestand werden jährlich etwa acht Kubikmeter Holz pro Hektar verkauft. „Unterdurchschnittlich“, erklärt Borasch. „Der Wald liegt auf einer Schotterebene.“ Bei einer Bodendicke von bis zu 25 Zentimetern ist die Nährstoffzufuhr der Bäume nicht optimal.

Eine Fichte, geplagt vom Borkenkäfer. © qwWer vor den Bäumen trotzdem keinen Halt macht, ist der Borkenkäfer. An einer Freifläche im Grasbrunner Wald zeigt Försterin Borasch, was der Schädling anrichten kann. „Der Käfer unterbricht die Nährstoffzufuhr zur Baumwurzel“, sagt die Gebietsleiterin. „Der Baum stirbt dann langsam ab.“ Besonders hartnäckig ist er obendrein: Ein Weibchen kann laut Borasch bis zu 200.000 Nachkommen in einem Sommer bekommen. Die Folgen seien Freiflächen, wie hier in Grasbrunn.
Die Freiflächen wären eigentlich ideal geeignet, um Lichtbaumarten anzupflanzen, erklärt die Försterin. Dazu zählen Eiche, Birke oder Lärche. Mäuse, Rehe oder Wildschweine, machen eine Wiederaufforstung an diesen Stellen allerdings nahezu unmöglich. „Die Tiere fühlen sich zu wohl und fressen die Pflanzen und Wurzeln ab.“ Damit der Wald der Zukunft entstehen kann, setzt Borasch auf die Tannen unter der Schattendecke der Fichten.