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Schlager-Ikone wird 70: Letztes Interview gab sie 2010 – drei Sätze erwiesen sich als trauriger Trugschluss

Juliane Werding wird 70: Letztes Interview erschien 2010 – drei Sätze daraus dürften Fans heute schmerzen

Stand: 18.07.2026, 12:21 Uhr

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In unserer Reihe „Unvergessene Stars heute“ blicken wir auf den 70. Geburtstag einer Schlager-Legende – und ihr bis heute letztes Interview.

Starnberg – Keine Gala, keine Interviews, keine TV-Auftritte: Juliane Werding feiert ihren 70. Geburtstag am Sonntag (19. Juli) im Privaten. Die Schlager-Ikone von einst hat sich seit 2009 komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Und das mit aller Konsequenz. Eine Anfrage unserer Redaktion für ein Statement zu ihrem runden Geburtstag blieb unbeantwortet, im März 2025 gab es zu einer Interview-Bitte eine nette Absage: „Vielen Dank für Ihre freundliche Anfrage. Leider bleibt es, wie Sie schon vermutet haben, dabei, dass Frau Werding keine Interviews mehr geben möchte“, hieß es in der E-Mail-Antwort, unterschrieben von „Ihr JW-Team“.

Juliane Werding war jahrzehntelang Stammgast in den großen TV-Sendungen – hier ein Screenshot aus einer ZDF-Show

Juliane Werding war jahrzehntelang Stammgast in den großen TV-Sendungen – hier ein Screenshot aus einer ZDF-Show. © Screenshot

2008 veröffentlichte Juliane Werding ihr bis heute letztes neues Studioalbum „Ruhe vor dem Sturm“ und entschloss sich danach für einen konsequenten Job-Wechsel: Sie arbeitete fortan als Heilpraktikerin in Starnberg. Den Beruf hatte sie bereits von 1985 bis 1989 erlernt, ihr Wissen dann vor dem Berufs-Schwenk aufwändig aktualisiert. Doch auch mit dieser Tätigkeit dürfte seit einigen Jahren Schluss sein, online finden sich inzwischen keine aktuellen Informationen mehr dazu.

Juliane Werding: Letztes Interview der Schlager-Ikone erschien in der „Deutschen Heilpraktiker Zeitschrift“

Wo sie ihr bis heute letztes Interview gegeben hat, passt ins Bild. Es erschien 2010 in der „Deutschen Heilpraktiker Zeitschrift“. Darin erklärte sie unter anderem zu ihrer Arbeit als Heilpraktikerin: „Wer nicht lächelt, den lass ich nicht gehen. Dann habe ich nämlich meinen Job nicht richtig gemacht und da ist noch etwas, was angeschaut werden will.“

Juliane Werding zählte zu den großen Schlager-Stars der Siebziger- und Achtziger-Jahre

Juliane Werding zählte zu den großen Schlager-Stars der Siebziger- und Achtziger-Jahre. © Frinke / Imago

Spannend sind aber drei andere Sätze. Auf die Frage, ob sie sich entschieden habe, nie wieder Musik zu machen, stellte Werding damals klar: „Nein, ich möchte mir da alle Optionen offen halten.“ Weiter sagte sie: „Ich kann mir durchaus vorstellen, auch weiterhin CDs zu produzieren. Ist halt alles eine Frage des Timings.“ Gegenüber dem Starnberger Merkur klang sie 2009 noch ähnlich: „Man soll ja nie nie sagen“, so Werding, „wer sich einmal mit dem Virus ­Musicus infiziert hat, ist nicht heilbar.“

Doch die Geschichte zeigt: Die drei Sätze aus ihrem letzten Interview erwiesen sich als Trugschluss. Sie hat bis heute keine neue Musik veröffentlicht. Fans sind darüber ziemlich traurig, wie sich bis heute in Äußerungen zeigt, auch wenn natürlich Respekt für den Schritt vorhanden ist. Werding tauchte nicht ein einziges Mal in der Öffentlichkeit auf. Es gab lediglich ein kleines Lebenszeichen – 2024 verfasste sie ein Grußwort zu einem CD-Sampler. Die Worte damals sollen tatsächlich von ihr gekommen sein. Auf alles Weitere warten die Fans bis heute.

Juliane Werding war schon immer der etwas andere Schlager-Star

Der ungewöhnliche Weg passt zu Juliane Werding. Der typische Schlager-Star war sie nie: Die Lieder erzählten nicht von heiler Welt, sondern oft von gesellschaftlichen Problemen oder Sinnfragen. Schon ihr erster Hit „Am Tag, als Conny Kramer starb“ setzte sich mit dem seinerzeit tabuisierten Thema Drogentod auseinander.

Gerade einmal 15 Jahre war Werding alt, als sie 1972 mit dem „Conny Kramer“ einen Millionenhit landete und über Nacht berühmt wurde. Das von Hans-Ulrich Weigel getextete Lied, das auf der Melodie von „The Night They Drove Old Dixie Down“ der US-kanadischen Gruppe The Band basiert, stand mehrere Wochen in den Top Ten der deutschen Charts. Der Text thematisierte den Drogentod eines Freunds aus Werdings Umfeld, auch wenn dieser nicht tatsächlich den Namen trug. Der offene Umgang mit Drogenmissbrauch war für den deutschen Schlager jener Zeit ungewöhnlich, denn das Thema war gesellschaftlich noch weitgehend tabuisiert. Mit seiner ernsten Botschaft und der eingängigen Melodie traf es offenbar den Nerv einer Generation.

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Den Weg auf die große Bühne hatte Werding eine Talentshow geebnet. Ihre Mutter schickte 1971 Aufnahmen ihrer Tochter an den „Talentschuppen“ des Südwestfunks. Daraus entwickelte sich ein Plattenvertrag. „Ich habe mich damals in dieser Zeit eigentlich als Protestsängerin verstanden“, sagte Werding einmal vor vielen Jahren in der „NDR Talk Show“. „Ich saß auf der Straße in der Fußgängerzone und habe Musik gemacht.“ Bei Abschluss ihres Plattenvertrags habe sie noch darauf bestanden, „kein Liebeslied, keine Schnulzen“ singen zu müssen. Mit dem Vertrag sei dann „eine Maschinerie ins Laufen“ gekommen, „die man gar nicht mehr beeinflussen“ konnte, berichtete sie weiter.

Juliane Werding war in den 70ern und 80ern ein großer Schlager-Star

Geboren wurde Werding am 19. Juli 1956 in Essen. Während ihres Durchbruchs besuchte sie noch eine Klosterschule. Sie verließ die Schule 1973 nach der Mittleren Reife, besuchte eine Handelsschule und absolvierte später eine Ausbildung im PR-Bereich. Daneben lief ihre musikalische Karriere nun so richtig an. Einen weiteren Erfolg feierte Werding etwa mit „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst“ von 1975 – ein Lied aus der Feder von Gunter Gabriel. Ende der 70er Jahre entfernte sich Werding zunehmend vom klassischen Schlager und schlug eine Brücke zu Chanson und Popmusik. Erfolge feierte sie mit Liedern wie „Nacht voll Schatten“ 1983, „Stimmen im Wind“ oder „Das Würfelspiel“ jeweils 1986.

Juliane Werding auf ihrer Tour Anfang 2008

Juliane Werding auf ihrer Tour Anfang 2008. © Berlinfoto / Imago

Parallel hielt sie an ihrem Leben außerhalb des Showgeschäfts fest. Ab 1982 arbeitete sie bei einer PR-Agentur in München, bevor sie sich wenige Jahre später beruflich umorientierte und eine Ausbildung zur Heilpraktikerin begann. Ende der 80er Jahre legte sie ihr Examen ab und eröffnete eine eigene Praxis in München, später nahm sie die Arbeit in Starnberg wieder auf. Die Mutter zweier Kinder zog sich ansonsten ins Private zurück – und das komplett.

Zurück zum Interview in der „Deutschen Heilpraktiker Zeitschrift“. Dort ließ Juliane Werding auch noch den folgenden Satz fallen: „Selbst das Showgeschäft kann auf Dauer langweilig werden.“ Dieses Empfinden begleitet sie wohl bis heute. Eine andere abgetauchte Schlager-Legende gab unserer Redaktion exklusiv das erste große Update nach 15 Jahren. (Quellen: Deutsche Heilpraktiker Zeitschrift, AFP, Starnberger Merkur, NDR Talk Show, Anfragen an Juliane Werding, Archiv) (lin)